Hildesheim - Von Kellnern bis Zeitungen austragen, über Vitamin B oder per Annonce in der Bravo gefunden, mal eine super Zeit gehabt, mal eine Lektion für das restliche Leben gelernt: Ferienjobs können ganz unterschiedlich laufen. Diese Erfahrung haben auch einige bekannte Hildesheimer und Hildesheimerinnen gemacht – sie haben der HAZ von ihren Ferienjobs erzählt.
Hamun Hirbod, Gastronom, Kommunalpolitiker (DIE PARTEI)
Heute leitet Hamun Hirbod das Restaurant Amadeus an der Lilie und schon als 15-Jähriger war er während der Ferien in der Gastronomie tätig, damals allerdings noch auf etwas andere Art und Weise: Er arbeitete in der Spülküche eines Eiscafés – in Göttingen. „Ich brauchte Kohle und habe in Hildesheim überall gefragt, niemand wollte einen Schüler einstellen, erst recht keinen mit schwarzen Haaren“, erinnert er sich. Der heute 39-Jährige bekam die gut 100 Kilometer entfernte Stelle dann auch nur über Beziehungen – sein Onkel kannte den Besitzer aus dem Studium. Also pendelte er mit seinem Schülerferienticket hin und her.
Die Arbeit in der Spülküche war dann auch in Ordnung, allerdings auch eine Umstellung. „Das war mein erster Job, es war ungewohnt mit Älteren zusammen zu arbeiten. Aber alle waren sehr nett.“ Der größte Nachteil: „Damals waren die Eispokale, so nennt man die Becher, noch so aufwendig verziert, das war praktisch Glaskunst – und viele waren halb so groß wie ich. Da musste ich ganz schön kämpfen am Spülbecken.“
Heiner Wilmer, Bischof
„Ich habe in den Ferien meinen Eltern auf unserem Bauernhof im Emsland geholfen. Das habe ich gerne gemacht, auch wenn ich immer früh raus musste“, erinnert sich der 63-jährige Bischof. Einen richtigen Ferienjob, hatte er nie – vermutlich blieb dafür keine Zeit. Er fuhr Stroh ab, packte Heu und kümmerte sich ums Vieh. „Und wenn es Anbauten am Hof gab, habe ich auch den Handwerkern geholfen und Mörtel gemischt oder Mauersteine geschleppt.“
Anna Felser, Spielerin und Teammanagerin beim MTV 48 Hildesheim
Sie hatte bei ihrem Ferienjob Kontakt zu unzähligen Hildesheimern und Hildesheimerinnen: In den Sommerferien nach dem Abitur, mit 18 Jahren, jobbte Anna Felser auf dem Jobeach, der Jowiese und dem Citybeach an der Theke. „Am Anfang durften wir sogar noch Cocktails mixen, das wurde aber irgendwann von wem anders übernommen“, sagt die 29-Jährige. Die Highlights des sommerlichen Jobs? „Die ganzen Events. Darts-Meisterschaft, Holi-Festival. Man hat zwar gearbeitet, aber war trotzdem irgendwie dabei.“ Wie sie vor elf Jahren zu der Stelle kam, weiß sie nun nicht mehr. Aber, „das war echt cool!“
Filippo Errante, Gastronom
„Wenn du keine Lust hast, zur Schule zu gehen, dann musst du arbeiten“, sagte Filippo Errantes Vater seinem damals 14-jährigen Sohn. Und da dieser Rennfahrer werden wollte, lief er zu Fuß zu dem Geschäft in Bockenem, in dem sein Vater sein erstes Auto gekauft hatte und bat um ein Praktikum. So fing er an, als Autoschlosser zu arbeiten. Ein richtiger Ferienjob war das zwar nicht, aber „so war das damals“, erklärt der 68-Jährige. Als seine Mutter starb und er seine jüngeren Geschwister versorgen musste, fing er zusätzlich an, freitagabends in einem Restaurant in Hannover zu arbeiten. Und das gefiel ihm: 1978 eröffnete er sein erstes eigenes Lokal in der Bahnhofstraße. Später zog es ihn zurück nach Hildesheim, in die Dammstraße. Dort steht das Da Filippo seit bald 40 Jahren.
Lara Weiss, Direktorin des Roemer- und Pelizaeus-Museums
Lara Weiss erhielt ihr erstes Gehalt von ihren Eltern: „Als ich in der Frühpubertät mal einen schulischen Hänger hatte, gab es eine Weile Belohnungen für gute Noten, was ja pädagogisch vielleicht etwas fragwürdig ist, aber es hat mich damals wieder motiviert mir ein bisschen mehr Mühe zu geben.“ Mit 14 Jahren sah sie eine Stellenanzeige – natürlich in der Bravo – und fing an, Zeitschriften auszuliefern. In den Herbstferien arbeitete sie immer mal wieder auf einem Bauernhof, schob Heu im Stall und sammelte Äpfel. Zwischendurch gab sie Nachhilfe in Deutsch und Englisch. „Flyer habe ich auch mal ausgeteilt“, erzählt die 44-Jährige. „Da wurde ich nicht bezahlt, weil die Auftraggeberin meinte, ich hätte meine Arbeit nicht gemacht, was nicht stimmte. Aber ich war zu hilflos mich zu wehren.“ Seitdem habe sie nie wieder Flyer angerührt – bis auf die des Museums.
Ingo Meyer, Oberbürgermeister
Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer war schon in seiner Jugend politisch interessiert. Als Schüler arbeitete er mal in der Gemeindeverwaltung – wie alt er da war, weiß er nicht mehr. Aber es habe ihm auf jeden Fall Spaß gemacht, versichert der 55-Jährige.
Bernd Lynack, Landrat
Klassischer als Zeitungen austragen, könnte ein Schülerjob wohl kaum sein. Die Alfelder Zeitung wurde eine Zeit lang von Landrat Bernd Lynack verteilt. So besserte der heute 54-Jährige mit 16 Jahren sein Taschengeld auf. Aber er sagt, dass es ihm natürlich Spaß gemacht hat.
Elisabeth Köstner, Musicaldarstellerin am tfn
Wenn Elisabeth Köstner nicht auf der Bühne des Theater für Niedersachsen (tfn) steht, ist sie als Darstellerin oft in Hotels untergebracht. An der Tür der 37-Jährigen hängt dann immer das „Bitte nicht stören!“-Schild, ihre Handtücher benutzt sie mehrfach und ihr Bett richtet sie selbst. Grund dafür ist der Ferienjob, den sie mit 16 Jahren gemacht hat: „Ich habe im absoluten Hochsommer für sechs Euro die Stunde als Zimmermädchen gearbeitet.“
Morgens die Zimmer frisch machen, während die Gäste frühstücken, das Bett neu beziehen, das Bad putzen und so weiter. „Ein absoluter Knochenjob“, sagt Köstner. Was sie bis heute nicht vergisst: „Meine Kollegin, um die 60 Jahre, war körperlich so viel fitter und schneller als ich!“
Nina Richel, Musikerin und Gastronomin
Bis sie 20 Jahre alt war, verdiente Nina Richel ihr Geld immer mit der Musik. Nach ihrer Zeit bei der Fernseh-Show Deutschland sucht den Superstar entschloss sie sich allerdings, wieder zur Schule zu gehen und suchte einen Job, der weniger Zeitaufwand brauchte. „Ich habe in den Ferien gekellnert“, erzählt die heute 30-Jährige. Angefangen hat sie damit vor elf Jahren im Clubhaus des TSV Giesen. „Das habe ich dann auch noch am Wochenende gemacht, während ich zur Schule gegangen bin.“ Das Kellnern entwickelte sich irgendwann zu einem Hauptjob und mittlerweile führt sie seit Mai selbst das Lokal, unter dem Namen „Heimspiel“.
Ulrich Räbiger, Kommunalpolitiker (Bündnis90/ DIE GRÜNEN)
Der Politiker hatte seinen ersten Job mit 14, in einer Mietkleidungsfirma. Dort werden beispielsweise die Blaumann-Anzüge gewaschen, die Mitarbeiter in großen Automobilbetrieben tragen. Räbigers Aufgabe war es, die frisch gewaschenen Klamotten einzuschweißen. Und dort erhielt der 68-Jährige auch seine erste Lektion für das Arbeitsleben: „Nicht zu schnell machen! Die anderen Kollegen sagten mir irgendwann, dass ich die Quote zu sehr hochtreibe.“ Ein paar Sommer lang jobbte er, um sich ein Mofa leisten zu können.
Am meisten Spaß machte ihm ein Ferienjob in der Baustoffprüftechnik, bei der er mit Ingenieuren auf Baustellen fuhr, um Beton und Kiese zu testen. „Das habe ich gern gemacht, ich mochte es, Verantwortung zu übernehmen. Und das, was ich damals über Baustoffe gelernt habe, kann ich auch heute noch im Stadtentwicklungsausschuss anwenden.“ Einmal ging aber etwas gewaltig schief – in den 70ern waren Diamantbohrmaschinen gerade im Kommen und Räbiger fuhr mit einem der Ingenieure in einen Neubau, um den fertigen Beton zu testen. Für die neue Maschine kein Problem! Allerdings war die Küche schon eingerichtet, also räumten die Bewohner alles noch dürftig bei Seite, damit ihre Einrichtung nicht zu viel Dreck abbekommt und natürlich blieb ein Loch im Boden zurück. Ein paar Tage später kam ein wütender Anruf. Die beiden hatten im falschen Haus gebohrt.













