Hildesheim - Erst der Europapokal, jetzt auch der DVV-Pokal: Volleyball-Erstligist Helios Grizzlys Giesen ist in zwei von drei Wettbewerben raus. Mit 0:3 haben die Giesener am Mittwochabend in der heimischen Sparkassen-Arena gegen die SVG Lüneburg im Viertelfinale des deutschen Pokals verloren – der Traum vom Finale ist geplatzt. Wie ordnen die Verantwortlichen der Grizzlys die Niederlage ein? Was sagen Geschäftsführer, Trainer und Spieler dazu?
Zunächst zum jüngsten Pokal-Aus: Das 0:3 liest sich deutlich, war aber über weite Strecken umkämpft. Nach einem klaren ersten Satzgewinn für Lüneburg gingen die Grizzlys in den anderen beiden Durchgängen jeweils in Führung. Doch die SVG kam immer wieder ran und hatte am Ende die stärkeren Nerven.
An der Einstellung mangelt es nicht
Grizzlys-Geschäftsführer Sascha Kucera sagte zum Spiel: „Im zweiten und dritten Satz war mehr drin. Wir haben im dritten Satz mit 24:21 geführt, da müssen wir den Sack zumachen. Dann hätte Lüneburg vielleicht noch mal wackeln können.“
Auch die Stimmung in der Halle fühlte sich nicht nach einer 0:3-Heimniederlage an. Bis zum letzten Punkt feuerten die Fans die Grizzlys an. Mit Schlachtrufen wie „Go Grizzlys Go“ peitschten sie ihr Team nach vorn. Das färbte auch auf die Spieler ab. Als der Schweizer Lars Migge die Giesener im dritten Satz mit 12:11 in Führung gebracht hatte, pumpte er sich auf und jubelte in Richtung Mitspieler und Fans. An der Einstellung mangelte es nicht.
Ein Spiegel der Saison
Trotzdem fehlte am Ende der letzte Kick, Punch oder einfach die Nervenstärke. So jubelten von den 1505 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Halle am Ende die mitgereisten Lüneburger Anhänger. Während sie nach dem dritten Satzgewinn an der Bande auf ihre Spieler zum Abklatschen warteten, gingen viele Hildesheimer Fans schon nach Hause.
Lars Migge fasste sein Fazit zum Spiel in zwei Worten zusammen: „Dumm gelaufen.“ Etwas genauer beschrieb er: „Ich glaube, wir sind einfach nicht effizient genug mit unseren Chancen umgegangen, die wir hatten.“ Geschäftsführer Kucera ergänzte: „Der Spielverlauf war ein Spiegel der bisherigen Saison. Wir haben immer wieder Höhen und Tiefen. Was uns noch fehlt, ist der Glaube an uns selbst, dass wir solche Spiele auch gewinnen können.“
In der Liga läuft es, im Pokal nicht
Damit ist das Kapitel DVV-Pokal für die Giesener für diese Serie beendet. Und das nur wenige Tage, nachdem sie aus dem Europacup gegen das ungarische Team von MAV Foxconn Szekesfehervar ausgeschieden waren. Dort reichte ein 3:2-Heimsieg nicht aus, weil das Team von Itamar Stein auswärts mit 1:3 in den Sätzen unterlag. Für die Grizzlys war es vor allem deshalb bitter, weil sie im Hinspiel einen 0:2-Rückstand drehten. Diese Aufholjagd wurde dann durch das Rückspiel zunichtegemacht.
Und in der Liga? Da läuft es besser für die Grizzlys. Sie stehen nach sieben VBL-Partien auf Tabellenplatz drei hinter Düren und Lüneburg. Sechs Siege aus sieben Spielen – diese Statistik liest sich gut: In der Liga läuft’s. Das stellte das Team gerade zuletzt unter Beweis, als es gegen Tabellenführer Düren gewann. Das sieht auch Trainer Itamar Stein so: „In der Liga sind wir gut. Wir sind vielleicht nicht so stark wie Lüneburg oder Düren gerade. Aber wir können gegen sie gewinnen. Und ich denke, unser bester Volleyball kommt noch.“
Das VBL-Ziel: Platz drei bis fünf
Sicherlich tut das Aus im zweiten von drei Wettbewerben den Grizzlys weh. Auch Itamar Stein sprach nach dem Spiel von einer bitteren und enttäuschenden Niederlage. Dennoch hat das Team, das einen großen Kaderumbruch hinter sich hat, gezeigt, dass es mit den Stärksten mithalten kann – das ist das Positive, das die Giesener aus dem Spiel mitnehmen können. „Bis auf Friedrichshafen haben wir jetzt gegen alle aus den Top fünf gespielt. Ich bin eigentlich positiv gestimmt, das könnte noch was werden“, erklärte Lars Migge.
Der volle Fokus richtet sich für die Grizzlys nun gezwungenermaßen auf die Liga. Wie sieht da die Zielsetzung aus? „Für den Rest der Saison wollen wir versuchen, alle Heimspiele noch zu gewinnen, sodass wir uns irgendwo auf den Plätzen drei, vier, fünf festsetzen“, so Sascha Kucera. Teil eins dieses Plans können die Giesener bereits während des HAZ-Gamedays am Sonntag umsetzen – dann kommen die Volleys Herrsching in die Sparkassen-Arena (Spielbeginn 16 Uhr). Eine machbare Aufgabe für die Giesener: Der Zehnte Herrsching hat bislang gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel nichts bestellt.
