Der Rolls Royce unter den Mofas

Wie im Film „25 km/h“: Elektriker aus Hildesheim will mit dem Mofa zum Nordkap

Achtum - Michael Fischer schraubt seit 50 Jahren an Fahrzeugen. Jetzt hat er ein Mofa am Wickel, das den Hildesheimer im Frühjahr zum Nordkap bringen soll. Wie will er das schaffen?

Achtum - Michael Fischer hat schon als kleiner Junge an Mofas geschraubt. Fast 50 Jahre später kommt neues Feuer in diese Leidenschaft: Kurz nach seinem 60. Geburtstag will der Elektrotechnikmeister mit einer Herkules Prima 5S zum Nordkap fahren. Die Vorbereitungen in seiner Tüftlergarage in Achtum laufen auf Hochtouren.

Fischer öffnet die Tür zu seinem Allerheiligsten, und da steht sie. Ein Traum in orientrotmetallic. „Ein Sondermodell, davon hat Herkules höchstens 1000 Stück gebaut“, sagt der Unternehmer. Im Gegensatz zu den normalen Modellen fehlen die Pedale, dafür gibt es einen Kickstarter und eine Fußbremse. Der kleine Motor unter der Plastikabdeckung sieht aus wie frisch aus dem Werk. Und auf der Werkbank liegt ein auseinander gebauter zweiter Motor, den Fischer mit auf die Reise nehmen will. Überhaupt lässt es der Vater eines 33-jährigen Sohnes an keiner Stelle an Durchdachtheit fehlen.

Die Räder seines Anhängers haben dieselben Felgen wie das Zuggerät. „Bei einer Panne könnte ich es ummontieren“, sagt Fischer. Um die Reichweite zu erhöhen, hat er einen weiteren Benzintank gekauft, den er in einer Satteltasche mitführen will. In einer ersten Version hatte er den zweiten Tank integriert und mit einem kurzen Schlauch mit dem Motor verbunden. Aber das habe den Kickstarter gestört. Nun nimmt er den Tank einfach mit und füllt den Treibstoff je nach Bedarf auf.

Ich habe den Luftfilter verändert und eine Rennzündung eingebaut

Michael Fischer, will mit dem Mofa zum Nordkap

Je mehr man sich mit dem Fahrzeug und seinem Anhänger befasst, desto mehr Details fallen ins Auge. Die komplette Elektrik ist optimiert und auf die anstehenden Bedürfnisse abgestimmt. Aus dem Baujahr 1995 ist so gut wie gar nichts mehr. Stärkerer Anlasser, Warnblinker, laute Hupe, Heizgriffe, Induktions-Ladegerät fürs Handy und besonders helles Licht: In Achtum parkt der Rolls Royce unter Hildesheims Mofas. „Ich habe auch den Luftfilter verändert und eine Rennzündung eingebaut“, sagt Fischer. Letztere laufe mit 12 statt der üblichen 6 Volt. Für einen Elektriker kein Problem.

Für seinen Anhänger, liebevoll in der Mofa-Farbe lackiert, hat Fischer extra eine Autohänger-Kupplung gekauft und hinten auf den verstärkten Gepäckträger geschraubt. Das Zuggerät wiegt am Ende samt Fahrer 160 Kilogramm, der gefüllte Hänger vermutlich mehr als 200 Kilogramm.

Ich bin auf alles vorbereitet

Michael Fischer, Elektriker aus Achtum

An seiner linken Seite sind bereits Zelt und Schlafsack befestigt, an der rechten befindet sich ein lackiertes Abwasserrohr. Fischer öffnet den Schutzdeckel, zieht einen großen Sonnenschirm hervor und steckt ihn in eine Hülse auf der Oberseite des Anhängers. „Ich bin auf alles vorbereitet“, sagt er und lacht. Dann holt er noch eine Deutschlandfahne und steckt sie in eine weitere Haltevorrichtung. Die genaue Route steht zwar noch nicht fest. Aber Fischer will neben Dänemark auch durch die Länder Norwegen und Schweden fahren. Mit dem Auto braucht man etwa 2900 Kilometer pro Strecke. Aber mit dem Mofa darf Fischer nicht auf Autobahnen oder andere Schnellstraßen. „Ich werde etwa 3300 Kilometer fahren“, sagt er. Nach dreieinhalb Wochen möchte er sein Ziel erreicht haben.

Der Handwerker, der viel für den Landkreis Hildesheim im Einsatz ist, ist insgesamt sehr fahrzeugaffin. „Ich schraube an Mofas, seitdem ich zwölf bin“, erzählt Fischer. Mit seinem Team „Bördebrocken“ fuhr er später mehr als zehn Jahre bei den Mofarennen in Hönze mit.

Einmal im Jahr mit drei Freunden zur „Hangover-Tour“

Vom Mofa-Modell Herkules Prima 5S stehen auf seinem Grundstück in Achtum mehrere Exemplare, dazu mehrere andere Motorräder und Autos. Unter einer Plane überwintert ein Trabbi. „Den habe ich vor vielen Jahren für 1000 Euro von der Volksbank gekauft“, erzählt der 59-Jährige. Einmal im Jahr macht er sich mit drei Freunden auf den Weg zur „Hangover-Tour“. Mit einer anderen Truppe bricht er jedes Jahr einmal mit Mofas nach Duingen auf.

Der kleine 1,5-PS-Zweitaktmotor schiebt die Herkules auf maximal 25 Stundenkilometer. Wenn er will, kann Michael Fischer aber deutlich schneller fahren. Gleich neben seinem Mofa steht eine Suzuki GSX 1000. Ein Monstermotorrad, mit dem man jenseits der Tempo 300 unterwegs sein kann, wenn man möchte. Gemessen daran, ist die Herkules mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von Tempo 25 eine Schnecke auf der Straße. Ein Aufkleber am Heck des Anhängers nennt die Zahl – ganz im Stil des Erfolgsfilms „25 km/h“, bei dem zwei Brüder aus Süddeutschland mit den Mofas ihrer Kindheit ans Meer fahren. „Ein toller Film“, sagt Fischer. Aber der deutsche Streifen aus dem Jahr 2018 mit Lars Eidinger und Bjarne Mädel sei nicht der Grund für seinen baldigen Aufbruch. Die Idee sei ihm unabhängig davon gekommen und habe sich im Laufe der Jahre immer weiter im Kopf festgesetzt. Im März wird Fischer 60 Jahre alt, dann will er erst noch mit seiner Frau zwei Wochen Urlaub machen. „Und am 30. Mai breche ich zum Nordkap auf.“

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