Drei Stadtteile und Dorf im Fokus

Zugverkehr stört Anwohner: Deutsche Bahn will den Lärmschutz in der Region Hildesheim verstärken

Hildesheim - Krach durch Bahnverkehr kann Menschen um den Schlaf bringen. Die Deutsche Bahn möchte die Lärmbelastung der Anwohner von Schienenstrecken eindämmen: In der Stadt Hildesheim und auch in Emmerke gibt es Möglichkeiten.

Mit neuen Lärmschutzwänden will die Bahn die Anwohner von Schienenstrecken schützen. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Gerade wenn Güterzüge vorbeirauschen, kann dies viele Anwohnerinnen und Anwohner von Bahnstrecken ziemlich nerven – besonders, wenn sie schlafen wollen. Die Deutsche Bahn (DB) plant, den Lärmschutz in Deutschland zu verstärken, und fasst dabei die Region Hildesheim ins Auge. EU-weit laufen Ausschreibungen, um die Projekte in Auftrag zu geben.

„Wir machen Deutschland leiser“, lautet ein Slogan des Schienenkonzerns. Darum werden Millionen Euro für den Bau von Lärmschutzwänden investiert – neue Vorhaben sind auch in Hildesheim möglich, so die DB auf Nachfrage der Redaktion. In der Südstadt, in Drispenstedt (Güldenfeld) und in Himmelsthür kommen Schutzwände an den dortigen Bahnstrecken infrage, berichtet eine Unternehmenssprecherin. Dies hätten Schallschutzuntersuchungen ergeben. „Weitere Lärmschutzwände sind voraussichtlich aus technischen Gründen und mangelnden Platzverhältnissen nicht umsetzbar.“

Problem schwelt seit 40 Jahren

In Himmelsthür etwa beklagen sich Anwohner schon seit rund 40 Jahren über Krach, der durch Züge verursacht wird. Durch den Stadtteil fährt die S-Bahn (Linie 4), die zwischen Hildesheim, Sarstedt, Hannover und Bennemühlen unterwegs ist. Hinzu kommen die Regionalbahn Start ab Hildesheim Richtung Elze und Hameln sowie viele Güterzüge. „Deren Anzahl hat gefühlt zugenommen“, berichtet der Himmelsthürer Ortsbürgermeister Christian Stock, der einen Zeitungsartikel von 1986 aufgehoben hat. Das Thema: Lärm durch Bahnverkehr. Und der Bedarf nach Lärmschutz bleibt dringend. „Die Belastung durch die hohe Zugfrequenz ist enorm“, ergänzt er. Die Menschen, die in der Nähe der Gleise wohnen, hätten zwar zum Beispiel mit Mehrfachverglasung versucht, die Situation zu verbessern – doch die Probleme sind weiter akut. Derzeit fahren laut DB täglich 150 Züge über die Strecke durch Himmelsthür.

Und weil voraussichtlich 2028 ein neuer Haltepunkt der S-Bahn im Ort in Betrieb genommen wird, werden die Sorgen noch größer. Denn dann müssten die Anwohner noch mehr Lärm aushalten – durch die Geräusche, wenn die Züge abbremsen oder wieder anfahren, so Stock weiter. Insofern sei zu begrüßen, dass die Bahn eingreife.

„Im Sinne der Anlieger“

Joseph Theodor Möller, Ortsbürgermeister in Emmerke, sieht die Dinge ähnlich. Neuer Lärmschutz wäre sicher „im Sinne der Anlieger“, sagt der 78-Jährige mit Blick auf die vielen Züge, die an Emmerke vorbeifahren: ICE, Start, Erixx, die S-Bahn – und dazu auch immer mehr Güterverkehr, berichtet Möller.

Also sollen neue Schutzwände her. Die DB befindet sich aber nach eigenen Angaben noch ganz am Beginn ihrer Planungen – über deren Stand sollen die Bürgerinnen und Bürger bei Informationsveranstaltungen rechtzeitig informiert werden sollen. Arbeiten könnten laut Bahn 2028 beginnen und 2030 abgeschlossen werden. Die lange Dauer solcher Projekte hängt unter anderem mit aufwändigen Prüfungen, Genehmigungen und Eigentumsverhältnissen zusammen, zudem muss der Zugverkehr weiter passieren können.

So ist der Lärmschutz geregelt

Der Schutz vor Lärm beim Neu- und Ausbau von Schienenwegen ist der DB zufolge im Bundesimmissionsschutzgesetz geregelt. Nach diesem ist bei einem Neubau oder einer wesentlichen Änderung sicherzustellen, dass kein Lärm verursacht wird, der sich nach dem Stand der Technik vermeiden lässt. Man spricht dabei von Lärmvorsorge.

Für existierende Strecken – dem Bestandsnetz – gilt das Gesetz nach Konzernangaben aber nicht. Um die Situation auch dort zu verbessern, hat die Bundesregierung 1999 das freiwillige Programm „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des Bundes“ ins Leben gerufen. Seit Start des Programms haben der Bund und die DB bereits rund 2,10 Milliarden Euro investiert und über 2324 Kilometer Strecke „lärmsaniert.“

Investition: 176 Millionen Euro

Die 2324 sanierten Kilometer entlasten mittlerweile die Ortsdurchfahrten von mehr als 1300 Städten und Gemeinden bundesweit. Hinzu kommen mehr als 70.900 Wohneinheiten im Bundesgebiet, die bislang mit passiven Schallschutzmaßnahmen (zum Beispiel Isolierungen) ausgestattet wurden. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 69 Kilometer Schallschutzwände entlang der Schienenwege fertiggestellt und etwa 176 Millionen Euro investiert.

 

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