Hilfen für den Alltag

Wie kommt man an eine Haushaltshilfe? Diese Einrichtungen und Möglichkeiten gibt es in der Region Hildesheim

Hildesheim - Manchem fällt es zunehmend schwerer, den eigenen Haushalt zu meistern. Welche Möglichkeiten man hat, dabei Unterstützung zu bekommen und wie der Landkreis einem helfen kann.

Fensterputzen - für Ältere bereits ein große Körpereinsatz. Dabei können Haushaltshilfen nützlich sein. Foto: Jens Kalaene/dpa

Hildesheim - Die Menschen werden immer älter, und die älteren Menschen werden immer mehr. Das bedeutet aber auch, dass die Nachfrage nach Entlastung im Haushalt, insbesondere bei älteren Menschen, wächst. Auch wenn ältere Menschen noch in der Lage sind sich selbst zu versorgen, kommt unweigerlich irgendwann die Zeit, in der die alltäglichen Arbeiten nicht mehr allein zu erledigen sind. Sonst stellt sich möglicherweise zu früh die Frage, ob man überhaupt noch in der Lage ist, seinen Alltag noch zu bewältigen. Und das wollen die meisten.

Laut Statistischem Bundesamt ist heute jeder Zweite in Deutschland älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Auch in Hildesheim steigt der Anteil älterer Menschen bei gleichzeitiger Abnahme der Gesamtbevölkerung. Im Landkreis leben derzeitig 85.000 Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Das entspricht 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, Tendenz steigend.

Meist sind es Frauen

Haushaltshelfer und -helferinnen, meist sind es Frauen, die diesen Job übernehmen, kümmern sich auch um den kompletten Haushalt, also um die täglichen Arbeiten, die anfallen. Angefangen von der Reinigung der Wohnung über Wäschepflege bis hin zu Einkaufen und Essenszubereitung. Aber man immer auswählen, welche Arbeiten man an eine bezahlte Kraft abgeben will. Das verschafft einem Spielräume.

Doch wie kommt man an eine Haushaltshilfe? Eine Frage, die sich meist Senioren und Seniorinnen stellen. Im Landkreis Hildesheim gibt es zahlreiche kommerzielle Unternehmen und ehrenamtliche Organisationen, die sogenannte Betreuungsentlastungsleistungen anbieten. Eine davon ist die „F1-Eingliederungshilfe“ in der Hildesheimer Innenstadt.

Personal fehlt

„Wir sind seit rund sechs Jahren am Start“, sagt Chefin Bettina Büssing. Die Nachfrage sei sehr hoch, und man müsse viele Anfragen aus Personalnot ablehnen. „Die Leute sind regelrecht am Verzweifeln.“ Diese Erfahrung machte auch Gebhard Koch aus Emmerke, der vor gut zwei Jahren, noch während der Corona-Pandemie, eine Hilfe für seine damals 88-jährige, inzwischen 90-jährige Mutter suchte.

„Wir haben uns im Bekanntenkreis umgehört und zum Glück eine nette Dame gefunden, die sich zweimal in der Woche um meine Mutter gekümmert hat“, sagt Koch. Wie es auch funktionieren kann, zeigt die „Hand in Hand Generationenhilfe“ in Hohenhameln. Dort sind in einem eingetragenen Verein 560 Mitglieder registriert, für die man Hilfe und Entlastung rund um Haus und Hof organisiert. Eine Art Vorsorgeidee.

Regionale Vorsorgeidee

„Wir sind alle rüstige Rentner“, sagt Vorstandsmitglied Gisela Grote. Das Hilfsangebot richte sich aber ausschließlich an Mitglieder, die älter als 75 Jahre oder krank sind. „Wir fahren unsere Leute mit Privatautos zum Arzt und bekommen dafür eine kleine Aufwandsentschädigung“, erklärt Grote, selbst 71 Jahre alt.

In Sarstedt gibt es seit zwei Jahren die Meyer & Busch GmbH, die mit 23 Mitarbeitern 464 Menschen unterstützt. „Etwa 15 Prozent der Haushaltsunterstützungen leisten wir als vorübergehende Hilfe, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt“, erklärt Geschäftsführer Patrick Busch. Insgesamt werde der Bedarf aber stark ansteigen, ist seine Prognose.

Verschiedene Anbieter

Das sieht Sebastian Adamski von der Einrichtung „Daheim statt Heim“ in Hildesheim ähnlich. „Aufgrund des Personalmangels können wir nicht alle Hilfsanfragen bedienen, derzeit haben wir etwa 30 Personen auf einer Interessentenliste“, benennt Adamski die Lage.

Majid Tahmasebi, von „MTN Soziale Dienstleistungen“ betreut aktuell mit neun festangestellten Kräften rund 100 hilfsbedürftige Menschen und sieht sich in gleicher Situation wie Adamski. „Die Nachfrage wird immer größer, und wir haben Schwierigkeiten, das alles zu bedienen“, sagt der 67-Jährige.

Beratung beim Landkreis kostenlos

Für Fragen rund um Hilfe und Pflege hat der Landkreis Hildesheim in Hildesheim und Alfeld Pflegestützpunkte eingerichtet. Die sind für alle Hilfsbedürftige, sowie deren Angehörige und andere interessierte Personen eine erste Anlauf- und Beratungsstelle. Auch um sich quasi als Vorsorge über alle Möglichkeiten und Fördermöglichkeiten zu informieren, die einem helfen, möglichst lange selbstbestimmt im eigenen Wohnumfeld zu bleiben.

Zum einen kann man versuchen, eine Haushaltshilfe zu engagieren, die meist als Niedriglohnjob beschäftigt wird und die man selbst bezahlen muss. Das ist aber nur möglich, wenn man über ein ausreichendes Einkommen oder eine entsprechende Rente oder Pension verfügt.

In der Beratungsstelle wird neutral und kostenlos über pflegerische, medizinische und soziale Leistungen informiert. Wer ohne Beratung eine professionelle Haushaltshilfe engagiert, für den ist es wichtig, dass die Krankenkasse immer direkt mit der Fachkraft einen Vertrag schließt. In diesem Fall rechnet die Ersatzkraft oder die Einrichtung die Kosten direkt mit der zuständigen Krankenkasse ab. Dadurch kann verhindert werden, dass man auf einem erheblichen Teil der Kosten sitzenbleibt, rät die Verbraucherzentrale.

von Waldemar Lorenz

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