Kolumne Gefundenes Fressen

Wieso darf KI malen, dichten und Menschen trösten – während wir putzen und Steuererklärungen machen?

Hildesheim - Natürlich hilft uns KI in vielen Bereichen sehr, in der Medizin etwa. Aber wieso lassen wir sie immer mehr Dinge tun, die zutiefst menschlich sind? Wieso erledigt sie nicht erstmal das, was uns nervt oder schwerfällt? Da sieht HAZ-Kolumnistin Kathi Flau noch Luft nach oben.

Die Kolumne Gefundenes Fressen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Neulich war ich dabei, als Wissenschaftler neue Beispiele zeigten, wo und wie KI eingesetzt wird. Da sah man, wie in einem Seniorenheim ein Roboter mit kindlicher Stimme mit den Bewohnern plauderte. Er hörte sich Geschichten aus ihrer Kindheit an, sagte dann sowas wie: „Aha, verstehe, und in welcher Stadt hast du damals gelebt?“, tat also interessiert und imitierte, so gut es ging, menschlichen Blickkontakt.

Und ich dachte so: Sekunde mal! Der Pflegeberuf gilt als einer der anstrengendsten Jobs der Welt, spätestens mit 35 haben alle Rücken und Knie und sowas – und wir bringen KI bei, sich möglichst empathisch mit Menschen zu UNTERHALTEN? Wieso schiebt KI nicht den Nachtdienst auf Station, wieso ist es nicht der olle Roboter, der die Bewohner mit frischer Bettwäsche versorgt, der schwere Rollstühle schiebt, Wäschekörbe schleppt und dergleichen? Warum erledigt nicht ein Roboter die überbordende Bürokratie in Seniorenheimen und anderswo? Warum ist unser Ziel nicht, dass Menschen mehr Zeit für Menschen haben? Und wieso bitte malt KI Bilder oder schreibt Lyrik, während ich in der Küche stehe und den Abwasch mache? Daran ist doch irgendwas falsch.

Kennen Sie jemanden, der Lust hat, Anträge auszufüllen?

KI sollte all den komplizierten Steuer- und Behördenkram erledigen, Rechnungen, Lohnbuchhaltung, sowas eben. Oder kennen Sie jemanden, der morgens aufwacht und denkt: Ach, heute hätte ich mal so richtig Lust, einen Wohngeldantrag auszufüllen? Und wenn KI unbedingt was schreiben will, bitte sehr, wie wär’s mal mit verständlichen Bedienungsanleitungen? Doch nein, inzwischen trösten Chatbots unsere Kids beim ersten Liebeskummer, und wenn wir grad nicht hingucken, halten sie die Hände unserer Omas.

Und ja, natürlich weiß ich, dass uns KI in vielen Bereichen auch wahnsinnig hilft. Vielleicht sollten wir nur nicht immer so sehr versuchen, sie uns ähnlich zu machen. Uns gibt’s ja schon. Mit Fehlern zwar und sicher oft mit falschen Prioritäten – aber mit Empfindsamkeit, Lebenserfahrung, Bewusstsein, mit Liebe und echtem Blickkontakt.

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