Kreis Hildesheim - Im Kreis Hildesheim wurden seit Einführung der Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 1990 noch nie so wenig Straftaten verübt wie im vergangenen Jahr. Das geht aus der Statistik für 2021 hervor, die Hildesheims Kripochef Thomas Breyer am Freitag vorgelegt hat. „Der Rückgang mit über sechs Prozent und die höchste Aufklärungsquote seit fast zehn Jahren belegen eindrücklich, dass sich die Menschen in unserem Landkreis sehr sicher fühlen können“, sagt Breyer.
Bei der Entwicklung der Fallzahlen setzt sich dabei ein Trend der vergangenen Jahre fort. Leicht verbessert hat sich auch die Aufklärungsquote: Von 63,16 im Jahr 2020 auf 64,25 – der höchste Wert seit 2013.
Weniger Einbrüche inHome-Office-Zeiten
Doch die positive Entwicklung hängt nicht nur mit der Arbeit der Polizei zusammen. Abermals spielte auch die Corona-Pandemie den Beamten in die Karten. Das wird etwa bei der Entwicklung der Zahl der Wohnungseinbrüche deutlich, die von 249 Taten im Jahr 2010 auf jetzt 136 Taten gesunken ist. Arbeitnehmer im Home-Office und Schüler, die von zu Hause lernen, sorgten dafür, dass Einbrecher schlichtweg viel weniger Gelegenheit hatten, in verwaiste Wohnhäuser einzusteigen. Erfreulich aus Sicht der Polizei ist in diesem Fall auch der deutliche Anstieg der Aufklärungsquote – von 19,68 auf 26,47 Prozent.
Deutlich zurückgegangen ist auch die Zahl der „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“. Hierunter fasst die Statistik Betrugsmaschen wie Enkeltrick, falsche Polizeibeamte oder Gewinnversprechen am Telefon zusammen. Waren es im Jahr 2020 noch insgesamt 1076 solcher Fälle, sank die Zahl auf nunmehr nur noch 624 Taten. Und auch die Gesamtschadenssumme ist erheblich gesunken – von 992 587 auf 629 621 Euro. Das dürfte auch daran liegen, dass inzwischen in den meisten Fällen die Täter mit ihren Maschen nicht erfolgreich sind. Bis 2019 war es noch umgekehrt: Da konnten die Betrüger die meistern ihrer Taten vollenden. 2021 hingegen standen 99 vollendete Taten 525 versuchten Taten gegenüber.
Ermittlungen in Altenheimen
Einen deutlichen Anstieg registrierte die Polizei bei den Straftaten gegen das Leben wie Mord und Totschlag. Ihre Zahl hat sich von 20 auf 39 Fälle nahezu verdoppelt. Das liegt allerdings an den Todesfällen in Zusammenhang mit Corona in zwei Altenheimen. Wegen 19 toter Bewohner im Hildesheimer Lambertinum wird nach wie vor ermittelt. Das Ermittlungsverfahren gegen ein Heim in Nordstemmen wurde hingegen inzwischen eingestellt.
Auch die Zahl der Sexualdelikte hat zugenommen. Und das liegt vor allem an einer Verdopplung der Fälle von Kinder- und Jugendpornografie von 84 auf 176. Dieser Anstieg hängt auch damit zusammen, dass die Hildesheimer Ermittler nicht nur vom Bundes- und Landeskriminalamt Hinweise auf Fälle von Kinderpornografie bekommen, sondern neuerdings auch direkt von den Internet-Providern.
Immer mehr Fälle von Cybercrime
Insgesamt ist die Zahl der Straftaten im Internet eine der wenigen, die seit Jahren kontinuierlich ansteigt. 1293 Cybercrime-Fälle gab es im vergangenen Jahr, 206 mehr als im Vorjahr. Beim Großteil davon, nämlich bei 828 Fällen, handelt es sich um Betrugsdelikte. Hinzu kommen Fälle von Beleidigung, Bedrohung, Nötigung oder dem Ausspähen von Daten.
Die Corona-Pandemie hat nicht nur insgesamt für einen Rückgang der Kriminalität gesorgt, sondern auch für einen Anstieg in einem Bereich, der sonst für die Hildesheimer Polizei praktisch keine Rolle spielt. So gab es 2019 keinen einzigen registrierten Fall von Subventionsbetrug im Kreis Hildesheim. 2020 waren es bereits 43 Taten und im vergangenen Jahr dann 98. Es ging dabei immer um widerrechtlich beantragte Corona-Hilfen.
