Bei Hempens auf dem Sofa

Wenn die Häkelnadel in den Schlund des Abflusses rutscht

Hildesheim - Das kennt wohl jeder: Man will eben noch schnell etwas erledigen. Doch dann passiert eine Panne und man ist über Stunden mit der Lösung des Problems beschäftigt.

Beim Reinigen des Abflusses kann es zu ungeahnten Problemen kommen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Ich weiß ja nicht, wie Sie das so machen. Aber ich reinige den Abfluss von Waschbecken und Dusche im Bad gerne mit einer langen Häkelnadel. Da bekommt man Haare und Fusseln ganz prima herausgeprokelt. Nun war es neulich mal wieder so weit, und ich griff zu der Abfluss-Häkelnadel. Aus mal eben schnell erledigen wurde – wie so oft – ein mehrstündiges Programm.

Im schwarzen Schlund

Denn das Handarbeitswerkzeug rutschte mir aus der Hand und verschwand im schwarzen Schlund des Abflusses. Treppe runter. Taschenlampe holen. Wieder hoch. Mit der Lampe leuchte ich hinterher und sehe die Nadel vorm Knick des Siphons oder wie das Teil heißt. Zu weit entfernt für Finger oder Pinzette. Ich setze mich auf den Rand der Badewanne, fluche und denke dann nach.

Pümpel? Grillzange?

Würde die Saugkraft des Pümpels ausreichen, um das Teil aus der Tiefe zu holen? Treppe runter. Treppe hoch. Pümpel bringt es nicht, obwohl ich beinahe virtuos mit ihm umgehen kann. Grillzange? Treppe – na, Sie wissen schon. Zu breit. Zwei Essstäbchen! Ich habe ja gar keine. Was ginge noch? Ein langer Pflanzenstab mit Klebeband umwickelt. Das könnte klappen. Zwei Treppen, Keller ist angesagt. Offenbar setzt die Feuchtigkeit im Abfluss dem Klebeband zu. Es rutscht ab und versinkt im Dunkeln. Wenn das so weiter geht, ist der Abfluss bald total verstopft. Oh Gott, wie erkläre ich dem Klempner das Sammelsurium kurz vor der Abbiege zum Siphon?

Eine Fleischgabel!

Mit einer Fleischgabel könnte es gehen! Treppe. Um die beiden Zacken wickele ich ein Gummiband. Der Plan: Dazwischen soll die Häkelnadel sich verkeilen, und dann ziehe ich sie raus. Aufgeregt kaue ich mein Kaugummi während ich mit Taschenlampe in der Linken und dem Gummibandkonstrukt in der Rechten angele. Die Häkelnadel beißt nicht an. Moooment! Und wenn ich das Kaugummi…? Ich spieße den Batzen auf die Gabel und: Juhu! Ich ziehe das verlorengegangene Klebeband ans Tageslicht. Zwei Minuten später halte ich die Nadel in der Hand und feiere den Erfolg mit einem Tänzchen. Teilen kann ich meinen Sieg am Abfluss nicht. Denn dann müsste ich zugeben, dass ich ein Problem gelöst habe, das ich selbst geschaffen habe. Nee, nee. Ich gehe die Treppe runter und setze mich durchgeschwitzt neben meinen Mann aufs Sofa.

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