Alfeld - Mehr als Brücken 748 gibt es in Niedersachsen an Kreis- und Gemeindestraßen. 29 davon fallen in den Zuständigkeitsbereich der Stadt Alfeld. Somit ist die Kommune auch für den Zustand der Brücken verantwortlich. Und dieser wird in einem gesetzlich vorgeschriebenen Zeitfenster kontrolliert. Die nächste große Brückenprüfung steht der Stadtverwaltung im nächsten Jahr ins Haus. Schon jetzt steht fest: Es gibt zwei Sorgenkinder in Alfeld
420.000 Euro sind im Haushalt der Stadt Alfeld für 2026 für die Bauunterhaltung der Straßen notiert. Aber der Etat für Splittungen und Reparaturen der städtischen Straßen schrumpft wegen der anstehenden Brückenprüfung um 160.000 Euro. So viel kostet laut Baudezernent Mario Stellmacher diese wichtige Kontrolle. „Irgendetwas finden die Prüfer immer. Das hat dann Priorität, denn wenn wir bei den Brücken in einen Sanierungsstau kommen, wäre das eine Katastrophe“, verdeutlicht Stellmacher.
Alle sechs Jahre Hauptprüfung
Solche Worte wecken Erinnerungen an Dresden: Dort stürzte bekanntlich im September vergangenen Jahres die Carolabrücke über der Elbe ein. Der Brückenträger brach in der Nacht zum 11. September über dem Flussbett auf einer Länge von etwa 100 Metern ein. Um solchen Ereignissen vorzubeugen, stehen für Brücken alle drei Jahre eine einfache Prüfung, alle sechs Jahre eine Hauptprüfung an.
Die Brückenprüfung übernehmen speziell ausgebildete Ingenieure. „Wir müssen dafür Angebote einholen“, sagt Christoph Kriegel, Leiter des städtischen Tiefbauamtes. Die Hauptprüfung umfasst alle sichtbaren und verborgenen Bauteile einer Brücke. Abdeckungen wie Schutzhauben oder Manschetten werden geöffnet, um darunterliegende Schäden sichtbar zu machen. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass Beton abgeklopft wird oder größere Geräte zum Einsatz kommen. Drei Jahre danach folgt dann die einfache Prüfung, die wesentliche Bauteile ins Visier nimmt.
Schäden rechtzeitig bemerken
Der Zweck der Brückenhauptprüfung sei vor allem, sicherzustellen, dass durch regelmäßige Überprüfung aller Bauteile die Standsicherheit und die verkehrssichere Nutzung gegeben ist, erklärt Stellmacher und betont: Es gehe darum, mögliche Schäden und Mängel frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig geeignete Maßnahmen zur Instandhaltung einleiten zu können. „Ziel ist es, für die Nutzer eine Sicherheit zu gewährleisten und eine langfristige Wirtschaftlichkeit des Bauwerks zu erreichen.“
Alle Brücken im Zuständigkeitsbereich der Stadt sind mit ihren Daten in einem sogenannten Brückenbuch zusammengefasst. Am Ende der Prüfungen geben die beauftragten Kontrolleure Bewertungen für Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit ab. Diese werden automatisch in einer Zustandsnote von 1 (sehr guter Zustand) bis 4 (ungenügender Zustand, es droht eine Sperrung) zusammengefasst. Über die Noten für die Brücken der Stadt Alfeld gab es aus dem Bauamt keine Angaben.
Das sind die Sorgenkinder
Sehr wohl dazu, ob es unter den 29 Bauwerken auch Sorgenkinder gibt. Das sind die Schlehbergringbrücke in Alfeld und die Hirtenbrinkbrücke in Limmer. Eine Sanierung der Schlehbergringbrücke, beispielsweise der Fahrbahn, müsse mittelfristig initiiert werden, prognostiziert der Alfelder Baudezernent. Partiell würden je nach Aktualität Ausbesserungen und Sanierungen an Brücken vorgenommen, wie in der vergangenen Woche an der Schlehbergringbrücke. Die Kosten für eine komplette Sanierung oder einen Neubau der großen Stadtbrücke würden aktuell nicht vorliegen.
Schätzungen gibt es sehr wohl für die Hirtenbrinkbrücke. Sie steht in Limmer und verbindet den Ortsteil über die Bahnstrecke mit den Leinewiesen. Die Hirtenbrinkbrücke ist für die Alfelder Verwaltung, den Ortsrat und den Stadtrat ein seitenfüllendes Thema. Es gab immer wieder Diskussionen darüber, ob und wie die kleine Brücke erhalten werden soll. Seit einigen Jahren ist das Befahren für Autos oder landwirtschaftliche Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Auch während der jüngsten Sitzung des Bau- und Grundeigentumsausschusses war die Hirtenbrinkbrücke ein Gesprächsthema.
Neubau oder Abriss?
Laut Bauamt würde der Abriss der Brücke wegen aufwändiger Sperrungen für den Bahnverkehr und den Einsatz eines Krans mindestens 290.000 Euro kosten. Dem stehe eine neue Brücke nur für Fußgänger und Radfahrer laut Stellmacher mit geschätzten 490.000 Euro gegenüber. Ob die Differenz zwischen Abriss und Neubau in Höhe von 190.000 Euro über Fördermittel reingeholt werden könnte, sei fraglich. Auch dann müsse die Stadt noch einen Eingenanteil leisten. „Und, es handelt sich am Ende um eine freiwillige Ausgabe für die Stadt Alfeld“, erinnerte Stellmacher die Politiker.
Und wie viel Geld gibt Alfeld für die Instandhaltung der Brücken pro Jahr aus – vorausgesetzt es stehen keine Prüfungen an? Im Jahr 2024 wurden etwa 53.000 Euro für Maßnahmen an verschiedenen Brücken investiert. In diesem Jahr bislang 13.000 Euro.
So viele Brücken hat Hamburg
Dennoch gilt Alfeld nicht als brückenreiche Stadt. Diesen Titel trägt die Hansestadt Hamburg: Mehr als 2500 Brücken soll es in Hamburg geben. Damit hat sich die norddeutsche Metropole den Titel „Brückenreichste Stadt Europas“ gesichert. Zum Vergleich: Venedig hat 400 Brücken.


