Alfeld - Der Leine-Pegel in Alfeld stagniert auf hohem Niveau, die Lage bleibt „weiterhin angespannt“, so Bürgermeister Bernd Beushausen. Es könne noch keine Entwarnung gegeben werden, betont er. Von Dienstagmittag auf Mittwochfrüh ist die Leine in Alfeld noch einmal um zehn Zentimeter gestiegen. Das sei aber weniger, „als wir erwartet haben“, sagt Beushausen. Die Regenwasser-Rückhaltebecken Bollhasen (am Bollhasen-Partkplatz in Langenholzen) und Wehmegrund (am Ortsausgang Sack) schütten weiter Wasser aus.
„Wir beobachten die Situation weiter intensiv. Aktuell besteht aber kein Handlungsbedarf“, so der Bürgermeister. Die von der Feuerwehr eingerichteten Sandsacklager an der Alten Post und an der Ziegelmasch am 7-Berge-Bad seien, wie angedacht, ausschließlich von Anwohnern genutzt worden. Die gesamte Nacht haben die Feuerwehren und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Alfelder Bauhofs Sandsäcke gefüllt und wurden dabei von Beschäftigten von Alfelder Firmen unterstützt. Auf dem Parktplatz des 7-Berge-Bades sind nun größere Mengen Sand gelagert, das Bad bleibt heute geschlossen. Die Straße Ziegelmasch ist wieder frei.
250 anstatt 200 Kubikmeter Wasser je Sekunde
Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als Betreiber des Leinepolders in Salzderhelden, hatte am Dienstag die Wasserabgabemenge aus dem Rückhaltebecken (Polder) erhöht. Anstatt 200 Kubikmeter pro Sekunde liefen 250 Kubikmeter pro Sekunde aus dem Polder.
Das hatte dazu geführt, dass sich der Pegel in Alfeld zweimal um je fünf Zentimeter erhöhte. „Wir haben die Wellen gespürt“, sagt Beushausen. Am Mittwochmorgen wurde die Abgabemenge zwischenzeitlich auf 234 Kubikmeter verringert, mittlerweile fließen aber wieder 250 Kubikmeter Wasser ab (Stand: 8 Uhr).
Katastrophen-Voralarm durch Landrat Lynack hochgestuft
Dadurch, dass Landrat Bernd Lynack am Dienstag zunächst den Katastrophenvoralarm auslöste und diesen später noch hochstufte, konnten auch Einsatzkräfte von außerhalb der Region eingesetzt werden.
Und das geschah umgehend: Es wurden die Kreisfeuerwehrbereitschaften (KFB) aus Hameln, Northeim, Holzminden und Göttingen angefordert. Sie unterstützen mit mehr als 300 Kräften neben Alfeld insbesondere die Gemeinden Giesen und Holle sowie Sarstedt bei der Bekämpfung des Hochwassers.
Unterstützung von außerhalb der Region
Auch die Einsatzkräfte der Landesverbände des THW Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland sowie Niedersachsen/Bremen sind laut Landkreis mit insgesamt knapp 160 Kräften zur Unterstützung der Lage vor Ort angefordert worden. Diese sollen ebenfalls hauptsächlich in den besonders stark gefährdeten Gemeinden Giesen und Holle sowie der Stadt Sarstedt eingesetzt werden. Regional werden die Einsatzkräfte durch die THW Ortsverbände Hildesheim, Sarstedt und Elze unterstützt.
Neben den Kräften der Feuerwehren aus den Städten und Gemeinden im Kreis Hildesheim sowie den angeforderten, überörtlichen Kräften waren am Dienstag zusätzlich der Einsatzzug Limmer (Alfeld) und der Einsatzzug Hildesheim-Marienburg des DRK sowie der ASB Hildesheim eingesetzt. Diese Einsatzzüge befinden sich derzeit in Bereitschaft. Des Weiteren waren Kräfte der DLRG in Burgstemmen und Sarstedt im Einsatz. Insgesamt waren es mehr als 1000 ehrenamtliche Einsatzkräfte.
In Alfeld gab es am Mittwoch zuletzt um 9 Uhr eine Lagebesprechung. Beushausen sagte zu, die Öffentlichkeit weiter aktuell über die Hochwassersituation zu informieren.
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Auch am Mittwoch informiert die HAZ fortlaufend im Liveticker über das Hochwasser in der Region.
Von Ulrich Meinhard und Manuel Lauterborn
