Hildesheim - Winterfest sollte sie sein, die als Notunterkunft gedachte Zeltstadt auf dem Hildesheimer Volksfestplatz – doch als der Winter kurz nach der Inbetriebnahme am 27. November tatsächlich kam und anhaltende Minustemperaturen mit sich brachte, wurde klar, dass die Vorkehrungen nicht reichen. Es war schlicht zu kalt in den Zelten, deren Wände zwar aus festen Kunststoffelementen und nicht aus Plane bestehen, aber eben nicht isoliert sind. Die vorgesehene Temperatur von 20 Grad wurde nicht erreicht. Die Konsequenz: Alle 79 bereits untergebrachten Geflüchteten mussten die Unterkunft wieder räumen – zurzeit steht die für bis zu 1000 Menschen ausgelegte Einrichtung leer.
Aufnahme-Puffer – weil andere Einrichungen belegt sind
Das Land hat die Notunterkunft auf dem Areal an der Lademühle einrichten lassen, weil die bestehenden Erstaufnahmeeinrichtungen weitgehend ausgelastet sind. Da das Land zudem über die Weihnachtstage keine Geflüchteten auf die Kommunen weiterverteilt, um deren Verwaltungen nicht zu überfordern, hatte das Innenministerium den Volksfestplatz angemietet und die Zeltstadt als Aufnahme-Puffer geplant. Bis maximal Ende Februar ist der Betrieb vorgesehen.
Nach und nach sollten Busse Menschen nach ihrer Registrierung dorthin bringen, 79 waren bisher untergekommen, als die Verantwortlichen die Reißleine zogen und die Zelte wieder räumten. Wie die Landesaufnahmebehörde (LAB) jetzt auf HAZ-Anfrage bestätigt, hat sie die Geflüchteten mit Bussen abholen lassen, um sie an anderen Standorten unterzubringen. Da die aktuellen Zahlen der aktuell ankommenden Geflüchteten rückläufig sei und zusätzlich der Standort Messe Hannover in Betrieb genommen wurde, sei die Umverteilung möglich gewesen, erklärt die LAB-Sprecherin. „Daher ist zunächst eine Belegung der Zeltstadt in Hildesheim zurückgestellt worden.“
Weitere Heizungen sind notwendig
In der schriftlichen Stellungnahme klingt aber durchaus Ärger über die Probleme mit: „Wir haben den Aufsteller aufgefordert, mit Hochdruck die Heizungsanlage entsprechend der vertraglichen Vorgaben auszustatten, um eine zeitnahe Wiederbelegung sicherzustellen.“
Der Projektleiter der mit dem Bau der Notunterkunft beauftragten Unternehmensgruppe Much aus Limburg, Elias Mallmann, bestätigt gegenüber der HAZ die technische Aufrüstung: Die kleineren Schlafzelte hätten bereits zusätzliche Heizungen bekommen, „um den sehr kalten Tagen aus der letzten Woche entgegenzusteuern“. Er erklärt den Temperatursturz in den Unterkünften auch mit dem Verhalten vor Ort: „Durch den Einzug der ersten Bewohner standen die Türen über einen längeren Zeitraum offen, wodurch die Zelte im Anschluss nicht wieder schnell genug aufheizen konnten.“ In der kommenden Woche sollen auch alle weiteren Zelte mit zusätzlichen Heizungen versorgt werden – dann soll die Unterkunft zum zweiten Mal in Betrieb genommen werden.
