Bad Salzdetfurth/Kreis Hildesheim - Das Problem schwelt in vielen Orten im Landkreis Hildesheim: Feuerwehrhäuser sind zu klein und zu eng geworden – unter anderem, weil die modernen Fahrzeuge größer sind als ihre Vorgänger. Besonders unter Druck steht deswegen aktuell die Stadt Bad Salzdetfurth. Dort brauchen mehrere Ortswehren dringend neue Autos: „Sonst müssen wir die Fahrzeuge bald zum Einsatz schieben“, brachte Stadtbrandmeister Matthias Bellgardt es als Mitglied des Ratsausschusses für den Bereich Bürgerservice und Ordnung auf den Punkt. Soll heißen: Der Kauf neuer Wagen duldet keinen Aufschub.
Der Kauf ist auch nicht das Problem, für die Anschaffungen gibt es längst einen Zeitplan. Aber: Die Stadt muss fast überall, wo ein neues Auto untergebracht werden soll, erst ein neues Gebäude zum Unterbringen desselben bauen. Denn in die alten Häuser passen die neuen Fahrzeuge schlichtweg nicht mehr rein. Oder nur so knapp, dass die Einsatzkräfte die Autotür kaum aufbekommen.
Nicht selten müssen sich die Feuerwehrleute auch direkt neben den geparkten Fahrzeugen umziehen. Geltende Vorschriften werden oft nicht eingehalten.
Der Bad Salzdetfurther Fachausschuss hat nun grünes Licht für das Konzept gegeben, den geplanten Auto-Anschaffungen durch die nötigen Bauten den Weg zu ebnen. Die ersten neuen Fahrzeuge werden nach Listringen, Bad Salzdetfurth und Klein Düngen rollen. Weiter geht es in den kommenden Jahren mit Lechstedt und Östrum.
In Bad Salzdetfurth und Klein Düngen gibt es keinen akuten Handlungsbedarf, was die Feuerwehrhäuser angeht. Anders sieht es in Listringen aus, wo das neue Auto buchstäblich im Regen steht, wenn zum Auslieferungstermin keine neue Herberge fertig ist.
Unter dem Strich wird es nicht mal ausreichen, wenn die Stadt jedes Jahr ein Bauprojekt verwirklicht, rechnete der Ausschussvorsitzende Kai Schwetje (SPD) vor. Die Vorgabe: fünf Gebäude in vier Jahren. Der Ausschuss stimmte folgendem Vorschlag Schwetjes zu: 2021 Listringen und Kauf eines Grundstücks in Heinde, 2022 Bau in Heinde plus Fahrzeugbox für Östrum, 2023 Breinum, 2024 Hockeln.
Feuerwehrhäuser dienten freilich nicht nur der Pflichtaufgabe Brandschutz, betont die Verwaltung in ihrer Vorlage für die Kommunalpolitiker: „Ortswehren sind auch wesentlicher Bestandteil der örtlichen Gemeinschaft und tragen zur zukünftigen Ortsentwicklung bei. Die Attraktivität der Ortschaften als Wohnorte wird durch aktives Gemeinwesen belebt und gestärkt.“
Die Verbindung der verschiedenen Funktionen eines Feuerwehrhauses wird im Ortsteil Breinum quasi zum Knackpunkt: Die Feuerwehr sollte in ein Dorfzentrum integriert werden, für das die Stadt Bad Salzdetfurth allerdings nicht die erhofften Zuschüsse bekommt. Nun soll in Abstimmung mit der weiteren Entwicklung zumindest schon mal eine Fahrzeugbox angeschafft werden, weil der Kauf des neuen Autos auch in Breinum keinen Aufschub mehr duldet.
Ähnlich wie in Bad Salzdetfurth ist die Lage in manch anderer Kommune im Kreis Hildesheim – wenn auch nicht überall mit so starkem Zeitdruck. Oft sind die Platzprobleme der bestehenden Feuerwehrhäuser durch Um- oder Anbauten nicht mehr zu lösen. Da hilft oft nur noch ein Neubau.
So plant zum Beispiel die Gemeinde Holle neue Domizile in Heersum und Sillium. Für die Gemeinde Söhlde kam eine Machbarkeitsstudie Anfang des Jahres zu dem Ergebnis, dass die Feuerwehrhäuser an den zentralen Standorten in Hoheneggelsen und Söhlde nicht mehr umbautauglich sind. Erstellt hat die Studie die Gesellschaft für kommunale Immobilen (GKHi), die auch für den langersehnten laufenden Neubau des Feuerwehrhauses im Sarstedter Ortsteil Giften übernommen hat. Die Kosten dort: rund eine Million Euro. In der Gemeinde Nordstemmen werden gerade alle neun Gebäude unter die Lupe genommen.
Das Platzproblem wird bei vielen Ortswehren durch eine Entwicklung erschwert, die ansonsten unbestritten erfreulich ist: Es gibt immer mehr Frauen in den Feuerwehren, besonders in Niedersachsen – und im Bereich der Stadt Bad Salzdetfurth, wie kürzlich berichtet, auch unter den Führungskräften: Heike Matthiesen als Ortsbrandmeisterin in Östrum oder Merle Sittig als Stellvertreterin in Lechstedt.
Dass sich Frauen neben ihren männlichen Kollegen neben den Fahrzeugen umziehen müssen, weil angemessene Umkleideräume fehlen, ist ein vielfach bemängeltes Provisorium. In vielerlei Hinsicht entsprechen die alten Feuerwehrhäuser längst nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften. Als besonders prekär stuft der Ausschuss die Situation in Heinde ein – und zog den Standort in der Prioritätenliste entgegen der Verwaltungsvorlage nach vorn.
Die Befürchtung, die im Ausschuss zum Ausdruck kam: Lange drücken die Zuständigen der Feuerwehr-Unfallkasse womöglich nicht mehr das eine oder andre Auge zu. Auf Übergangsfristen oder Bestandsschutz können die Kommunen irgendwann als Träger der Feuerwehren nicht mehr setzen. Und: Die Sicherheit der Feuerwehrleute ist durch die Enge nicht nur aus bürokratischer Sicht, sondern auch ganz real gefährdet.
Eine Überschrift in der HAZ brachte das grundsätzliche Dilemma bereits im Frühjahr 2014 auf den Punkt: „Zu eng für Mensch und Auto“ hieß es damals, Anlass waren die Probleme in Heersum und Hackenstedt.
Manchmal dauert es Jahre, bis ein diagnostizierter Missstand behoben ist. Zum Beispiel in Giften: Im neuen Feuerwehrhaus sollte eigentlich das 125-jährige Bestehen der Ortswehr gefeiert werden, bemerkte Ortsbrandmeister Stephan Wehling beim Baustart im Frühjahr. Das besagte Jubiläum war da allerdings schon fünf Jahre her.
