Typisch!

Wie kommt der Kadaver auf den Ikea-Läufer? Falsche Verdächtigungen und ihre Folgen

Hildesheim - Man soll Menschen nie falsch verdächtigen, Tiere auch nicht. Unser Kolumnist lernt heute anhand eines alten Ikea-Teppichs etwas dazu.

Dieser Mann hat seine Familie falsch verdächtigt - jetzt schämt er sich - typisch. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Ich wüsste gerne, wie man es schafft, nicht immer gleich vom Schlimmsten auszugehen. Wenn ein Ereignis zu zwei Resultaten führen kann, passiert doch neuerdings immer das Beklopptere. Gefühlt ist das schon seit der Fußball-WM 2018 so, und damit meine ich natürlich nicht nur den Sport. Gucken Sie mal auf die Politik! Logisch, dass das auch im Zwischenmenschlichen seine Spuren hinterlässt, im Klein-Klein des Alltags. Man wird pessimistischer, misstrauischer, negativer. Nehmen wir als Beispiel mal einen 55-Jährigen aus Hildesheim. Am Sonntag entdeckt er vorm Kinderzimmer etwas Langes, Braunes auf dem alten Ikea-Läufer. Die übrigen drei Viertel der Familie nehmen den Fund kurz in Augenschein und dann kreischend Reißaus, man ist sich sicher: Da hat jemand hingemacht. Der detektivisch veranlagte Mann schließt Menschen als Urheber aus. Ein Marder? Ein Waschbär? Ein Igel? Vielleicht ein kleiner Hund? Aber wie käme ein Pinscher auf den ollen Teppich im ersten Stock?

Die entscheidende Spur am Hosenbein

Die Hinterlassenschaft aber, sie riecht gar nicht. Nein, sie stellt sich bei näherer Betrachtung als arg malträtierter Überrest einer kapitalen Nacktschnecke heraus. „Einer von euch muss draußen auf die draufgetreten sein!“, schlussfolgert unser Detektiv messerscharf und schimpft drauflos. Man kann sagen, dass ihn derlei Verdächtigungen nicht beliebter machen im häuslichen Umfeld. Erst als er abends seine Jeans auszieht, entdeckt er eine weitere Spur. Nämlich die übrigen 40 Prozent der Schnecke, inzwischen getrocknet, am eigenen Hosenbein. Um es kurz zu machen: Der Mann hat nicht nur das Weichtier auf dem Gewissen, sondern auch Igel, Marder, Frau und Kinder falsch verdächtigt. Schlimm, oder? Aus sicherer Quelle wissen wir, dass er nun an sich arbeiten will. Allein schon wegen 2018 und allem, was danach passiert ist. Schöne Grüße aus der Waschküche!

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