Energiekrise

Wer muss auf Gas verzichten? So sehen die Notfallpläne der EVI Hildesheim aus

Hildesheim - Der Hildesheimer Netzbetreiber legt derzeit fest, welche Firmen als erste vom Netz gehen müssten. Welche Probleme gibt es dabei?

Die EVI in Hildesheim bereitet sich auf die Möglichkeit vor, einzelnen Verbrauchern das Gas abzustellen. Foto: Marijan Murat/dpa

Hildesheim - Die Energieversorgung Hildesheim (EVI) bereitet sich immer intensiver auf die Möglichkeit vor, dass wegen ausbleibender oder zu geringer Gaslieferungen aus Russland nicht mehr alle Kunden in Hildesheim versorgt werden können. Das hat Unternehmenssprecherin Katrin Groß auf HAZ-Anfrage erklärt. Im Fokus stehen dabei vor allem Unternehmen mit hohem Gasverbrauch. Pläne zur Abschaltung auch bei Privathaushalten bezeichnete Groß indes als „Szenario für den alleräußersten Notfall“.

Anweisungen von Avacon

Deutlich realistischer erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt, dass einzelnen Großverbrauchern das Gas ganz oder teilweise abgestellt werden könnte. „Wir müssen unsere großen Netzkunden kategorisieren hinsichtlich der Frage, ob sie schützenswert sind oder nicht“, erläutert die EVI-Sprecherin. Das sei bei vielen Unternehmen nicht auf den ersten Blick eindeutig zuzuordnen, gerade diese Firmen stünden aktuell im Zentrum der Bemühungen.



„Bewertet wird dabei auch, ob im Falle einer Abschaltung oder Mengenreduzierung Personenschäden, Umweltschäden oder Sachschäden entstehen können“, sagt Groß. Welche Mengen im Zweifel gekappt werden müssen, müsse im Fall der Fälle die Firma Avacon als „vorgelagerter Netzbetreiber“ anweisen.

Kooperation unterschiedlich

Die EVI wiederum muss derzeit wöchentlich das „mögliche Abschaltpotenzial“ ermitteln und an die Bundesnetzagentur melden. Zahlen dazu nennt die Stadtwerke-Tochter nicht. Auch wollte sie sich nicht zu der Frage äußern, wie viel Gas in Hildesheim von Privathaushalten und wie viel von Firmen verbraucht wird.

Die Kooperationsbereitschaft der betroffenen Unternehmen ist dabei nach Angaben der EVI sehr unterschiedlich. „Viele Gespräche verlaufen sehr konstruktiv, die Menschen sind problembewusst und wollen ihren Beitrag leisten“, sagt Groß über Betriebe und Privatleute gleichermaßen. „Oft ergeben sich im direkten Kontakt bereits Möglichkeiten, Gasmengen zu reduzieren – oder es gibt sogar Alternativen.“

Manche kaum erreichbar

Es gebe aber auch Firmen, bei denen es schwierig sei, überhaupt zuständige Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter auszumachen und mit ihnen in Kontakt zu treten. „Die Erreichbarkeit einiger Unternehmen ist schlecht, aber da sind wir dran“, betont Groß. Die EVI habe sogar eine eigene Mailadresse für Großabnehmer eingerichtet – sie lautet kontakt-gasversorgung@evi-hildesheim.de.

Der Gasnetzbetreiber brauche Verbrauchsdaten, technische Angaben und Gerätedaten von seinen großen Abnehmern. Je mehr Informationen vorlägen, desto einfacher sei es, im Notfall „diskriminierungsfrei“, also möglichst gerecht, vorzugehen.



Privathaushalte seien ebenso wie Krankenhäuser und Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheime auf jeden Fall „schützenswert“.

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