Hildesheim - „Freue dich“ ist der Titel des Gedichts, mit dessen Entrollung am Südportal der Andreaskirche Mittwoch Nachmittag der offizielle Startschuss der Lesezeichen-Aktion des Forum Literatur 2021 gefallen ist.
Allerdings handelt es sich nicht um das berühmte Weihnachtslied in Erwartung des Christkinds, sondern um die Vorherbestimmtheit allen Werdens und Vergehens, die Jo Köhler in seinem Werk durchaus positiv beschreibt. Die Schrift auf dem Banner ist zwar extrem klein geraten, so dass ein Betrachter sehr nah an die Kirche herantreten muss. Doch inhaltlich passt „Freue dich“ perfekt zum Gotteshaus.
Der Ort sucht sich den Text
„Der Ort sucht sich den Text“, beschreibt Köhler, Gründer und Chef des Forum Literatur, die Auswahl. Unterstützt wird der Ort dabei von einem vierköpfigen Redaktionsteam. „Freue dich“ ist eines von 45 Gedichten, die von 28 Autoren und Autorinnen unter dem Thema „Zeitgestautes und Zeitgewendetes“ an 150 Plätzen in Stadt und Ortsteilen Aufmerksamkeit für Literatur wecken sollen.
Seit 2009 organisiert das Forum die Lesezeichen. Viele der Arbeiten stammen aus dem internationalen Literaturwettbewerb, teilgenommen haben 2020 Menschen zwischen 21 und 97 Jahren: „Alle Preisträger sind vorhanden.“ Dazu gesellen sich Statements, zum Beispiel von Ehrenbürger Guy Stern, der ein Liebesgedicht beisteuert, oder von den „Schamlosen Mädchen“, eine Gruppe von Bloggerinnen und Feministinnen aus Norwegen, die Jo Köhler entdeckt und ins Land geholt hat. „Ihre mutigen Texte brechen überkommene Vorstellungen von Gesellschaft, Weiblichkeit und Religion auf“, ist er überzeugt. Und weist darauf hin, dass der norwegische Staat die Übersetzung der Texte finanziert hat: „Das nenne ich Kulturförderung.“
Lesestoff an Bushaltestellen
Seit 14 Tagen sollen die Gedichte – zu 90 Prozent in Haltezonen des SVHi-Stadtverkehrs – montiert werden. Doch es war zu kalt: „Dann hält der Kleber nicht.“ Doch nun geht es zügig vorwärts, bis Mitte Mai soll alles hängen beziehungsweise geklebt sein und bis Ende Oktober zum Lesen anregen.
Julian Klemens vom Kirchenvorstand St. Andreas begrüßt die Aktion am Gotteshaus. „Das kann auch die nächsten Jahre so bleiben.“ Seine Erfahrung: „Es lohnt sich, die Texte öfters zu lesen – das ist wie mit einem Buch.“ Jo Köhler bezeichnet das Format als perfekt in Corona-Zeiten: „Tag und Nacht ohne jede Gefahr präsent.“
Hören, was zu lesen ist
Und wer schon einmal hören will, was zu lesen ist, der kann unter der Website des Forums der Stimme von tfn-Opernsänger Uwe Tobias Hieronimi lauschen. Neben den Audiodateien findet sich dort auch der Stadtplan, in dem alle Lesezeichen-Orte aufgelistet sind.


