Jubiläum im kommenden Jahr

Alte Molkerei lockt seit über 20 Jahren Kunden nach Eime: Über die Geschichte, den Standort und Zukunftspläne

Eime - Im kommenden Jahr besteht die Alte Molkerei im kleinen Ort Eime seit 25 Jahren. Mittlerweile ist das Geschäft weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Wie ist das Geschäftsführer Joyce-Philipp Hörmann gelungen? Wie bewertet er den Standort und welche Pläne hat er für die Zukunft?

Geschäftsführer Joyce-Philipp Hörmann und Mitarbeiterin Lydia Runge, die für das Marketing zuständig ist, geben einen Einblick in die Alte Molkerei in Eime.  Foto: Saskia Helmbrecht

Eime - Etwa 2650 Einwohnerinnen und Einwohner zählt der Flecken Eime. Und trotzdem ist der kleine Ort im Leinebergland mitunter weit über die Landkreisgrenzen bekannt. Immer mehr Neugierige kennen das Dorf, das westlich von Gronau liegt, weil sie die Alte Molkerei besuchen – ein Geschäft, in dem auf rund 800 Quadratmetern Deko- und Geschenkartikel, Mode und mehr verkauft werden, auch ein kleines Café ist in den Laden integriert. Im kommenden Jahr besteht der Shop bereits seit 25 Jahren. Ein Besuch.

Je nach Saison arbeiten 25 bis 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Alten Molkerei, die von dem alleinigen Geschäftsführer Joyce-Philipp Hörmann geleitet wird. Die 25 Festangestellten arbeiten in Voll- und in Teilzeit, was aber variiert.

Früher befand sich in dem Gebäude eine Kerzenproduktion inklusive Werksverkauf

1990 hat sein Vater die frühere Molkerei, die bis 1964 bestand, dann aber bis auf einige kurze unterschiedliche Nutzungen lange leer stand, gekauft. Bis 1999 richtete er dort eine Kerzenproduktion inklusive Werksverkauf ein, 1994 übernahm Joyce-Philipp Hörmann den Betrieb von seinem Vater. 1999 wurde die Kerzenproduktion vollständig nach Polen verlegt, die es dort noch bis 2010 gab, dann aber auch eingestellt wurde – eigene gefertigte Kerzen können also nicht mehr in der Molkerei gekauft werden, aber natürlich andere. Das Gebäude, das es bereits seit 1892 gibt, standen ab 1999 demnach leer, was Hörmann schade fand und die Idee, ein Geschäft aufzubauen, im Jahr 2000 realisierte. Mittlerweile kommen jährlich etwa 75.000 Kunden vorbei, größtenteils aus einem Einzugsgebiet von 100 Kilometern. Der Umsatz ist jährlich auf mehr als 2 Millionen Euro gestiegen, berichtet Hörmann. Mit diesem Erfolg habe der 51-Jährige vor 24 Jahren nicht gerechnet. „Wir sind froh, eine kleine Firma zu sein.“

Worin aber liegt laut Hörmann das Erfolgsrezept? „Wir wollen den Menschen hier eine Freude machen.“ Und ein Ausflugsziel schaffen, wo die Gäste gerne Zeit verbringen, ergänzt Mitarbeiterin Lydia Runge, die für das Marketing zuständig ist. Vermehrt setze das Team auf Social Media, um noch bekannter zu werden, laut Runge mit Erfolg. Die Mundpropaganda sei aber nach Angaben von Hörmann sogar noch wichtiger. Beides trage auch dazu bei, neues Personal zu finden, trotz des kleinen Ortes bekäme Hörmann auf Stellenanzeigen einige Bewerbungen, auch wenn es heute weniger geworden seien als noch vor Jahren.

Keine Expansion, aber eine räumliche Erweiterung am jetzigen Standort in Planung

„Und wir passen uns an Gegebenheiten an: Dass wir kein in Stein gemeißeltes Konzept haben, ist das Konzept, das Motto könnte unperfekt perfekt lauten“, sagt Hörmann. Gerade, weil das Konzept in Eime verbunden mit dem Team so einzigartig sei, sei es schwer, das an einem zweiten Standort genauso zu duplizieren, eine Expansion kann sich Hörmann daher nicht vorstellen. Dafür aber eine Erweiterung des bestehenden Standortes in Eime, einige Flächen im Gebäude stünden noch zur Verfügung.

Die Lage des Dorfs sei gut, nur die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr könnte besser sein, daher seien bereits zusätzliche Parkplätze geschaffen worden. Denkbar sei zudem ein Shuttle-Angebot vom Bahnhof Elze. Gerade bei den jährlich stattfindenden vier Events werde es aufgrund des hohen Andrangs auch schon mal eng im Ort. Weitere Veranstaltungen, vielleicht sogar Workshops, könnte sich Hörmann aber für die Zukunft trotzdem vorstellen.

Eime habe noch Potenzial

In eine Großstadt wäre Hörmann niemals mit seinem Geschäft gezogen, sagt er. Eine Laufkundschaft passe demnach nicht zum Konzept, vielmehr sollten Kunden ganz bewusst nach Eime fahren, weil sie das Geschäft und den Ort wertschätzen. Gerade in Richtung Höxter, Northeim oder Hannover sieht Hörmann noch „großes Potenzial“, dass die Kundschaft wachsen kann.

Gleichzeitig aber steigen die Kosten, das Leben wird immer teurer, wollen die Menschen da noch Geld für Deko oder Geschenke? „Ja“, sagt Hörmann und spricht von dem sogenannten „Lipstick Effect“. Gerade in Krisenzeiten seien oftmals keine großen Anschaffungen finanziell möglich, auf hübsche Kleinigkeiten wollen die Kundinnen und Kunden aber nicht verzichten. Dieses Phänomen spiele der Alten Molkerei in die Karten. Dass die Menschen sparen, könne Hörmann bislang nicht so feststellen, was aber auch an vielen Neukunden liegen könnte. „Die Welt ist grau, da wollen es sich viele schön bunt machen und sich kleine Dinge im Alltag gönnen.“ Oder auch anderen mit kleinen Geschenken eine Freude bereiten. Anders als im Supermarkt kämen die wenigsten mit einem klaren Kauf-Ziel vor Augen ins Geschäft.

Selbstständigkeit nicht bereut

Mut, Ausdauer und viel Herz brauche man für die Selbstständigkeit, fasst Hörmann zusammen, eine Portion Optimismus bedarf es ebenfalls, und vielleicht müsste man auch ein Visionär sein, die Wirtschaftlichkeit dürfe man aber bei allen guten Ideen nicht aus dem Blick verlieren. Aufgrund der vielen bürokratischen Hürden sei die Selbstständigkeit aber heute schwieriger, sagt er.

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