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Wie die Besuchshunde aus Hildesheim die Seelen berühren

Kreis Hildesheim - Sechs Hunde gehören zum neuen Besuchshundedienst des ASB in Hildesheim. Sie kommen auf Wunsch in Heime oder andere soziale Einrichtungen: Wie der Besuch abläuft und was er bewirken kann.

Labrador Filou trägt das gelb-rote ASB-Tuch um den Hals. Sein Besitzer Volker Schulz (links) hatte die Idee zu dem Besuchshundedienst. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Die alte Frau ruht bewegungslos auf einem Liegesessel. Ihr Blick, starr und apathisch, verliert sich im Raum der Tagespflege. Auf ihrer Brust liegt ein Stoffhund. Eine Betreuerin sitzt neben ihr, streichelt die Hand der demenzkranken Seniorin. Keine Reaktion. Da nähert sich Luna, eine aufgeweckte Hündin. Der Beagle stupst mit der Nase an die Hand der Frau. Plötzlich zeigt die Seniorin leichte Regungen, blinzelt, bewegt die Finger der Hand, die gerade von der weichen Schnauze berührt wurde.

Wochenlang vorbereitet

Luna hat bei ihrem ersten Einsatz gleich ein Herz geöffnet, eine Seele berührt. Das soll sie künftig in Stadt und Landkreis Hildesheim noch ganz oft tun – mit ihren vierbeinigen Kolleginnen und Kollegen vom Besuchshundedienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Mit Labrador Filou, Dackel Estor, Terriermischling Crazy und zwei weiteren Hunden. Sechs Vierbeiner, jeweils mit menschlicher Begleitung, gehören zu der neuen Gruppe, der ersten dieser Art unter den Wohlfahrtsverbänden der Region.

Die Hunde haben sich mit ihren Frauchen und Herrchen wochenlang intensiv mit einem Trainingsprogramm auf den Besuchsdienst vorbereitet. Den Abschluss bildete eine Prüfung in Göttingen. „Die war anspruchsvoll“, berichtet Volker Schulz, Initiator und Leiter des Besuchshundeteams, „ein Hund ist auch durchgefallen.“ Der war nicht ausgeglichen genug – das ist allerdings eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit die Tiere eingesetzt werden dürfen.

Freiwilligendienst als Übergang zum Ruhestand

Schulz ist schon lange ein Hundefan, und Filou ist ihm ein treuer Begleiter. Als der langjährige Telekom-Mitarbeiter nun als Übergang in den Ruhestand einen Freiwilligendienst beim ASB begann, regte er an, den Besuchshundedienst aufzubauen. Bei Geschäftsführer Bolko Seidel rannte er damit offene Türen ein: „Ich fand die Idee gleich charmant“, sagt Seidel, „Hunde sind gut für die Seele.“

Eine vierköpfige Hundeschar hatte am Mittwoch ihren ersten Auftritt in der ASB-Tagespflege in Hildesheim-Drispenstedt. Künftig werden sie nicht nur die Menschen an den anderen Tagespflege-Standorten in Bad Salzdetfurth und Elze oder in den zahlreichen anderen sozialen Anlaufstellen des ASB besuchen – gegen eine kleine Aufwandsentschädigung kommen sie auch in Pflege- oder Kinderheime anderer Träger, in Seniorenzentren oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

„Einfluss der Hunde ist unglaublich“

„Der Einfluss der Hunde ist unglaublich“, sagt Schulz und erzählt von dem Fall eines demenzkranken Verwandten, der überhaupt nicht mehr gesprochen habe. „Und als ein Hund ihn zum zweiten Mal besuchte“, erinnert sich Schulz, „begrüßte er ihn mit Namen.“

Das Team des Besuchshundedienstes wünscht sich weitere Verstärkung, um möglichst alle Anfragen berücksichtigen zu können. Laut Schulz hat sich auch schon eine Einrichtung aus Hannover gemeldet – denn vergleichbare organisierte Angebote sind im weiten Umland selten. Wer einen ausgeglichenen Hund hat und zusammen mit diesem anderen Menschen Freude bereiten möchte, kann sich per E-Mail melden: v.schulz@asbhildesheim.de.

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