Nach Nestraub

Familie aus Farmsen findet verlassenes Entenei im Garten – und Henne Hummel brütet es aus

Farmsen - Im Landkreis Hildesheim zieht ein Zwergseidenhuhn eine Stockente groß: Die Eltern hatten das Ei zurückgelassen, nachdem das Nest geplündert wurde.

Farmsen - Als Isabell Mrozek und ihre Familie Mitte Juni im Garten klar Schiff machten, trauten sie ihren Augen nicht: Bei Arbeiten am Gartenteich entdeckten sie gut versteckt im Schilf ein Nest mit neun Eiern. „Wir hatten schon oft gesehen, dass eine Ente und ein Erpel hier gelandet und im Teich geschwommen sind, doch das Nest war für uns eine Überraschung“, erzählt die Grundschullehrerin aus Farmsen.

Das Nest war für uns eine Überraschung

Isabell Mrozek

Voller Vorfreude auf eine kleine Entenfamilie beobachtete Mrozek seither aus sicherer Entfernung das Pärchen, das durch die Menschen im Garten wenig beeindruckt schien. Doch dann wurde es plötzlich ruhig um den Teich. Von Ente und Erpel keine Spur mehr. Mrozek wurde misstrauisch und machte schließlich eine traurige Entdeckung: Fünf Eier fehlten komplett, drei weitere waren geknackt worden. Lediglich ein Entenei lag noch unversehrt in dem Nest. „Das war vermutlich ein Waschbär. Mader verspeisen ihre Beute eher vor Ort, anstatt sie wegzuschleppen“, sagt Mrozek.

14 Tage bangen

Wohlwissend, dass auch dieses Küken verloren ist, wenn das Ei nicht weiter ausgebrütet wird, entschied Mrozek sich, das Ei der Henne Hummel anzuvertrauen. Die zweijährige Henne ist eine von insgesamt acht Zwergseidenhühnern, die zusammen mit einem Blausperber und zwei Laufenten in einem Stall direkt am Haus leben. Während sich die Laufenten nicht wirklich um das Ei scherten, hockten sich auch die anderen Hennen immer mal wieder auf das Ei und so trennte Mrozek Ei und Ziehmutter schließlich vom Rest der Gruppe, um Streitereien vorzubeugen.

Das kleine Küken war total platt, nachdem es sich aus dem Ei befreit hatte

Isabell Mrozek

Dennoch hatte Mrozek zwischendurch schon die Hoffnung aufgegeben, da sie beim Durchleuchten keine Bewegung im Ei erkennen konnte. Nach zwei Wochen Bangen war es dann aber so weit: Pünktlich zum Start der Ferien schlüpfte eine kleine Stockente unversehrt aus dem Ei. „Das kleine Küken war total platt, nachdem es sich aus dem Ei befreit hatte“, erinnert sich Mrozek zurück und ergänzt: „Enteneier haben eine härtere Schale, als Hühnereier.“

Küken Flip erkundet Gehege

Und so flitzt beim Besuch der HAZ am Montag ein nicht mal fünf Tage altes Entlein durch das Gehege. Das quirlige Tier ist kaum zu halten und pickt neugierig an allem rum, was ihm vor den Schnabel kommt. Von Angst oder Erschöpfung ist keine Spur. Und auch, wenn es im Gehege sicher ist, hat Hummel das muntere Küken stets im Blick. Lediglich beim Schwimmen bleibt die Henne lieber am Beckenrand stehen, während der Junior in einer Plastikmuschel voll Wasser seine Runden dreht.

„Am Anfang hat Hummel noch nach mir gehackt, wenn ich dem Küken zu nah kam. Mittlerweile ist sie aber entspannter und ich kann Flip ohne attackiert zu werden hochnehmen“, sagt Mrozek, während sie das Küken wieder über den Rand der Wanne und zurück auf die Wiese setzt. Dennoch sind die anderen Hennen von Flip – so nennt Mrozek das Küken – und Adoptivmutter Hummel durch einen Zaun getrennt.

Wird die Ente ausgewildert?

Sobald das Küken sieben Wochen alt ist, will Mrozek eine Zusammenführung wagen. „Das wird dann für beide spannend, denn Hummel war ja auch mehrere Wochen von den anderen getrennt“, erklärt Mrozek und fährt fort, „Jede Veränderung hat Einfluss auf die Rangordnung in der Gruppe.“

Flip ist die Gefahren der Natur nicht gewöhnt und daher in der freien Wildbahn eine leichte Beute

Isabell Mrozek

Und wie geht es dann weiter? Das weiß Mrozek auch noch nicht so genau. „Irgendwann wird Flip einen Flugdrang entwickeln“, prognostiziert die 27-Jährige. Sie ist aber unsicher, ob die junge Stockente in der Natur überleben würde und überlegt daher, die Flugfedern zu stutzen. „Das tut nicht weh, aber durch das Gehege ist Flip die Gefahren der Natur nicht gewöhnt und daher in der freien Wildbahn eine leichte Beute.“ Mrozek spielt deshalb mit dem Gedanken, das Wildtier zu behalten.

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