Transatlantisches Gipfeltreffen

Wie der Blues in die Bischofsmühle einzog

Hildesheim - Szenemusiker Tad Robinson und Blues-Veteranin Trudy Lynn begeistern am Freitagabend in der Hildesheimer Bischofsmühle mit souldurchzogenem Blues.

Stimmgewaltiger Blues: Szenegröße Tad Robinson stellt in der Bischofsmühle sein aktuelles Album „Real Street“ vor. Foto: Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Tad Robinson war immer „on the road“, also unterwegs. Geboren in New York, gelernt in Indiana, gemacht in Illinois. Seine Laufbahn hat den Sänger und Mundharmonikaspieler dann quer durch die Vereinigten Staaten und über den großen Teich und durch Europa geführt. Nächster Halt: Hildesheim. An diesem Freitagabend steht die Szenegröße in der Bischofsmühle auf der Bühne. Im Gepäck: sein aktuelles Album, das passenderweise „Real Street“ betitelt ist, sowie die Bühnen-Veteranin Trudy Lynn.

Durchdrungen vom Soul

Die zehn Songs auf „Real Street” hat Robinson mit der legendären Hi Rhythm Section in Memphis aufgenommen. Die Band um die Hodges-Brüder hat den Sound für Aufnahmen und Auftritte von Al Green, Ann Peebles und Otis Clay geschaffen. Entsprechend ist der Blues, den Robinson in seinen Songs zum Besten gibt, durchdrungen vom Soul. In Hildesheim begleiten die Brüder Kenan und Levent mit ihrem Vater Erkan Özdemir an Gitarre, Schlagzeug und Bass sowie der Italiener Alberto Marsico an der Orgel, Aaron Liddard am Tenorsaxophon und Diego Berotti an der Trompete. Dieser Combo gelingt es spielerisch, die Wucht und Fülle der Kompositionen erklingen zu lassen. Perlende Gitarrenriffs wechseln sich mit saftigen Bläsern ab, sodass immer wieder Anmutungen von Rock und Big Band durchklingen.

Die Zügel aber jeweils fest in den Händen haben Robinson und Lynn. „I‚ve got to keep my feet moving on down real street”, singt Robinson auf dem Titeltrack des gleichnamigen und aktuellen Albums. Die Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Robinson klingt und singt weltgewandt und erfahren, wie ein guter Blues-Sänger eben klingen muss. Dass er Erfahrungen wie andere Leute Briefmarken gesammelt hat, aber trotzdem lange nicht müde ist, beweist er aber auch immer wieder. Mühelos schraubt sich sein warmer Bariton in die Höhe und hält sich dort länger als die meisten Pop-Sternchen an der Spitze der Charts. Sowohl diese stimmlichen Höhenflüge als auch sein Mundharmonikaspiel setzt er bedacht ein, wenn es eben passt, wenn es der Band und der Musik dient, wie es ein erfahrener Musiker eben macht, der schon nichts mehr beweisen muss.

Rauchiges „Baby“

Robinsons Gesang hat etwas erzählerisches, fast schon dialoghaftes. Diese Art setzt Trudy Lynn wie selbstverständlich fort. Mit platinblondem Afro und einem Lächeln, dass sofort den ganzen Raum einnimmt, übernimmt die 74-Jährige nach einer halben Stunde. Sie erzählt von Thanksgiving in den USA und Aretha Franklins ersten Erfahrungen mit dem Gospel. Hinter jeden Satz gehört ein „baby“ und in jede Note steckt die Sängerin das rauchige Gefühl ihrer rauen Stimme. „Proud Mary keep on burning.“ Nach den beiden Solo-Auftritten stehen Lynn und Robinson dann gemeinsam auf der Bühne. Dass in dem schmalen Gewölbe der Bischofsmühle Platz für zwei solch großer Bühnenpersönlichkeiten und Talente, neben einer sechsköpfigen Band, ist, wer hätte es gedacht? Aber das transatlantische Gipfeltreffen gelingt. Lynn und Robinson begeistern das Publikum zwei Stunden.

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