Ex-Torwart über Karriere-Höhepunkt

Zu Besuch bei Raphael Schäfer in Nürnberg: Wie der Hildesheimer heute über den DFB-Pokalsieg denkt

Nürnberg - Mit dem 1. FC Nürnberg hat er den Pokal gewonnen, mit dem Fußball hat er in Drispenstedt angefangen. Was macht Raphael Schäfer heute? Und was geht ihm durch den Kopf, wenn er als erstes an Hildesheim denkt?

Raphael Schäfer hat 2007 mit dem 1. FC Nürnberg den DFB-Pokal gewonnen. Mit dem Fußball hat er beim SC Drispenstedt angefangen. Foto: Anke Fleig / Sven Simon

Nürnberg - Zwischen vielen Mitarbeitern des 1. FC Nürnberg mit fränkischem Akzent sitzt ein Hildesheimer und spricht Hochdeutsch. Alle rollen das „R“, nur Raphael Schäfer nicht. Der Mann hat 2007 das geschafft, wovon viele nur träumen: Er hat mit dem „Club“ den DFB-Pokal gewonnen. „Umso länger das her ist, desto mehr realisiert man, wie schwer und einmalig das eigentlich war“, sagt er, während er in der Geschäftsstelle des Zweitligisten sitzt.

Seit diesem Coup sind 18 Jahre vergangen, und der Ex-Torwart sitzt mittlerweile im Aufsichtsrat des Zweitligisten. Seine Karriere hat allerdings beim SC Drispenstedt begonnen.

Zwischen Freud, Leid und Erinnerung

Rund um das Gelände des FCN ist gerade viel los. Der Norisring wird aufgebaut. Vom 4. bis 6. Juli fährt die DTM auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Gleich daneben: Das Max-Morlock-Stadion. Die Straße runter: Die FCN-Geschäftsstelle. Es ist ein gigantisches Areal, das in Deutschland einmalig ist. Die Freude (auch das Leid), die der Verein seinen Fans bereitet, aber auch die Erinnerung an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte sind eng miteinander verbunden.

Aber zurück zum DFB-Pokal. Schäfer ist vor 18 Jahren Kapitän eines sympathischen, hungrigen Teams, das bis heute als letzter großer Underdog den DFB-Pokal gewinnt. „Wir waren eine Mannschaft“, sagt Schäfer und betont das Wort „Mannschaft“ besonders stark. Auch außerhalb des Platzes verbringen die Spieler damals viel Zeit miteinander. Selbst heute sieht Schäfer Pokalheld Javier Pinola regelmäßig beim Club, der gerade als Co-Trainer Miroslav Klose unterstützt.

„Im Schlamm wälzen macht mehr Spaß als rumkicken“

Der Pokalsieg ist Schäfers größter Erfolg. Mit dem Fußball beginnt er aber in Hildesheim. Auf die Frage, was ihm als erstes durch den Kopf geht, wenn er an Hildesheim denkt, muss er kurz nachdenken. „Meine Jugendzeit“, sagt er. Die verbringt er komplett in Hildesheim. Da hält er das Tor des SC Drispenstedt sauber – obwohl er ganz zu Beginn zuerst im Feld spielt. Erst als damals der alte Keeper aufhört, wechselt er zwischen die Pfosten. Das liegt ihm schon immer: „Im Schlamm wälzen macht mehr Spaß als rumkicken.“

Er wird in Drispenstedt groß, deshalb ist der Weg zum SCD programmiert. Schäfer stammt aus einer Aussiedlerfamilie, die aus Schlesien nach Hildesheim kommt. Die Integration fällt ihm seinerzeit nicht so schwer, weil seine Tante und sein Onkel schon in der Stadt leben. Und mit seinem Cousin spielt er dann auch beim SC Drispenstedt.

Zusammen mit Damian Brezina beim SC Drispenstedt

Raphael Schäfer erinnert sich mit großer Freude an seine Zeit beim SC. Während er hinten den Laden sauber hält, macht Damian Brezina vorn die Tore. Brezina ist im Kreis Hildesheim bekannt, spielt bei Hannover 96, dem VfV 06, SV Bockenem und SV Bavenstedt. Vor allem in Duellen gegen Sarstedt geht es damals zur Sache. „Meistens haben wir mit Drispenstedt aber gewonnen“, schmunzelt Schäfer.

Einige Jahre später zieht er nach Giesen um. Von dort aus immer gut sichtbar: Der Kaliberg. „Wenn man den von der Autobahn aus von weitem sieht, weiß man auf jeden Fall, dass man in Giesen ist“, scherzt der ehemalige Torwart heute. Schäfers Karriere nimmt dann Fahrt auf – zunächst. Er wechselt zu Hannover 96, wo ihn später der damalige Trainer Reinhold Fanz aussortiert. Über den Umweg Lübeck kommt er nach Nürnberg. In der fränkischen „Hauptstadt“ wohnt er seit 2001.

Karriereende fällt ihm nicht schwer

Seine Karriere beendet er 2017. Für viele Profisportler eine schwere Entscheidung, für Schäfer nicht: „Ich hatte mehrere Wehwehchen. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem es nicht mehr geht.“ Zudem freut er sich darüber, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und sich seiner Unternehmensarbeit im Immobilienbereich zu widmen. Das macht er heute noch.

Schäfer marschiert durch die Geschäftsstelle des FCN – als ehrenamtlicher Aufsichtsrat ist er längst nicht jeden Tag im Haus. So wird der 46-Jährige auch ziemlich freudig begrüßt: „Servus Rrrrapha“, also mit rollendem „R“. Schäfer klatscht mit einigen Mitarbeitern ab, die ihm begegnen. Während er geht, erzählt Schäfer, wie er in den Aufsichtsrat des FCN gekommen ist. Die Fans haben ihn dort reingewählt. Für ihn ist es eine Nebentätigkeit, die etwa vier bis zwölf Stunden pro Woche in Anspruch nimmt. Es ist ein Kontrollgremium, das sich um die Einhaltung der Ziele, des Budgets und um die drei Vorstände kümmert. Sein Schwerpunkt liegt im sportlichen Bereich.

Jugend-Kurs beim „Club“

Kurz nach seiner Wahl in das Gremium installieren Raphael Schäfer und seine Kollegen mit Joti Chatzialexiou einen neuen Sportvorstand. Und der ruft einen echten Jugend-Kurs beim FCN aus, der bundesweit Beachtung findet. Die Entwicklungen von Spielern wie Stefanos Tzimas, Finn Jeltsch oder Nathaniel Brown sprechen für sich – in Kombination mit Star-Trainer Miroslav Klose. Aus dem Fenster der Geschäftsstelle fällt der Blick auf die große Trainingsanlage des Clubs: Elf Fußballplätze sind zu sehen, teils mit Kunstrasen und Flutlicht. „Der Verein hat lange über seinen Verhältnissen gelebt. Darum ist der Jugendkurs langfristig der richtige Weg“, erklärt Schäfer.

Der 46-Jährige ist zufrieden mit dem Aufsichtsrats-Job. Eine hauptamtliche Stelle im Verein strebt er nicht an. „Definitiv nicht“ – allein schon wegen des großen Zeitaufwands.

Unterschrift für die Sportredaktion

Apropos Zeit: Eine Stunde hat Schäfer für das Treffen mit der HAZ veranschlagt. Die ist schnell um. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, die FCN-Fahne, die sonst in der HAZ-Sportredaktion steht, zu unterschreiben. Als er sich auf den Weg zum Parkplatz macht, schaut er noch mal kurz zurück: „Grüße nach Hildesheim“, sagt er und steigt ins Auto.

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