Delmenhorst/Hildesheim - Was wäre wohl gewesen, wenn Louis Malina in der 53. Minute im Oberliga-Spitzenspiel zwischen dem SV Atlas Delmenhorst und dem VfV Borussia 06 Hildesheim den ersten von zwei Elfmetern für den VfV 06 verwandelt hätte? „Ich glaube, wenn der Elfmeter reingeht, dann wird es ein ganz anderes Spiel und das Momentum ist auf unserer Seite, da bin ich mir ganz sicher“, sagte Hildesheims Trainer Ridha Kitar später. Es wurde aber kein anderes Spiel, denn der VfV-06-Stürmer scheiterte mit einem schwach geschossenen Strafstoß an Atlas-Keeper Damian Schobert.
Weil der Tabellenführer stattdessen wenig später auf 2:0 und 3:0 erhöhte, schien das Topspiel nach 75 Minuten vorentschieden. Als dann auch noch der eingewechselte VfV-06-Stürmer Mahdi Biso einen Elfmeter vergab, dürfte allen, die es mit den Hildesheimern hielten, klar gewesen sein: Das wird hier heute nichts mehr. Und so verlor der VfV 06 Hildesheim das Spitzenspiel beim SV Atlas Delmenhorst vor 1604 Zuschauern deutlich mit 3:0 (1:0). Kitar ergänzte später: „Das 3:0 ist zu hoch, das haben wir nicht verdient, aber das ist nun mal Fußball.“ Für den Trainer der Borussen war Atlas nicht unbedingt viel stärker, aber der Tabellenführer habe es „mit Mentalität und einfachen langen Bällen gut gemacht“, ergänzte Kitar.
Atlas ist griffiger
Zumindest in den ersten 45 Minuten waren die Hausherren einfach präsenter und griffiger, das sah auch Kitar so: „Wir kommen nicht gut in die Partie.“ In der chancenarmen ersten Halbzeit klatschte nach zehn Minuten ein Kopfball eines Atlas-Akteurs nach einer Ecke noch an den Pfosten. Es war der erste Höhepunkt der Partie. Wenig später traf Lukas Bauer per Lupfer zum 1:0. Vorausgegangen waren zwei lange Bälle, die die Hildesheimer nicht energisch genug verteidigten. Kitar hatte ein Déjà-vu, hatten die Borussen auch in Verden ein solches Gegentor kassiert. Die VfV-06-Offensive blieb in Durchgang eins weitestgehend blass.
Nach dem Seitenwechsel stellte Kitar um. Der quirlige Karsan Doski kam nun aus dem Zentrum zu einigen Aktionen. So auch, als er in der 52. Minute im Strafraum zu Fall gebracht wurde und Malina die Chance hatte, auf 1:1 zu stellen. Der Angreifer scheiterte bekanntlich – bei den Hildesheimern schien das etwas auszulösen. Kitar bemängelte später: „Mir hat etwas das Aufbäumen gefehlt.“
Dann verschießt auch noch Biso
In einer unübersichtlichen Situation unterlief Tim Friedrich, ebenfalls eingewechselt, im Zweikampf mit Lukas Bauer ein Eigentor zum 2:0 für Atlas. Der eingewechselte Steffen Rohwedder nutzte eine weitere Unachtsamkeit der Borussen-Defensive sogar zum 3:0. Es sollte die Vorentscheidung sein, ehe auch Biso aus elf Metern vergab. Der Stürmer war zuvor selbst zu Fall gebracht worden, bei seinem Schussversuch vom Elfmeterpunkt dann weggerutscht.
So schlichen die Hildesheimer nach etwas mehr als 90 Minuten tor- und punktlos vom Platz. Die Hausherren feierten dagegen ausgelassen mit ihren Fans. Die skandierten erst „Spitzenreiter“, kurz darauf auch „Aufsteiger“.
Die Chancen sind aber immer noch da
Statt Tabellenführer Atlas näher auf die Pelle zu rücken, vergrößerte sich der VfV-06-Rückstand zum Spitzenreiter erst mal wieder auf zehn Punkte, zudem ging es in der Tabelle runter auf Platz sechs. Bei weiterhin drei ausstehenden Nachholspielen sind die Chancen aber immer noch da. Allerdings ist Platz eins nicht mehr aus eigener Kraft zu erreichen. VfV-06-Cheftrainer Kitar wollte davon aber im Moment der Niederlage nichts wissen. „Wir müssen das Ding jetzt schnell abhaken und uns auf Heeslingen fokussieren“, sagte er.

