Hildesheim - Von Zeit zu Zeit ist es schön, in den Wald zu gehen, um zu kucken, was bei den Tieren los ist. Frieren die im Schnee, finden sie Futter, wen müsste man mal wenden, damit er sich im Winterschlaf nicht wund liegt und so weiter. Nur eines muss man dabei sein: leise. Ansonsten sind sie – husch! – alle weg, die Tiere, als wären sie nie dagewesen.
Man stellt also das Handy lautlos und schleicht los. Da hört man in der Ferne ein Murmeln. Man lauscht. Menschliches Murmeln. Es wird lauter. Deutlicher. Ja, zwei Leute reden über... über... doch, jetzt hört man’s, über Abrechnungen einer Firma. Nur reden sie nicht, sie streiten laut. Man hat sie noch nicht mal gesehen, aber bereits erfahren, dass die Belege doch fristgerecht eingereicht worden sind! Ja, auch die aus dem letzten Quartal! Und die Ordner stehen links auf dem Regal, LI-HINKS, bitte mal die Augen aufmachen!!
So viele Dezibel hält der stärkste Laubfrosch nicht aus
Tja. Tiere adieu. So viele Dezibel hält der stärkste Laubfrosch nicht aus. Dafür hat man nun Zeit, darüber nachzudenken, wieso Leute ausgerechnet Wälder aufsuchen, um sich anzubrüllen. Wieso machen sie das nicht im Büro? Im Feierabendverkehr? In der Mensa-Schlange? Auf einer Techno-Party? Es gäbe tausend Gelegenheiten.
Doch selbst mancher Psychologe empfiehlt bei Stress allen Ernstes, zum Ausrasten in den Wald zu gehen, da rumzuschreien, Eisflächen zu zertreten oder, falls dummerweise gerade Sommer ist, Äste und Steine in Bäche zu pfeffern. Da hat man beim Abreagieren so herrlich frische Luft um sich. Und zuhause ist man dann wieder ganz entspannt. Und still. Ja, von Zeit zu Zeit ist es einfach schön, in den Wald zu gehen.
