Ein Shop auch in Deutschland aktiv

„Werwolfsyndrom“ bei Hunden: Rückrufe für Kauknochen nach TiHo-Warnung

Hannover - In mehreren Ländern gibt es Rückrufaktionen für Kauknochen wegen des „Werwolfsyndroms“ bei Hunden. Laut TiHo Hannover könnten Verunreinigungen die Ursache für die schweren neurologischen Auffälligkeiten sein. In den Niederlanden trifft die Warnung einen Onlineshop, der auch in Deutschland aktiv ist.

Verdächtige Kauknochen: Die TiHo Hannover vermutet, dass Verunreinigungen in einzelnen Produkten das Werwolfsyndrom auslösen könnten. Foto: Bernd Thissen/dpa (Symbolbild)

Hannover - Einzelne Behörden und Hersteller in europäischen Staaten reagieren auf die Vermutung der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo), Verunreinigungen in Kauknochen könnten für das sogenannte Werwolfsyndrom bei Hunden verantwortlich sein. Die Maßnahme trifft unter anderem die Niederlande. Dort vertrieb ein Onlineshop die betroffenen Produkte, der auch in Deutschland aktiv ist.

Seit einiger Zeit leiden zahlreiche Hunde in europäischen Ländern über rätselhafte Krankheitserscheinungen. Darunter sind plötzliche Panikattacken, lautes Heulen, Schreie und Versuche, aus Fenstern oder Türen zu entkommen. Später sind auch epileptische Anfälle möglich. Deshalb sprechen einige Tierärztinnen und Tierärzte vom „Werwolfsyndrom“. In einem Instagram-Video von Anfang Dezember teilte die TiHo mit, einige Hunde wirkten, „als hätten sie Halluzinationen“.

TiHo Hannover spricht von europaweitem Problem

Vermutet werde eine Vergiftung durch bestimmte, derzeit noch unbekannte Toxine in bestimmten Rinder-Kauknochen, erklärt Nina Meyerhoff, die in der TiHo-Neurologie tätig ist. Es sei nicht ausgeschlossen, dass auch andere Produkte betroffen sind. Klar sei, dass es sich um ein europaweites Problem handelt – und dass es weiterhin andauert. „Aus Frankreich wurden gerade erst neue Fälle gemeldet.“

Die niederländische Lebensmittel- und Warenaufsichtsbehörde NVWA hat nun darauf reagiert und warnt vor bestimmten Kauknochen der Marke „Barkoo“. Sie seien im Land durch Onlineshops des Unternehmens Zooplus vertrieben worden, teilte die Behörde zum Jahresende mit. Die vier Kauprodukte stünden im Verdacht, schwere neurologische Störungen bei Hunden zu verursachen, die Untersuchungen dazu liefen.

Kauknochen-Warnung: Onlineshop „Zooplus“ auch in Deutschland aktiv

Kauknochen der Marke „Barkoo“ sind auch in Deutschland bei „Zooplus.de“ und dem Discounter-Ableger „Bitiba.de“ erhältlich. Von dem in Dutzenden europäischen Ländern aktiven Unternehmen gab es auf Anfrage zunächst keine Rückmeldung dazu, wo überall die entsprechenden „Barkoo“-Produkte vertrieben wurden oder noch werden. Die niederländische Warnung betrifft folgende Artikel:

  • Barkoo Kaustange natur 29 cm, 570 Gramm mit drei Kauknochen, Code 1148655, Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 04.2027 3200PF027, Barcode 4260077047292
  • Barkoo Kauknochen, geknotet, natur, 11cm, 150 Gramm mit drei Kauknochen, Code 1148592, MHD 07.2027 3200PF027, Barcode: 4260077046875
  • Barkoo Kauknochen, geknotet, 24cm, 150 Gramm mit drei Kauknochen, Code 1148657 MHD 05.2027 3200PF027, Barcode: 4260077046899
  • Barkoo Kauknochen, geknotet mit Spirulina 12cm, 180 Gramm mit drei Kauknochen, Code 1148654, MHD 06.2027 3200PF027, Barcode: 4260077047261

In Dänemark wiederum rief der Hersteller Chrisco kürzlich vorsorglich bestimmte Kauprodukte für Hunde zurück, die in verschiedenen Märkten im ganzen Land verkauft worden seien. Hintergrund seien Berichte über Verhaltensänderungen bei Hunden, die die Produkte fraßen, hieß es. Eine weitere Rückrufaktion vom Hersteller Vafo gab es im Sommer in Finnland.

TiHo hat Studie zu Werwolf-Symptomen gestartet

In Deutschland seien seit Ende August vermehrt Fälle von Hunden bekanntgeworden, die schwere akute neurologische Symptome zeigten, erklärt Meyerhoff. Da solche Störungen auch auf andere Ursachen wie Schlaganfall, Gehirnentzündung oder Hirntumor zurückgehen könnten, sei jeweils eine neurologische Abklärung zur Ausschlussdiagnose nötig.

Die Klinik für Kleintiere der TiHo hat mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und Tierneurologen eine Studie zu den Symptomen initiiert. Betroffene Hundebesitzer und -besitzerinnen können sich an der Datenerhebung beteiligen.

Kauknochen im Verdacht: Spur führt womöglich nach China

Mit welchem Toxin die Produkte verunreinigt sind und auf welchem Weg es in die Futtermittel gelangte, ist bisher noch unklar, wie Meyerhoff sagt. Die Laboranalysen liefen noch. Zumindest für einige Produkte gebe es eine Verbindung zu einem Produzenten in China, der womöglich verschiedene weitere Hersteller mit Rohmaterial wie Rinderhaut belieferte.

Tödlich verlaufen die Erkrankungen Meyerhoff zufolge nicht, die Symptome schwänden nach einigen Tagen bis Wochen. Bei extrem erregten Tieren würden zeitweise stark sedierende und angstlösende Medikamente verabreicht. Anfangs, als noch nichts über den Verlauf bekannt war, seien in Europa vereinzelt auch Hunde aus Sicherheitsgründen oder wegen sehr starker Symptome eingeschläfert worden.

Von Annett Stein/dpa und Peer Hellerling

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