Burganlage Wohldenbruch

Nach Sensationsfund bei Sottrum: Entdecker berichtet – und ordnet neue Zeichnung ein

Sottrum - Er hat die Umrisse auf dem Luftbild entdeckt: Heinz-Dieter Freese spricht über den Fund der ehemaligen Burg Wohldenbruch auf einem Sottrumer Acker – und ordnet die Zeichnung eines Hobbyarchäologen ein, die zeigt, wie sie ausgesehen haben könnte.

Auf diesem Luftbild hat Heinz-Dieter Freese die ehemalige Burg Wohldenbruch erkannt. Er äußert sich gegenüber der HAZ auch zu einer Zeichnung der Burg, die ein Hobbyarchäologe angefertigt hat und die im Artikel gezeigt wird. Foto: Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen/privat

Sottrum - Dass die Spuren der Niederungsburg bei Sottrum entdeckt wurden, war reiner Zufall, wie Heinz-Dieter Freese berichtet. Der ehrenamtliche Luftbildarchäologe war gar nicht auf der Suche nach etwas Speziellem, als ihm die auffälligen Erdverfärbungen auf einer Aufnahme aus dem April 2019 eines Ackers bei Sottrum auffielen. „Mir war sofort bewusst, dass ich etwas ganz Besonderes entdeckt habe“, sagt der Pastor in Ruhestand, der mit seiner Frau in Verden lebt.

Er sei schon ein archäologischer Glückspilz, räumt der 64-Jährige am Telefon ein, denn er hat bereits Einiges entdeckt. 2015 gelang ihm die Wiederentdeckung des römischen Marschlagers Wilkenburg bei Hannover. Und an der Weser fand Heinz-Dieter Freese aus der Luft zwei große Grabenanlagen aus der Jungsteinzeit, ein Werk der ersten Bauern in Niedersachsen vor rund 5000 Jahren. Die extremen Dürren der Jahre 2008 und 2018 brachten die Anlagen von Wellie und Müsleringen ans Tageslicht. Denn der Weizen auf dem Feld wurzelte besonders tief, um an Wasser zu gelangen. Und so zeichneten sich an der Oberfläche die Umrisse der Gräben ab. Genau wie auf der Aufnahme der Ritterburg von Sottrum, allerdings wurden dort die Gräben durch Bodenverfärbungen und nicht durch Bewuchsunterschiede sichtbar.

Wenn Freese über den Sottrum-Fund berichtet, kommt er ins Schwärmen. Als Kind nämlich habe er eine Ritterburg aus Kunststoff besessen. Sein Traum sei es gewesen, genau so eine Burganlage einmal zu entdecken – jetzt ging der Wunsch in Erfüllung. Beim Anblick des Grundrisses aus dem 14. Jahrhundert habe er die Pferde und Wagen über die Zugbrücke zur Burg Wohldenbruch poltern hören, erzählt er.

Zeichnung nach Grundriss

Der Hobbyarchäologe Wolfgang Braun aus Helmstedt, ein ehemaliger Kriminalkommissar, hat der Burg ein gezeichnetes Gesicht gegeben. Der heute 88-jährige Braun erarbeitet seit 1965 anhand von Grundrissen Bilder von historischen Gebäuden.

Doch eine befestigte Bastion, wie sie die Zeichnung suggeriert, sei aus dem Luftbildbefund nicht abzulesen, erklärt Freese. Um die Burg verlaufe ein nur noch teilweise erhaltenes Wallgrabensystem, das im Süden der Burg aus einem breiten Hauptgraben und zwei schmalen äußeren Gräben besteht. „Der Vergleich zwischen Luftbildinterpretation und Rekonstruktionszeichnung macht deutlich, dass die Zeichnung den Charakter der Niederungsburg recht gut wieder gibt, auch der Torbereich könnte so ausgesehen haben“, sagt Freese. Alle weiteren Gebäude in der Randbebauung sowie um den Palas und um den Bergfried seien zwar fantasievoll und anschaulich dargestellt, jedoch ohne Nachweis im Luftbildbefund.

Gebäudekomplex im Burghof

Was Freese aus der Aufnahme ablesen konnte ist, dass sich im Burghof ein frei stehender Gebäudekomplex befindet. Darunter ist deutlich ein ummauerter Hof zu erkennen. Vermutlich handelt es sich um das Wohngebäude, den Palas. Auch die Umrisse eines Bergfrieds mit einer Kantenlänge von zehn Metern zeichnen sich ab. Die ganze Burganlage erstreckt auf etwa 140 Meter, wie Freese, der ehrenamtlich für das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege arbeitet, berichtet.

Nach dem Bekanntwerden des Sottrumer Fundes meldeten sich einige HAZ-Leser zu Wort. Unter anderem wurde berichtet, dass Lüdiger II. von Wohldenberg seit 1195 „von Wohldenbruch“ genannt wurde. Und zwar „nach einer einen Kilometer südwestlich von Sottrum im Landkreis Hildesheim-Marienburg am linken Ufer der Nette gelegenen Wasserburg“. Ein anderer Leser berichtete, dass der Erbauer Lüdiger II. zwischen 1206 und 1208 verstorben und dass die Burgstelle schon in älteren Karten um 1830 eingetragen und bezeichnet sei.

Forschungsarbeit beginnt

Für die Fachleute im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalschutz beginnt nun die Forschungsarbeit zur wiederentdeckten Burg Wohldenbruch. Und Heinz-Dieter Freese wird auch weiterhin Luftaufnahmen auswerten, in der Hoffnung auf weitere spannende Funde.

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