„Painted“

Zum ersten Mal nach sieben Jahren: Hildesheimer Tanzschule Ars Saltandi bringt neues Stück auf die Bühne

Hildesheim - Es wird bunt, rhythmisch, und geht hoch hinaus: Das neue Stück „Painted“ der Hildesheimer Tanzschule Ars Saltandi vereint Contemporary, Modern Dance und Akrobatik.

Beim zweiten Versuch klappt es: Khira Scharf schafft den Spagat in schwindelerregender Höhe. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Während im Hintergrund eine Männerstimme von Gefühlen spricht, melodisch, den Beat vorgebend, müssen die zwei Tänzergruppen sich konzentrieren. Der erste Teil, der ist geschafft: Zwei Tänzerinnen stehen auf den Schultern der männlichen Teamkollegen. Noch ein, zwei Schritte mehr Abstand braucht es zwischen ihnen, dann sollte es passen. „Achtung mit den Lampen!“, ruft jemand. Klar, die hängen da ja auch noch.

Für Khira Scharf heißt es: Einmal tief durchatmen. „Du kommst nicht gegen die Decke“, meint eine Teamkollegin zuversichtlich, die anderen nicken zustimmend. Khira klettert empor, geht in den Spagat – und muss abbrechen. „Die Abstände stimmen noch nicht“, sagt Lunis Katholnigg, Mit-Choreografin des Stücks. Ein zweiter Versuch, für einen kurzen Augenblick halten alle in der Trainingshalle den Atem an. Und dann thront Khira über den anderen, im Spagat, ihr Körper durch und durch angespannt. „Und jetzt noch lächeln!“, ruft Ars Saltandi-Chefin Katrin Katholnigg.

Die Farben des Lebens – vertanzt

„Painted“ heißt das neue abendfüllende Stück der Tanzschule. Painted, also angemalt, sollen auch die Tänzer und Tänzerinnen auf der Bühne werden. Von Gefühlen, die unterschiedliche Farben annehmen, inszeniert durch eine Mischung aus Contemporary, Modern Dance und tanzakrobatischen Elementen. „Es geht um die Farben des Lebens – und wie man damit umgeht“, erzählt Katholnigg, die das Stück entwickelt hat. „Ich habe Situationen, da denke ich im Nachhinein: Da hätte ich den Pinsel selbst in die Hand nehmen müssen.“

Prägen einen die äußeren Einflüsse, oder prägt man sich selbst? Es sind Fragen, die das Team um Katholnigg bei einer Trainingsfreizeit in Rotenburg Menschen im Alter von 10 bis 60 Jahren in Interviews gestellt hat. Daraus entstanden sind Videosequenzen von Menschen, die über das Leben sprechen. Darüber, was ihnen wichtig ist, wovor sie sich fürchten. Und was sie rückblickend vielleicht gerne anders gemacht hätten.

Beatlastige Sounds

Musikalisch setzt Katholnigg in ihrem Stück auf rein instrumentale Stücke, auf beatlastige Sounds im Wechsel mit symphonischen Passagen, die die Zuschauer und Zuschauerinnen auf eine „Gefühlsreise mitnehmen“ sollen, wie sie sagt. Gesprochen wird auch: Liv Kauffmann hat die emotionalen Texte geschrieben, die Maurin Katholnigg vorliest. Er ist der Sohn der Tanzschulleiterin.

Lunis dagegen, ihre 19-jährige Tochter, hat an der Choreografie des Stücks gearbeitet, gemeinsam mit ihrer Mutter und Pia Brandt. Das Ende des Stücks, die finale Choreographie, hat sie sich ausgedacht, als sie auf einen Zug am Bahnhof gewartet hat. Den Überblick behalten und selbst tanzen, wie klappt das? „Schwierig“, sagt Lunis, von der Probe noch ganz außer Atem, und lacht. „Es ist zum Beispiel schwer, auf die Synchronität zu achten und gleichzeitig mitzumachen.“

Ein Familienprojekt? Nicht nur

Mutter, Sohn und Tochter an einem gemeinsamen Stück beteiligt – ein Familienprojekt? Katrin Katholnigg winkt ab. „Es ist immer ein schönes Gemeinschaftsprojekt bei uns, aber mit allen.“ Die Tanzgruppe aus 16- bis 20-Jährigen entwickelt selber Konzepte, braucht von der Leiterin manchmal nur einen kleinen Schubser. „So viele Ideen, wie hier entstehen – die könnte ich in meinem Kopf alleine gar nicht alle entwickeln.“

Als die drei Tänzerinnen bei der Probe wieder den Boden erreichen, machen ihre Füße beim Aufprall solch dumpfe Laute, dass einem schon beim Zuhören die eigene Achillessehne schmerzt. Auf den Mienen der Tänzerinnen sieht man aber: Da tut nichts weh. Zum Glück, denn Verletzte kann sich die Tanzgruppe nicht leisten. Die Freude über die erste abendfüllende Vorstellung sei zwar groß, wie Katrin Katholnigg sagt, aber: „Corona stellt uns auch viele Beine.“ Keine einzige Probe sei bisher in vollzähliger Besetzung gelaufen, eine Requisite fehle noch, weil ein Mitarbeiter der Tanzschule erkrankt sei. „Es bleibt spannend, bis zum Schluss“, sagt Katholnigg.


„Painted“ ist am Samstag, 9. Juli, um 20 Uhr im Audimax zu sehen. Karten gibt es online.

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