Kreis Hildesheim - Ohne Hans von Steinberg wäre die Hildesheimer Stiftsfehde wohl anders verlaufen. Der Ritter aus Wehrstedt entschied am 28. Juni 1519 den Ausgang der Schlacht bei Soltau, in der die Truppen des Fürstbischofs Johann IV von Hildesheim die Soldaten der Welfenherzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel schlugen. Das Ende der Stiftsfehde vier Jahre später erlebte der Militärstratege des Hildesheimer Bischofs allerdings nicht mehr: Er starb am 24. Mai 1522, vermutlich auf dem Anwesen der Familie in Wehrstedt.
Hans von Steinberg war eine schillernde Figur der Stiftsfehde genannten Adelsauseinandersetzung vor 500 Jahren. Aber er war auch eine schillernde Persönlichkeit im Raum Hildesheim. Diese Eigenschaft verband ihn mit vielen seiner Verwandten gleichen Namens. Sie waren Burgbesitzer, Domherren, Berater, Feldherren, Gesandte, Gerichtsherren, Mönche, Räte, Statthalter und vielerlei mehr. Der Lamspringer Autor Axel Christoph Kronenberg hat jetzt ein Buch über die Familie geschrieben: „Die Ritter von Steinberg – zwischen Bischof und Herzog“ ist im Gerstenberg-Verlag erschienen und kostet 22,95 Euro.
700 Jahren Adelsgeschichte auf der Spur
Es ist nicht ganz einfach, einer 700 Jahre währenden Familiendynastie nachzuspüren. Kronenberg, ehemaliger Offizier und Geschichtsforscher aus Lamspringe, hat sich dieser Aufgabe über Jahre verschrieben. Als besonders wertvoll stellte sich dabei der Kontakt zur heutigen Adelsfamilie von Cramm heraus. Von Cramms sind Nachfahren der von Steinbergs. „Mit Adalbert von Cramm habe ich intensive Gespräche geführt“, sagt Kronenberg.
Der Bodenburger Schlossherr hat auch das Vorwort für das 220 Seiten starke Druckwerk geschrieben. „Für uns – die Familie der Freiherrn von Cramm – als Nachfahren der Grafen von Steinberg ist dieses Buch von besonderem Wert“, schreibt Adalbert von Cramm. Über Jahrhunderte seien die Familien immer wieder eng durch Heirat verbunden gewesen. „Durch dieses Werk wird Büsten, Bildern und Stammbäumen der Vorfahren, an denen wir täglich vorbeigehen, in gewisser Weise Leben eingehaucht.“
Überall sind noch Spuren der Ritter zu finden
Die Spuren der Ritter von Steinberg im Raum Hildesheim und darüber hinaus sind mannigfaltig. Wer in Alfeld, Lamspringe, Bodenburg oder Brüggen die Augen offen hält, wird an vielen Stellen fündig. Besonders auffällig sind natürlich die beiden Schlossanlagen in Bodenburg und Brüggen oder Gut Wispenstein und die Steinberg’sche Kapelle an St. Nicolai in Alfeld. Weil sich zahlreiche Familienmitglieder darüberhinaus als Wohltäter verdient machten, finden sich auch viele von ihnen gestiftete Objekte. Zum Beispiel die von-Steinberg-Kapelle im Hildesheimer Dom.
Seine Recherchen führten Kronenberg quer durch den Landkreis Hildesheim und darüber hinaus. Vor allem in den Schlössern Bodenburg und Brüggen konnte sich der Geschichtsforscher in den dortigen Privatarchiven bedienen. „Diese Archive sind gut aufgearbeitet“, sagt der 82-Jährige. Auch in der Dombibliothek, im Bistumsarchiv und in Kirchenbüchern habe er zahlreiche neue Details gefunden.
Älteste erhaltene Urkunde stammt aus dem Jahr 1182
Die älteste erhaltene Urkunde im Zusammenhang mit der Familie von Steinberg befindet sich im Bistumsarchiv. „1182 hat ein Konrad von Steinberg eine Lehen-Übertragung von Bischof Adelog beglaubigt“, berichtet Kronenberg. Das erste Siegel stammt aus dem Jahr 1276. Das Wappen der Familie: ein steigender Steinbock. „Den findet man überall im Raum Hildesheim“, sagt Kronenberg.
Doch so klangvoll der Name ist und dominant die Familie dahinter – nach 700 Jahren endete die Geschichte der von Steinbergs. Ernst von Steinberg hatte keinen männlichen Nachkommen, als er 1911 starb. Seine Tochter Jutta heiratete Burghard von Cramm, die andere Ernst August von Hardenberg. Diese beiden Familien tragen seither auch das Erbe der von Steinbergs weiter.
