Angebote für die Kleinsten

Was hat der Hildesheimer Weihnachtsmarkt für Kinder zu bieten – und wie sieht es in anderen Städten aus?

Hildesheim - Ein blinkendes Lichtermeer und das Gefühl, hinter jeder Bude könnte der Nikolaus warten: Auf dem Hildesheimer Weihnachtsmarkt bekommen die kleinsten Gäste oft die größten Augen. Doch was können Kinder hier eigentlich alles erleben? Und welche Angebote gibt es für sie auf den anderen Weihnachtsmärkten in der Nähe?

Auf dem Hildesheimer Weihnachtsmarkt kann man auf dem Karussell seine Runden drehen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Woher man denn bitteschön wisse, dass die Bratwurst tatsächlich aus Fleisch ist? Das stehe ja schließlich nirgends. Und warum trägt Eisbär Lilly eigentlich Schlittschuhe? Es sind Dinge wie diese, die einen Fünfjährigen beim Gang über den Hildesheimer Weihnachtsmarkt offensichtlich mehr beschäftigen als die Anzahl, Qualität oder Vielfalt der gebotenen Fahrgeschäfte. Wer schon mal mit einem Kind über einen Weihnachtsmarkt spaziert ist, der hat vielleicht eine Ahnung davon, welch sensorische Überstimulation allein das Blingbling, der schwere Geruch gebrannter Mandeln und die Geräuschkulisse von „In der Weihnachtsbäckerei“ bis „Kling Glöckchen“ auslösen kann. Franz jedenfalls ist außer Rand und Band, bevor wir überhaupt in die Nähe des Karussells kommen.

Erstmal eine Bratwurst

Es ist später Nachmittag, ordentlich kalt und trotz Werktag einiges los auf dem Platz An der Lilie. Obwohl die Handschuhe im Auto vergessen wurden, fühlen sich Franz’ Patscher in meinen Händen heiß an. Klarer Fall: Der Junge ist on fire. Doch bevor der Hunger nach Action gestillt wird, gibt’s erst mal eine Bratwurst am Stand von Wolfgang Du Carrois. Eine gute Gelegenheit, um mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. Das Thema ist schnell gefunden: Was hat der Hildesheimer Weihnachtsmarkt eigentlich so für Kinder zu bieten? Während die Kleinen Pommes in Ketchup tunken und Bratwurstschnipsel verdrücken, tauscht man sich also aus.

Viel Platz, vor allem mit Kinderwagen

„Ich finde das hier schon kinderfreundlich“, sagt Marius Zellmer aus Hildesheim. Mit seiner Frau Janina schiebt er den Kinderwagen, in dem gerade der Nachwuchs schlummert, in Richtung Marktplatz. Der Weihnachtsmarkt habe genau die richtige Größe. Anders als in Goslar etwa, wo es gerade mit Kinderwagen schwierig sei, gut durchzukommen. „Besonders mittags hat man hier schön viel Platz und kann sich frei bewegen“, sagt er.

Das Riesenrad hinterlässt eine Lücke

Nun ist es mit besagtem Freiraum, auf dem die beiden Eltern mit ihrer Babykutsche davonjuckeln, so eine Sache. Denn während die einen die ausladenden Gänge zwischen den Imbiss- und Getränkebuden loben, sind sie für andere der klare Beweis dafür, dass der Hildesheimer Weihnachtsmarkt in Sachen Entertainment einiges zu wünschen übrig lässt. Fakt ist: Das Riesenrad, das im zweiten Jahr in Folge mit Abwesenheit glänzt, scheint bei den Hildesheimerinnen und Hildesheimern eine große Lücke hinterlassen zu haben. Das Weihnachtspostamt ist weiterhin beliebt, klar. Doch in Sachen Action bleibt das Karussell, das in diesem Jahr einen neuen Standort hat, das einzige Fahrgeschäft, auf dem Kinder ihre Runden drehen können.

Das findet auch Antonia Hoelzel aus Emmerke schade. „Meine Tochter ist jetzt in einem Alter, wo sie das zum ersten Mal hier alles richtig wahrnimmt – da wäre es schön gewesen, mit ihr Riesenrad zu fahren“, sagt sie. Für Antonias kleines Geschwisterchen reiche das Angebot von Karussell bis zur leckeren Bratwurst aber allemal. „Und abends ist es hier für Kinder eh nicht so toll.“

Für ältere Kinder könnte es mehr geben

Merke: Man vergisst oft, dass Weihnachtsmärkte tatsächlich traditionell eher mit klassischen Glühwein- und Bratwurstbuden als mit üppigem Unterhaltungsprogramm aufgetrumpft haben. Gleichwohl wird das Event grundsätzlich als Angebot für die ganze Familie schmackhaft gemacht. „Ich liebe die Atmosphäre hier, die Lichter, das Essen“, sagt Magdalena Bachanik aus Sarstedt und ruckelt kurz Tochter Jasmin auf ihrem Arm zurecht. Für sie reiche das Angebot hier auch völlig aus. „Aber um ehrlich zu sein: Für meine älteren Kinder gibt’s hier außer den Imbissständen leider nicht so viel zu erleben.“

Und Franz? Der hat seine Bratwurst längst verdrückt und bittet inständig um einen weiteren Chip fürs Karussell. Zweimal Flugzeug, zweimal Feuerwehr – der Fuhrpark hat noch weitaus mehr zu bieten. Ginge es nach ihm, er würde sicherlich mit jedem Gefährt mindestens fünfmal fahren.

Viel Abwechslung braucht er offensichtlich nicht.


Und wie machen’s die Anderen? Diese Angebote für Kinder gibt es auf den Weihnachtsmärkten in der Nähe

Braunschweig

Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt findet bis zum 29. Dezember rund um den Dom St. Blasii und auf dem Platz der Deutschen Einheit statt. Bis zum 23. Dezember gibt es hier für Kinder eine Weihnachtswerkstatt im Burggraben, wo sie unter Aufsicht spielen und basteln können. An der Heinrichslinde wird täglich ein Puppentheaterstück gezeigt, am 6. und 20. Dezember kann man das Kindertheater im Großen Saal der Handwerkskammer besuchen. Im Dom gibt es eine Weihnachtskulturwoche für die ganze Familie, am 14. Dezember steht das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach für Kinder auf dem Programm. Am 6. Dezember kommt der Weihnachtsmann zu Besuch. Zudem gibt es auf dem Weihnachtsmarkt mehrere Kinderkarussells.

Hannover

In der Landeshauptstadt gibt es gleich mehrere Weihnachtsmärkte: in der historischen Altstadt, auf dem Ernst-August-Platz und auf der Lister Meile. Es gibt zahlreiche Fahrgeschäfte, eine Märchenerzählerin, eine Weihnachtsbäckerei, ein Kasperletheater, eine Kindereisenbahn und vieles mehr. Vor dem Hauptbahnhof steht das historische Riesenrad. In der Altstadt gibt es zudem Musik, Theater, Märchenerzählungen, Mitmachaktionen und wechselnde Bühnenbeiträge.

Goslar

Der Weihnachtsmarkt und Weihnachtswald Goslar läuft bis zum 30. Dezember auf dem Marktplatz, dem Schuhhof und vor der Marktkirche. Für Kinder gibt es am zweiten, dritten und vierten Adventswochenende eine Weihnachtswerkstatt, ein Karussell, ein Riesenrad und eine Kindereisenbahn sind auch vorhanden. Es gibt „Ziegen am Nordpol“, der Nikolaus kommt am 6. Dezember, am 10. Dezember fahren Kinder am Familiennachmittag kostenfrei mit den Fahrgeschäften. Am 15. Dezember können Kinder ihr eigenes Lebkuchenherz verzieren. Am 29. und 30. Dezember kommt die „Mobile Kerzenzieherei“ auf den Weihnachtsmarkt.

Hameln

In Hameln läuft der Weihnachtsmarkt bis zum 30. Dezember in der Altstadt. Für Kinder gibt’s das historische Riesenrad, ein Pferdekarussell im Stil der Jahrhundertwende, eine „Rentierbahn“ rund um den Rattenfängerbrunnen und eine Weihnachtsbäckerei mit Kinder- und Familienbacken. Mittwochs und samstags stattet der Weihnachtsmann einen Besuch ab, es gibt regelmäßig Walk-Acts, dazu kann man per „Wunschverstärker“ seinen Herzenswunsch direkt zum Weihnachtsmann schicken.

Peine

Bis zum 23. Dezember findet der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt von Peine statt. Hier gibt’s zum Beispiel Kinderschminken und Ballonmodellage, eine Zauber- und Feuershow, Walk-Acts, eine Backwerkstatt für Kinder, ein Figuren- und Erzähltheater, ein Bilderbuchkino, kostenlose Stadtführungen für Kinder und Bastelaktionen. Jeden Donnerstag ist Familientag mit Vergünstigungen an den Weihnachtsmarkt-Ständen. Am 6. Dezember besucht der Nikolaus den Weihnachtsmarkt.

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