Heimspiel

Zurück nach Hildesheim: Ex-„The Voice“-Teilnehmer Friedemann Petter über die Gnadenlosigkeit der Casting-Shows und sein Leben als Profi

Hildesheim - Für Friedemann Petter endete 2016 das Abenteuer bei Deutschlands großer Gesang-Castingshow im Halbfinale. Heute rockt er mit der A-cappella-Band Alte Bekannte die großen Bühnen. Am 8. März in Hildesheim.

Friedemann Petter, hier flankiert von Björn Sterzenbach und Clemens Schmuck, gibt auf der Bühne Gas – am 8. März im Hildesheimer Audimax. Foto: Alte Bekannte

Hildesheim - Ende 2016 ließ Friedemann Petters Stimme deutschlandweit aufhorchen: Der damals 27-jährige Hildesheimer kam weit bei „The Voice of Germany“ – bis er im Halbfinale ausschied. Seinen Traum hat er sich trotzdem erfüllt. Am Freitag, 8. März, kommt er mit der Band Alte Bekannte, den Nachfolgern der Wise Guys, ins Audimax.

„Es ist der Traum eines jeden Sängers, von der Musik leben zu können.“ Kommt Ihnen dieser Satz bekannt vor?

Absolut, ja.

Woher?

Das ist tatsächlich in aller Munde. Alle, die so etwas studieren, wollen in der Regel auch auf der Bühne stehen und von dem, was sie lieben, auch leben können.

Sie haben es selbst gesagt – zu einer HAZ-Kollegin, nachdem sie bei „The Voice of Germany“ ausgeschieden sind.

Ach, das war ich selbst? Das würde ich nach wie vor so unterschreiben.

Wie beurteilen Sie im Rückblick die Teilnahme an „The Voice“?

Das war auf jeden Fall eine superspannende Zeit. Ich habe sehr viel über das Business gelernt. Auch im Nachhinein bin ich tatsächlich stolz auf mich, dass ich mich getraut und das gemacht habe – obwohl ich ja noch gar nicht lange davor begonnen hatte, mit Gesang auf der Bühne zu stehen. Nach gefühlt anderthalb Jahren Studium bin ich auf diese gnadenlose Voice-Bühne gegangen. Aber ist wollte es einfach wissen, es war für mich die Probe: Passt das zu mir, mag ich das wirklich?

Und?

„The Voice“ ist ja der absolute Superlativ zu allem: Man steht da vor einem Publikum mit hoch angesehen Leuten vor und auf der Bühne. Das Ganze wird aufgezeichnet. In den ersten Runden hat man 90 Sekunden Zeit, sich komplett zu beweisen. Viel zugespitzter und aufgestylter geht so eine Situation gar nicht. Und ich fand es total cool, hinterher zu wissen: Das macht total Bock, auf einer Bühne zu stehen, etwas vorbereitet zu haben und das abzuliefern.

Damals sagte eine Medienpädagogin, dass Castingshows immer mit einer Kränkung einhergehen und auch Narben hinterlassen. Können Sie das bestätigen?

Narben würde ich nicht sagen. Aber so ein paar Lektionen.

Nämlich?

Bei einer Casting-Show wird ja viel drumherum erzählt. Die tun ganz viel dafür, um Profile für alle Teilnehmenden zu schaffen. Wie das im Fernsehen erzählt wurde, war mir im Nachhinein unangenehm. Außerhalb von meinen Bühnenauftritten hätte ich mich anders präsentieren wollen. Das ist auch die größte Lektion, die ich dabei gelernt habe: Wenn ich noch einmal auf so große Bühnen gehe, möchte ich selber entscheiden, als was ich dargestellt werde.

Wie ging es danach für Sie weiter?

Die große Maschinerie von Universal, die „The Voice“ betreibt, lässt einen natürlich sofort fallen. Aber für mich war es trotzdem ein totaler Gewinn. Ich habe versucht, vom Singen zu leben, und das war vorher deutlich schwieriger. Das Halbfinale von „The Voice“ kommt einfach gut im Lebenslauf. Ich konnte meine Gagen ein bisschen aufstocken und ein bisschen besser aussuchen, welche Konzerte ich mache.

Parallel haben Sie noch studiert?

Nein. Das Gesangs-Studium hat mir ein bisschen den Spaß am Singen verdorben. Es nahm eher Zeit weg von dem, was ich gerne mache. Und dann war ausgerechnet meine Mutter diejenige, die gesagt hat: Um auf Bühnen stehen zu wollen, muss man kein Gesangsstudium haben. Sie hat mir den Mut zugesprochen, das Studium abzubrechen. Und seitdem hat mich auch noch nie einer nach dem Abschluss gefragt. Ich hatte dann verschiedene A-cappella-Bands. Wegen der Hörbänd bin ich noch einmal nach Hannover gezogen. Das war eine Band, die zumindest in Hannover und Umgebung ziemlich etabliert war; wir hatten 50 bis 60 Auftritte im Jahr.

Wie sind Sie dann zur Gruppe Alte Bekannte gestoßen?

Als sich die Hörbänd auflöste, hat mich fast zeitgleich der Bassist von Alte Bekannte angerufen, ob ich nicht Lust hätte, bei denen einzusteigen. Und jetzt habe ich tatsächlich diesen Status: Ich kann vom Singen allein leben!

Sie sind der Jüngste in der Gruppe. Werden Sie von den anderen gut akzeptiert?

Das spielt überhaupt keine Rolle. Wenn man zusammen Musik macht, ist es völlig egal, wie groß der Altersunterschied ist. Wir passen vor allem musikalisch, aber auch menschlich super-gut zusammen.

Erzählen Sie doch mal, wie eine Band funktioniert, deren Mitglieder über halb Deutschland verteilt leben.

Wir kriegen das ganz gut hin. Wir haben kreative Blöcke für Proben, Studioarbeit und auch, wenn wir Songs schreiben. Im Moment machen wir gerade bei Ingo Aufnahmen für eine neue CD, dafür fahren wir alle in die Eifel. Die übrige Probenarbeit findet quasi auf Tour statt. Mit 80, 90 Konzerten pro Jahr sehen wir uns ja trotzdem sehr viel.

Sie selber leben in Göttingen. Warum das?

Ich bin wegen meiner Freundin hierher gezogen. Die hat hier Forst studiert und auch ein Revier in der Nähe. Tatsächlich ist Göttingen reisetechnisch super-praktisch, weil es genau in der Mitte von Deutschland liegt.

Und es ist auch nicht weit von ihrer Heimatstadt entfernt. Kommen Sie noch häufiger her?

Vielleicht einmal im Monat. Meine Eltern haben sich neulich einen Hund gekauft, und wir haben auch einen. Auch für die beiden Hunde ist es schön – ein kleines Familientreffen mit Fellkindern.

Wie fühlt es sich an, jetzt mit den Alten Bekannten zu einem Heimspiel ins Audimax zu kommen?

Das weiß ich noch gar nicht. Wir hatten schon einmal einen Auftritt in Hannover. Normalerweise bin ich nicht mehr aufgeregt, aber in Hannover war ich das plötzlich. Ich glaube, dass mir das in Hildesheim auch so gehen wird. Da sind natürlich viele Leute, die man ewig nicht gesehen hat. Auch Leute, die einen dazu gebracht haben, Musik zu machen. Nicht nur meine Eltern, sondern vielleicht auch irgendwelche alten Musiklehrer aus der Schule. Das ist schon anders, als wenn man vor einem anonymen Publikum steht.

Das Motto Ihrer Tour ist „Nix geht über Live!“ Empfinden Sie das auch persönlich so?

Unbedingt. Gerade nach der Pandemie merkt man, dass es alles nur Sinn hat, wenn man das mit Leuten teilt. Es klingt immer so abgedroschen, aber es ist tatsächlich ein Geben und Nehmen. Wenn der Applaus kommt, ist das wie ein Extra-Lohn.

80 bis 90 Konzerte im Jahr, das klingt aber auch ganz schön anstrengend.

Ist es auch. Man sagt ja immer: Die Seele reist nur 30 km/h. Nach einem Tourwochenende merkt man schon, dass es auch körperlich anstrengend ist. Nicht nur wegen der Auftritte, sondern vor allem wegen der Reisen.

Was tun Sie zum Ausgleich?

Sport. Im Prinzip alles, was fit hält. Im Sommer bin ich ein totaler Wassersport-Fan. In Hildesheim habe ich ja schon Kanu-Kurse gegeben. Ich mag alles, was mit Surfen oder Kanus zu tun hat, fahre viel Fahrrad und gehe im Winter ins Fitness-Studio – damit ich auch weiterhin auf Bühnen ein Tenor bin, obwohl ich eigentlich keiner bin.

Hängt das mit der Fitness zusammen?

Absolut, ja. Im Grunde habe ich einen Kehlkopf für einen Bassbariton, aber mit körperlicher Fitness komme ich auch in Tenor-Lagen. Wenn die Luft besser beschleunigt wird, schwingen auch die Stimmbänder höher. Das erfordert einfach eine gute Lunge und ein gutes Herz. Man merkt tatsächlich einen Riesenunterschied, ob man fit ist oder nicht.


Zur Person

Die Liebe zur Musik wurde Friedemann Petter quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war lange Zeit Leiter der Hildesheimer Musikschule, seine Mutter ist Geigenlehrerin. Petter ist in Hildesheim aufgewachsen, hat 2008 am Andreanum das Abitur gemacht. Er hat zunächst Klavier und Sport auf Lehramt studiert, anschließend Gesang, jeweils ohne Abschluss. Ende 2016 bewarb er sich erfolgreich bei „The Voice of Germnay“, wo er im Team von Yvonne Catterfeld bis ins Halbfinale kam. Seitdem ist er Profimusiker. Kurz vor dem Beginn der Corona-Pandemie stieg der 34-Jährige als Baritenor bei Alte Bekannte ein und singt somit die zweite Stimme von oben in der A-cappella-Band.

Hier gibt es Karten

Für das Konzert von Alte Bekannte am Freitag, 8. März, um 20 Uhr im Audimax gibt es noch Karten – online und bei den üblichen Vorverkaufsstellen.

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