Hönze - Wie es war? „Unglaublich!“, sagt Dorian Paters. Nachfrage: unglaublich was? Schrecklich? Geil? „Alles!“, lacht Paters. Er lernt eigentlich Informations-Elektroniker beim Telekommunikations-Riesen Vodafone. Dass er im Zuge seiner Ausbildung einmal in einem Dorf im südlichen Landkreis Hildesheim auf einem alten Mofa über eine Wiese und durch ein Feld heizen würde, noch dazu mit anderen um die Wette – das hätte er sich nicht träumen lassen. „Nee, sagt auch Azubi-Kollege Mike Berends. „Darauf wäre ich auch nicht gekommen.“
Rennen als Teil der Ausbildung
Am Samstagmittag war die 18. Auflage des Mofarennens „444 Minuten von Hönze“ gestartet. Es endete um 19.24 Uhr – und wie in den Vorjahren gewann das MHR Mittelhessen Racing-Team. Das Team der Vodafone-Azubis kämpfte sich im Lauf des Tages immer weiter nach vorn durch und erreichte Platz 36.
Teil der Ausbildung
Überhaupt ist die Geschichte des Lehrlingsteams in diesem Jahr die vielleicht speziellste in Hönze. Zumal es nicht nur um Mofarennen geht, sondern auch um gesellschaftlich interessante Fragen: Welche Elemente können heute zu einer Berufsausbildung gehören, und warum?
Die Idee hatte Ausbildungs-Gruppenleiter Torben Prinz Ende vergangenen Jahres. Er arbeitet für Vodafone in Bremen, stammt aber aus Hönze, wo seine Eltern und sein Bruder heute noch leben. „Ich war auf der Suche nach einem längerfristigen Projekt, bei dem unsere Azubis im Team zusammenarbeiten müssen, beruflich über den Tellerrand schauen können und sich auf die Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit ihrer Mitstreiter vertrauen müssen und quasi die Komfortzone verlassen können müssen.“ Denn das müssten sie, unabhängig von den konkreten Inhalten ihres Lehrberufs, im Arbeitsleben auch.
Mofa wieder flottmachen
So verfiel er auf den Plan, eine Gruppe Auszubildender aus verschiedenen Standorten des Unternehmens beim Mofarennen in Hönze antreten zu lassen. Aber nicht nur das: Zuvor sollte die Gruppe ein altes, abgehalftertes Mofa wieder flottmachen. „Voraussetzung war aber, dass die Azubis einverstanden sein würden“, blickt Prinz zurück.
Oft samstags und sonntags
„Wir waren schon erst skeptisch, weil keiner von uns je Mofa gefahren ist und auch keiner groß an Motoren herumgeschraubt hat“, erinnert sich Mike Berends. „Aber dann war eine klare Mehrheit von uns dafür.“ Das Vorhaben sprach sich im Unternehmen herum. Ein Vodafone-Mitarbeiter, Hobbyschrauber mit eigener Werkstatt, nahm die vier Azubis unter seine Fittiche. In mehreren Workshops, oft samstags und sonntags, machten sich die jungen Männer mit dem Mofa und ihrem Motor vertraut. Erste Testfahrten fanden auf einem abgesperrten Straßenabschnitt statt, dann auf Privatwegen, schließlich auf Wiesen.
Die Jungs haben viel Freizeit und Herzblut in das Projekt gesteckt.
„Das Ganze hat sich jetzt schon gelohnt, egal wie letztlich das Rennen läuft“, schwärmte Torben Prinz schon vor dem Start, während er mit breitem Grinsen über das Hönzer Mofarennen-Gelände lief, rechts und links alte Bekannte grüßend. „Die Jungs haben das großartig gemacht, sich total darauf eingelassen, viel Herzblut und viel Freizeit in das Projekt gesteckt. Ich bin sicher, das bringt die richtig weiter.“
Mit 50 Mofas losdonnern
Doch wie weit würden sie wohl kommen in Hönze? Auf einer Wiese bei Bremen erste Fahrversuche auf einem Mofa zu unternehmen, ist das eine. Das andere ist, einen „Le-Mans-Start“ mit fast 50 anderen Fahrern, die auf Kommando zu ihren Maschinen rennen und losdonnern, unbeschadet zu überstehen und dann auf der kurvigen Strecke mit so viel Konkurrenz den Überblick zu behalten. „Schalten, Gas geben, niemanden anfahren – das ist schon erst mal ganz schön viel auf einmal“, gestand Mike Berends, stellte aber auch fest: „Man wird dann von Runde zu Runde sicherer. Auch wenn es echt anstrengend ist.“
Man wird von Runde zu Runde sicherer.
Und Ausbilder Dennis Peper, der die Azubis als Fahrer unterstützte, ergänzte: „Die anderen Fahrer sind wirklich sehr umsichtig, es wird auf der Strecke sehr gut aufeinander geachtet.“ Und so erlebte zum Beispiel Mike Berends zwar auch einen Sturz, konnte aber problemlos wieder aufstehen und weiterfahren. Und das nicht so schlecht: „Ich bin mega stolz auf die Jungs“, schwärmte ein Vodafone-Mitarbeiter, als er auf der Live-Anzeige des Zwischenstandes immerhin zehn Teams hinter dem unerfahrenen Azubi-Team entdeckte. Dessen Ziel ohnehin: „Die Mofa soll die 444 Minuten durchhalten!“ Das klappte nicht ganz – aber immerhin sechs Stunden lang blieb die Mannschaft im Rennen.
Livestream ins Internet
Für die Veranstalter lieferte das Gastspiel des Vodafone-Teams einen echten Mehrwert. Das Unternehmen hatte auch einen Übertragungswagen samt Sendemast und Fachpersonal mitgebracht, filmte das Rennen mit drei stationären Kameras, einer Drohne und einem Kameramann und streamte die Bilder live auf YouTube.
Mitorganisator Detlef Willig zeigte sich davon restlos begeistert. Und hatte auch sonst Grund zum Schwärmen. 51 Teams hatten sich angemeldet, 48 waren auch tatsächlich am Start. Hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer drängten sich rund um die Strecke, die 18. Auflage des von einem neunköpfigen Team der Hönzer Feuerwehr dürfte in jeder Hinsicht ein Erfolg gewesen sein.
Die Unterstützung aus dem Dorf ist phänomenal, wir haben 80 bis 100 Helfer im Einsatz.
Wobei Willig genau weiß, wem das Hönzer Highlight auch zu verdanken ist: „Bauer Heino“, Landwirt Heinrich Wöckener-Fennekohl, der für das Rennen alljährlich eine große Wiese und auch einen Teil eines angrenzenden Getreidefeldes zur Verfügung stellt. Und überhaupt dem ganzen Dorf: „Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist phänomenal“, betonte er mit Blick auf zahlreiche Helfer an den Essens- und Getränkeständen, als Streckenposten oder auch als Einweiser für Besucher schon am Ortsanfang. Diese Unterstützung sei – und da schließt sich der Kreis – „unglaublich“.





