Kolumne Zweitstimme

Wildwuchs bei Wahlplakaten in Hildesheim: Stadt sollte Schwerpunkte setzen

Hildesheim - Die Stadt Hildesheim erklärt einen Standort für Wahlplakate in der Innenstadt für ungeeignet, Parteien müssen die Fläche räumen. Doch schon kurz darauf hängen andere Plakate dort – über Tage. Das wirft Fragen an die Stadt auf, schreibt HAZ-Redakteur Rainer Breda in seiner HAZ-Kolumne Zweitstimme.

HAZ-Redakteur Rainer Breda beschäftigt sich in seiner HAZ-Kolumne Zweitstimme mit dem politischen Geschehen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Foto: Archiv

Hildesheim - Dass vor dem Torhaus in der Osterstraße keine Wahlplakate hängen dürfen, hatte die Stadt vor gerade einmal zwei Wochen deutlich gemacht: Der Standort liege zu nah an der Kreuzung zur Wallstraße, die Poster könnten Autofahrer irritieren, verkündete die Pressestelle und erklärte damit, warum jene Plakate, die dort zuvor zu finden waren, verschwinden mussten. So wie Dutzende andere seit Beginn des Wahlkampfes. Weil sie zu knapp über dem Boden hingen, zu groß oder falsch befestigt waren.

Es dauerte allerdings nur wenige Tage, bis vor dem Torhaus erneut Plakate auftauchten. Sie hängen dort noch immer, wenn die Stadt sie nicht schnell hat entfernen lassen, nachdem der Autor dieser Zeilen im Rathaus nachgefragt hat. Dort wird man nicht müde zu beteuern, dass es unmöglich sei, den Wildwuchs in den Griff zu bekommen: Stadtordnungsdienst und Bauhof hätten auch noch andere Aufgaben, außerdem agierten die Parteien immer unverfrorener: Kaum seien falsch angebrachte Plakate einer Partei entfernt, nutze eine andere die Flächen – siehe Torhaus. Tatsächlich sind die Mitarbeiter von Stadtordnungsdienst und Bauhof nicht um ihre Aufgabe zu beneiden; sie ähnelt der des Sisyphos, der immer wieder einen Felsbrocken einen Berg hinaufrollen musste. Doch die Außenwirkung von Fällen wie dem vor dem Torhaus ist fatal: Es könnte der Eindruck entstehen, dass die Stadt mit zweierlei Maß misst – was man nicht tue, beteuert das Rathaus. Doch man wolle sich nicht nur auf neuralgische Punkte konzentrieren, sondern stadtweit Beschwerden nachgehen. Außerdem widme man dem Thema inzwischen doch schon mehr Aufmerksamkeit. Mag sein. Und dennoch wäre es vielleicht sinnvoller, sehr markante Verstöße wie an zentralen Straßen im Zentrum prioritär zu ahnden. Dort werden falsch platzierte Plakate von vielen Menschen wahrgenommen. Und auch das Scheitern der Stadt, wenn es darum geht, dagegen anzugehen.

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