Hildesheim - Dass Wissenschaft nicht nur Erkenntnisse, sondern auch bare Münze bringen kann, will die Universität Hildesheim mit ihrer Gründerwoche schon seit sechs Jahren beweisen. Erstmals aber gibt es dafür eine eigene Firma: die neugegründete Kompetenzwerkstatt für Entrepreneurship und Transfer, kurz KET. Am 16. November geben die Macher der Woche einen Einblick für alle, die sich auf ein Startup einlassen wollen.
Damit das kein Abenteuer, sondern ein erfolgreiches Unternehmen werden kann, richten Nina Fiebig und Daniel Spörr derzeit parallel das neue Domizil für die Uni-Gründerwerkstatt in der Schützenallee 41B ein. Noch sind in den Büro- und Kreativräumen die Handwerker im Einsatz, doch sobald die Einrichtung in dem Gewerbekomplex steht, können sich hier Hochschulangehörige der Uni kostenlos einmieten, um aus akademischer Forschung ein wirtschaftliches Projekt zu machen.
App für die Digitalisierung von Firmen
„Wie oft segnen Professoren Abschlussarbeiten ihrer Studierenden mit guten Noten ab und verabschieden sich dann?“, fragt die Sozialwissenschaftlerin Fiebig, die sich im Verlauf ihres Studiums mit dem Wissenschaftstransfer befasst hat, also mit der Frage, wie Hochschulergebnisse aus der Forschung fruchtbar werden können.
Ein Beispiel für ein Projekt ist das frische Startup Youco, bei dem ein junges Team von App-Entwicklern Unternehmen unterstützen wollen, die eigene Digitalisierung voranzubringen. „Die sitzen im Technologiezentrum“, sagt Fiebig. Aber das Startup wäre für das neue KET-Zentrum eine Idealbesetzung.
Bund fördert Hildesheimer Initiative
Impulsgeber für die Iniative ist Professor Dr. Athanassios Pitsoulis vom Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik. Er hat auch den Antrag beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erfolgreich auf den Weg gebracht, um die Finanzierung für die nächsten Jahre zu sichern.
„Wir wollen erreichen, dass die jungen, klugen Köpfe in der Region bleiben“, sagt der 36-jährige Spörr, der schon mit seiner Abschlussarbeit an der Uni den Grundstein für ein weiteres Projekt vorgelegt hat: „Entscheidungspräferenzen von Gästen bei der Hotelsauswahl“. Gelernt hat Spörr Hotelfachmann, dann hat er BWL studiert und ist nun im KET-Team der Uni Hildesheim.
Junge Leute ziehen weg
Erst Anfang Oktober habe das Deutsche Institut für Wirtschaft in einer Studie zum Standort Hildesheim kritisiert, dass hier junge Menschen nach dem Studium wegziehen: „Deren Potenzial geht der Wirtschaftsregion Hildesheim verloren.“
Das KET-Team sieht sich nun neben Technologiezentrum, der HAWK mit eigenen Professuren für Unternehmensgründungen und der Startup-Factory Orangery als vierten Baustein für Unternehmensgründungen. „Wir konzentrieren uns vor allem auf die Uni, sind aber offen für alle anderen“, sagt Fiebig. Zum Team gehören auch Beraterinnen, die neben den Vorgesprächen auch weiterhelfen, um ein Startup zu gründen. „Wir arbeiten zum Beispiel eng mit der Hi-Reg zusammen“, sagt Fiebig.
Infos zur Gründerwoche
Die Gründerwoche bietet von Montag bis Freitag täglich Online-Vorträge, Diskussionen und Beiträge rund um das Thema. Dabei werden Erfolgsstrategien ebenso vorgestellt wie das Thema Businessplan, Buchhaltung, Unternehmensgründung als Nebenerwerb und die Finanzierung. Auch Schülerfirmen sind angesprochen. Das komplette Programm samt Anmeldung findet sich auf www.uni-hildesheim.de/geweek.
Im Blick haben die KET-Macher und -Macherinnen auch Lehramtsstudenten, für die das Thema Schule vielleicht doch nicht das Richtige ist und vor allem die Kulturwissenschaftler. „Diese Branche braucht gerade in Corona-Zeiten Unterstützung“, ist Fiebig überzeugt.
