Hildesheim - Ein Teller heiße Suppe von den Maltesern, eine schicke Frisur und der Blick eines Zahnarztes auf die Zähne. Der achte Wohlfühlmorgen des Mariano-Josephinums in Zusammenarbeit mit der Walter-Gropius-Schule und den Maltesern hat in diesem Jahr wieder viele Obdachlose und Bedürftige in das Schulgebäude im Brühl gelockt.
„Im vergangenen Jahr hatten wir rund 80 Gäste“, sagt Dörte Albrecht, Lehrerin am Mariano-Josephinum, und eine der Organisatorinnen des Wohlfühlmorgens. „Bei Kälte ist mehr los“, weiß sie aus Erfahrung zu berichten, „da ist der Bedarf größer.“ Allein bis zur Halbzeit um 11 Uhr waren schon 90 Gäste zum Wohlfühlmorgen gekommen.
Angebot gibt es seit 2016
Den ersten Wohlfühlmorgen hat die damalige Marienschule 2016 organisiert. Auch damals waren schon die Walter-Gropius-Schule und die Malteser dabei, die das Konzept schon früher zunächst in Frankfurt, später in Hamburg etabliert haben. Dabei war auch die damalige Elftklässlerin Pia Nora Flohr, die beim Wohlfühlmorgen das Zahnarztmobil aus Hannover kennengelernt hat, das Bedürftigen eine kostenlose Zahnarztbehandlung ermöglicht. Daraufhin hat sie sich entschieden, nach dem Abitur an der Marienschule Zahnmedizin zu studieren.
Inzwischen ist sie im siebten Semester in Hannover und assistiert bei den Behandlungen. Das Zahnarztmobil kommt lediglich einmal im Jahr zum Wohlfühlmorgen nach Hildesheim und steht ansonsten hinter dem Hauptbahnhof in Hannover.
25 bis 30 neue Haarschnitte
Der Winter mit seinen niedrigen Temperaturen ist gerade für Obdachlose eine Herausforderung. Passend dazu organisieren die Malteser zum Wohlfühlmorgen eine Kleiderkammer. In diesem Jahr besonders gefragt: Herrenkleidung und Schuhe. Wer keine passenden Kleidungsstücke findet, bekommt Gutscheine, die er im Malteserladen an der Waterloostraße einlösen kann.
Nicht nur Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen. Auch die äußere Erscheinung ist ein wichtiger Teil der Menschenwürde. Darum ist Friseurmeister Yalcin Karakurt mit seiner Kollegin Juliane Kiß sowie dem Auszubildenden vor Ort und schneidet Haare. „Wenn es gut läuft, schaffen wir heute 25 bis 30 Frisuren“, sagt Karakurt, der an der Walter-Gropius-Schule als Fachpraxislehrer im Friseurhandwerk arbeitet.
Ehrenamtliche helfen beim Wohlfühlmorgen
Zum Mittagessen gibt es eine leckere Erbsensuppe mit kleingeschnittenen Würstchen aus der großen Küche der Malteser, die für 50 Personen reicht und in der Cafeteria der Schule verteilt wird. Hier helfen Auszubildende aus dem Ernährungshandwerk beim Verteilen des Essens, die ebenfalls an der Walter-Gropius-Schule den schulischen Teil ihrer Ausbildung absolvieren. Insgesamt sind 15 Lehrkräfte und rund 25 Schülerinnen und Schüler des Mariano-Josephinums beim Wohlfühlmorgen ehrenamtlich aktiv.
Viele der bedürftigen Gäste kennen sich bereits aus der Vinzenzpforte oder übernachten regelmäßig in der Herberge zur Heimat. Dort nimmt Dörte Albrecht auch Kontakt mit ihnen auf, hängt Plakate auf und lädt sie persönlich zum Wohlfühlmorgen ein. „Das geht alles über persönliche Kontakte“, sagt sie. Unterstützt wird der Aktionstag auch von lokalen Unternehmen wie dem Edeka-Markt Potratz und der Bäckerei Raatz. Auch für die Schule ist der Aktionstag ein Gewinn, findet Lehrerin Albrecht. „Hier können unsere Schülerinnen und Schüler im geschützten Rahmen der Schule in Kontakt treten mit Menschen, denen sie sonst nie begegnet wären.“
