Hildesheim - Die Marke Bismarckturm war vor mehr als 100 Jahren ein Exportschlager: Weltweit hatte es mehr als 300 dieser Bauwerke gegeben, alle ein Ausdruck der Verehrung des ehemaligen Reichskanzlers im Deutschen Reich – nach dessen Abdankung. Viele von ihnen sind auf private Initiative hin gebaut worden. In Deutschland gibt es noch 146 Exemplare – eines davon auf dem Galgenberg in Hildesheim.
Und er ist nun am Mittwochabend zum wiederholten Mal eines der Topthemen auf der Tagesordnung des Ortsrates Marienburger Höhe/Galgenberg gewesen. Bis August 2020 galt der etwa 20 Meter hohe Bismarckturm als eines der beliebtesten innerstädtischen Ausflugsziele mit einer Aufstiegsoption. Doch dann verfügte die Stadt aus Sicherheitsgründen: Der Turm wird abgeschlossen bis zu seiner Sanierung.
Seit Herbst 2020 geschlossen
Im September hatte Stadtbaurätin Andrea Döring zur Ortsratssitzung noch erklärt, dass eine Architektin aus der Verwaltung klären wolle, wie hoch die Sanierungskosten für die schweren Schäden an Geländer und Tragwerkskonstruktion ausfallen werden. Doch seitdem herrschte Ruhe bei dem Thema. Nur Ortsratsmitglied Enzo Calvanico (CDU) sprang in die Bresche und kündigte an, der Stadt mit einer Spendenaktion unter die Arme greifen zu wollen.
Am Mittwochabend teilte Verwaltungsmitarbeiterin Ina Marose nun mit, dass „die Kosten für die Sanierung explodieren würden“, ein Ingenieursbüro schätze den Aufwand derzeit auf rund 155 000 Euro. Daraufhin verteilte Calvanico Ausdrucke mit den Schadensbildern an die Ortsratsmitglieder und verkündete: „Die Stadt überlegt, den Turm attraktiv zu machen.“ Es fehle Wasser und Strom: „Wir müssen bis 2023 warten.“ Das habe eine „kleine Gruppe im Rathaus“ beschlossen.
„Ich halte das für ein Unding“
Eine Auskunft, die den ehemaligen Stadtbaurat Thomas Kuhlenkampff (SPD) gleichsam auf die Palme brachte: „Ich halte das für ein Unding. Wenn das jemandem privat passiert wäre, gäbe es eine Verfügung gegen ihn. Die Stadt setzt sich drauf und bestellt einen Gutachter. Und dann steigen die Kosten.“
Eine herbe Kritik, die Calvanico so nicht hinnehmen wollte: „Die Stadt bewegt sich. Und zum Leben gehört auch Geduld.“ In kürzester Zeit schaukelte sich die Erregung im Ortsrat hoch, zumal sich auch andere einschalteten und von Calvanico mehr Aufklärung forderten. Als Ortsbürgermeisterin Nicole Reuß (SPD) ankündigte, sie wolle Döring selbst anrufen, reagierte Calvanico beleidigt: „Macht doch, was ihr wollt.“ Höchste Zeit für Reuß, die Wogen wieder runterzukochen. Nur Kulenkampff ließ nicht ab und schlug vor, eine Initiative zu gründen: „Dass da Druck draufkommt.“
Spende für neues Lastenrad
Alle anderen Themen, ebenfalls mittlerweile Dauerbrenner im Ortsrat, liefen weitaus harmonischer ab. Lastenrad-Initiatorin Tinka Dittrich überzeugte mit ihrem Vortrag zu ihrem kostenlosen Verleihprojekt und bekam noch am Abend per Beschluss den Zuschlag, einen Teil der noch verbliebenen Ortsratsmittel für ihr Projekt einsetzen zu können.
Zum Thema Planungsstand für das Einkaufszentrum Marienburger Platz konnte Marose nur mitteilen, es gäbe nichts Neues, auch nicht zur Schließung des Hallenbades in der Uni, was die Ortsratsmitglieder beides frustrierte. Lediglich die Information, dass das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte sein Bad als Ausweichort für Schulen und Sportvereine anbietet, kam als positive Nachricht gut an.
Nichts Neues beim Thema Uni-Bad
Zusammenfassend, auch als Reaktion auf Zuhöreranfragen, kündigte Reuß noch an, bei der Stadt das Thema Parkplatzsituation und die Einhaltung der Abendruhe rund um die Tonkuhle anzusprechen.
