Kreis Hildesheim - Am Wochenende haben sich im Hildesheimer Land wahrscheinlich wieder viele beim Samstagabendgrillen auf der Terrasse oder beim Sonntagskaffee auf dem Balkon von ihnen gestört gefühlt: Wespen. Dabei rücken die wenigsten von ihnen den Menschen auf die Pelle. Dazu erklärt die Regionalgeschäftsstelle Weserbergland des Naturschutzbundes Nabu, die für den Landkreis Hildesheim und drei weitere Kreise zuständig ist: Von rund 700 Wespenarten, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommen, interessieren sich tatsächlich nur zwei für Kuchen oder Gegrilltes – nämlich die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. „Sie haben oft großen Appetit auf das, was den Menschen auch schmeckt“, weiß Geschäftsstellenleiterin Christine Koziol, also: zum Beispiel auf Süßspeisen und Säfte, Fleisch und Wurst.
Ersatz-Leckerbissen zur Ablenkung
Am gedeckten Tisch tauchen sie vor allem auf, wenn sie in der Natur nicht genug Nahrung finden. Viele Menschen reagieren panisch, wenn ihnen eine Wespe zu nahe kommt. Dann gelte es allerdings, Ruhe zu bewahren und hektische Bewegungen zu vermeiden, sagt Koziol: „Wespen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen.“ Um die Tiere abzulenken, empfiehlt die Nabu-Mitarbeiterin, eine Schale Zuckerwasser oder ein Stückchen Wurst abseits des Kaffeetisches oder der Grillrunde hinzustellen. Die Wespen würden dann vom Duft der Ersatz-Leckerbissen angelockt.
Alle anderen Wespenarten bevorzugen laut Nabu eher Nektar, Pollen und Pflanzensäfte, aber auch Fliegen, Blattläuse, Raupen, Käferlarven sowie andere Insekten und deren Larven, von denen manche im Garten, im Wald oder in der Landschaft eher unerwünscht sind. „Damit spielen sie eine wichtige Rolle im Naturhaushalt“, erläutert Koziol und ergänzt: „Und sie leisten einen wertvollen Dienst für Gärtnerinnen und Gärtner.“
Wespennester: Nicht gleich entfernen
Wespennester hängen oft frei an Häusern, zum Beispiel unter Dachvorsprüngen – dadurch sind sie gut sichtbar und werden in solchen Fällen oft entfernt. „Wie die Vögel haben Wespen deswegen immer mehr Probleme, geeignete Nistmöglichkeiten zu finden“, gibt die Nabu-Mitarbeiterin zu bedenken. Ein Nest müsse aber nicht gleich beseitigt werden: „Oft reicht es, einen Einflugschutz an Fenstern anzubringen, etwa ein Fliegengitter“, erklärt Koziol, „dann können Mensch und Insekt ganz friedlich nebeneinander leben.“ Klappt das nicht, vermittelt der Nabu den Kontakt zu Wespenberatern, die wissen, wie man ein Nest am besten an einen anderen Standort umsetzt.
Der Naturschutzbund gibt weitere Tipps im Umgang mit Wespe und Co. in einer Broschüre mit dem Titel „Bienen, Wespen und Hornissen – kein Grund zur Panik“. Sie ist für 2 Euro erhältlich.
