Hildesheim - Als ich die Dose mit Pfirsichen öffne, um die in eine Sahnefüllung für eine Biskuitrolle einzuarbeiten, habe ich ein Flashback: Es ist Sonntag. Die Familie sitzt am Mittagstisch, ich bin noch Kind, und es gibt Nachtisch. Den gab es damals in den 1970er-Jahren nämlich nur sonntags. Jedenfalls bei uns. Ganz oft stand als Dessert Dosenobst auf dem Tisch. Ananas, halbe Pfirsiche, wenn es ganz toll lief, dann Fruchtcocktail, der mit dem kleingeschnittenen Obst. Darin meist nur eine halbe Kirsche. Die war immer heiß begehrt, diente wohl in dem ganzen Kompott hauptsächlich als Farbklecks. Die halben Pfirsiche waren am schwierigsten zu essen. Jedenfalls mit Teelöffeln. Da hüpfte das Ding so manches Mal aus dem Schälchen und landete auf dem Tischtuch, was die Mutter rasend machte.
Fisch in Tomatensoße
Später, als der Instantpudding erfunden war, verdrängte der das Nachtisch-Dosenobst in unserem Hause. Was nicht bedeutet, dass es keine Dosenlebensmittel mehr gab. Dosenwurst, Fisch in Tomatensoße oder fertige Suppen. Oh ja, Ravioli nicht zu vergessen, Bihunsuppe und Sellerie in geriffelten Scheiben. Und bei jeder einzelnen Dose musste der entsprechende Öffner ran. Denn das System mit der Lasche am Deckel war noch lange nicht erfunden. Wo wir gerade dabei sind: Muss der Deckel von Sardinendosen eigentlich noch so kompliziert aufgerollt werden?
Surströmming unter freiem Himmel
Da ich für meinen Kuchen nur ein paar Pfirsiche benötigte, gab es bei uns in dieser Woche Dosenobst als Snack. Gar nicht so unlecker. Und damit nicht zu vergleichen mit Surströmming, einer schwedischen Delikatesse aus vergorenem Ostseehering. Das Zeug muss so stinken, dass selbst die Schweden es wohl am liebsten unter freiem Himmel essen. Hierzulande ist dieser Fisch ein Fall für Challenges. Wer traut sich, den Fisch zu essen, und wer schafft das, ohne brechen zu müssen? Da ziehe ich es vor, einen halben glitschigen Pfirsich mit dem Teelöffel zu essen – genug Herausforderung für mich. Machen Sie morgen doch mal einen Nachtisch. Schönes Wochenende!
