Kolumne Gefundenes Fressen

Wir basteln uns ein Luftschloss – eine kleine Anleitung, wie man die Realität ignoriert

Hildesheim - Manche Träume haben nicht die geringste realistische Grundlage. HAZ-Kolumnistin Kathi Flau zum Beispiel wünscht sich einen paradiesischen Garten – dabei gehen bei ihr selbst Kakteen ein. Aber: Von Fakten darf man sich nicht beirren lassen.

Die Kolumne Gefundens Fressen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Lebensträume, liebe Leserinnen und Leser, existieren ja oft unbekümmert an allen Realitäten vorbei. Zum Beispiel war es nie mein Wunsch, Kinder zu bekommen – aber eines Tages Großmutter zu sein, das konnte ich mir schon wunderbar vorstellen, als ich selbst noch klein war. Und ja, da klafft eine ziemlich unübersehbare Lücke in der Umsetzbarkeit, das gebe ich zu.

Außerdem wünsche ich mir einen Garten. Einen großen, wilden, bunten Garten, nichts mit Schotter und Englischem Rasen und so, sondern einen Garten voller Blumen und Beeren, mit alten Bäumen und einem Geräteschuppen, vor dem eine Bank steht. Den Garten würde ich so bepflanzen, dass lauter Tiere kommen, Vögel, Eichhörnchen, Insekten aller Art, vielleicht ein Igel. Das wäre so schön.

Sogar einen Kaktus habe ich schon ins Jenseits befördert

Tja. Die Wahrheit allerdings sieht leider so aus, dass Pflanzen bei mir ruckzuck ihr Leben aushauchen. Selbst einen Kaktus habe ich schon ins Jenseits befördert. Doch ich gebe nicht auf! Seit einigen Monaten hüte und pflege ich ein Alpenveilchen, das mir eine wunderbare Kollegin nichtsahnend geschenkt hat. Und was soll ich Ihnen sagen: Es lebt, es blüht sogar! Also wird es ja eines Tages vielleicht doch noch was mit dem Garten, und die passenden Enkel, ooch naja, die leihe ich mir dann aus. So weit kommt’s noch, dass wir uns von der Realität die Träume vorschreiben lassen!

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