ZDF Dokudrama

ZDF-Dokudrama: Filmszenen werden auch in der Nähe von Hildesheim gedreht

Hildesheim - Das ZDF-Dokudrama erzählt das Leben der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer – inzwischen 101 Jahre alt. Darum ist für das Film-Team Hildesheim interessant.

Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer tritt öffentlich als Zeitzeugin auf. In der ZDF-Doku wird sie von der Schauspielerin Julia Anna Grob als junge Frau dargestellt. Foto: ZDF/Raymond Ley

Hildesheim - „Ich bin! Margot Friedländer. Auf der Flucht durch vier Leben“ – so lautet der Arbeitstitel eines ZDF-Dokudramas. Der Sendetermin steht sogar schon fest: Der Film soll als besonderer Programmakzent zum 85. Jahrestag der Novemberpogrome am 9. November gezeigt werden. Dafür sind unter anderem auch Dreharbeiten in der Nähe von Hildesheim geplant.

Bewegende Erlebnisse

Erzählt wird die wechselvolle Geschichte der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. Sie ist mittlerweile 101 Jahre alt. „Trotz ihres hohen Alters schildert sie ihre Erlebnisse noch sehr bewegend“, sagt Birgit-Nicole Krebs von der ZDF-Programmkommunikation. Diese Lebenserinnerungen werden der Leitfaden in dem neuen Dokudrama sein.

Die Dreharbeiten für die UFA Documentary Produktion beginnen in diesen Tagen. „Einige der szenischen Motive sollen in Niedersachsen stattfinden, wo die geografische Nähe zu Hildesheim besteht“, bestätigt Inken Schmidt von der Produktionsfirma auf Nachfrage. Das Filmteam ist jetzt mit seiner szenischen Arbeit aber zunächst in Bernburg (Saale) in Sachsen-Anhalt gestartet.

Wann die Crew im Raum Hildesheim eintreffen wird, dafür ist noch kein fester Termin bekannt. Fest steht aber, dass in der Region vorab sogar noch Komparsinnen und Statisten für das Dokudrama gesucht wurden. Und wo genau in der Region Hildesheim gedreht werden soll, das möchte die UFA-Kommunikationsmitarbeiterin auch nicht veröffentlichen. Nur so viel: „Die Drehorte dienen als Kulisse für die Darstellung Berlins der 40er Jahre“. Inhaltlich gebe es zwischen dem Leben der Protagonistin und Hildesheim allerdings keine direkten Überschneidungen.

Sie lässt sich die Nase operieren

Margot Friedländer stammt aus Berlin, dort wird sie im Jahr 1921 geboren. Ihre Mutter und ihr Bruder kommen 1943 in das Vernichtungslager nach Auschwitz. Der damals 22-jährigen Margot gelingt es, vor der Deportation unterzutauchen. Um nicht entdeckt zu werden, nimmt sie einiges auf sich: Sie versteckt sich, färbt sich die Haare, lässt sogar ihre Nase operieren – bis sie im Frühjahr 1944 doch von sogenannten „Greifern“ gefasst und in das Lager Theresienstadt deportiert wird.

Emigration nach Amerika

Aber die junge Frau überlebt. Nach der Befreiung heiratet sie Adolph Friedländer, einen Bekannten aus Berlin, den sie in Theresienstadt wiedergetroffen hat. Das Ehepaar emigriert in die USA, baut sich dort ein neues Leben auf.

Für den Film sind die ersten Interviews mit der Holocaust-Überlebenden bereits geführt worden. „Ich bin beeindruckt vom Konzept der UFA Documentary und überzeugt, dass dadurch die mir so wichtige Nachricht vermittelt werden kann“, sagt Margot Friedländer. Das Drehbuch stammt von Hannah und Raymond Ley, der auch Regie führt. Die 25-jährige Schauspielerin Julia Anna Grob aus Basel hat die Hauptrolle übernommen und wird die Protagonistin Margot Friedländer in ihren jungen Jahren darstellen. Mit Gastauftritten an der Produktion beteiligt sind zudem Iris Berben, Charly Hübner und Axel Prahl.

Seit 2010 wieder in Berlin

Nach Deutschland reiste Margot Friedländer erst wieder nach dem Tod ihres Mannes – auf Einladung des Berliner Senats besuchte sie im Jahr 2003 ihre alte Heimatstadt. Seit 2010 lebt sie wieder in Berlin, besucht regelmäßig Schulen, um jungen Menschen über ihr Leben zu berichten.  „Ich bin zurückgekommen, um mit euch zu sprechen, euch die Hand zu reichen, aber euch auch zu bitten, dass ihr die Zeitzeugen werdet, die wir nicht mehr lange sein können“, appelliert die Holocaust-Überlebende eindringlich.

Furchtbare Begleiterscheinungen

Sie möchte mit dazu beitragen, dass der Zweite Weltkrieg – auch wenn er mittlerweile mehr als Dreiviertel Jahrhundert zurückliegt – mit all seinen furchtbaren Begleiterscheinungen nicht aus der Erinnerung der Menschen verschwindet. „Was war, das war, wir können es nicht mehr ändern. Es darf nur nie wieder jemals geschehen. Für euch! Für eure Kinder, für eure Nachkommen.“

Ehrendoktorwürde für Hundertjährige

Margot Friedländer, die auch zwei Bücher zu ihrer Lebensgeschichte geschrieben hat, ist für ihr Engagement Anfang des Jahres mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet worden. Ein Jahr zuvor hatte sie als Hundertjährige die Ehrendoktorwürde von der Freien Universität Berlin verliehen bekommen, um ihre „überragenden Verdienste als Zeitzeugin“ zu würdigen.

Das Doku-Drama über Margot Friedländer soll am Donnerstag, 9. November, zum 85. Jahrestag der „Novemberpogrome“ gezeigt werden. Die genaue Uhrzeit ist bislang noch nicht bekannt.

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