Hildesheim - Fünf Mitarbeiter der Firma Ginkgo haben am Montagmorgen eine rund 100 Jahre alte Rosskastanie an der Nordwest-Ecke des Theatervorplatzes in Hildesheim gefällt. Wie berichtet, hatte zuvor ein Baumgutachten ergeben, dass der etwa 22 Meter hohe Baum gefällt werden muss; Fäulnis hatte seinen Stamm von innen heraus ausgehöhlt, die Krone war bereits in Begriff abzusterben.
An die Stelle des alten Baumes soll ein neuer gepflanzt werden. Die gbg ist als Eigentümerin der Empfehlung von Landschaftsarchitekt Uwe Michel gefolgt und will Anfang Dezember eine Brabanter Silberlinde nachpflanzen lassen. Ein Großbaum, der laut Michel, stadtklimafest ist und mit dem Standort auch dauerhaft gut klar kommen sollte. Wenn die Silberlinde geliefert wird, soll sie bereits eine Höhe von sechs bis sieben Metern haben.
Mit dem Hubsteiger zur Baumkrone hoch
Am Montag ist es kurz vor 8 Uhr, als Manuel Barazutti und seine Kollegen die Baumfällung auf dem Theatervorplatz vorbereiten. Von einem Lastwagen laden die Männer einen großen Container auf dem Pflaster ab. Darin soll später das Holz abtransportiert werden. Für die mittleren und kleineren Äste stellen die Arbeiter einen Häcksler und einen Anhänger auf. „Wir werden die ganze Krone in den Anhänger schreddern“, berichtet Barazutti, der die Baumfällarbeiten anleitet. Bevor es aber an den Baum geht, zersägt der Baumpfleger mit der Kettensäge die Eiben, die um den Stamm der Kastanie herumgewachsen sind.
Eine gute halbe Stunde später ist von den Nadelsträuchern kaum mehr etwas zu sehen, als zwei kahle Stämme. Den Rest der immergrünen Gewächse hat der Häcksler geschluckt und in einem Wahnsinnstempo als kleine Holzstückchen in den Hänger gespuckt. Gegen 8.50 Uhr betritt Barazutti dann die Arbeitsbühne des Hubsteigers. Eine Kettensäge in der Hand, beginnt er mit den unteren Ästen. Ast für Ast arbeitet er sich von unten den Baum hinauf bis zum obersten Rand der Krone. Dickere Äste zerteilt er mit der Säge in mehrere Stücke, bevor er sie gezielt nach unten schmeißt. Kleineres Geäst lässt er im Ganzen fallen. Sein Team am Boden zieht die Äste weg und stopft sie in den Häcksler.
Nach zwei Stunden Vorarbeit, geht es plötzlich ganz schnell
Um 10 Uhr sind schließlich alle Äste von der Kastanie getrennt, vom Baum steht nur noch der Stamm da, seine gesamte Krone ist so gut wie zerhäckselt und passt mittlerweile in den kleinen Hänger. Barazutti befestigt ein Seil am längeren Arm des Baumzwiesels, also jener Stelle, wo sich der Stamm in zwei Baumarme aufteilt.
Das andere des Seils Ende knotet er zum Palstek und hängt es an die Anhängerkupplung des Radladers. Dann sägt einer seiner Mitarbeiter eine große Kerbe in den Stamm und setzt auch von der anderen Seite noch einen Schnitt, ehe Barazutti ein Zeichen gibt und sich der Radlader in Bewegung setzt. Es knarzt, als sich der Kastanientorso langsam nach vorne neigt, im nächsten Moment stürzt er schon zu Boden und schlägt unten mit einem lauten Knall der Länge nach auf.
Gut 100 Jahre hat es den Baum gekostet, seine endgültige Höhe zu erreichen, etwa zweieinhalb Stunden haben Barazutti und sein Team gebraucht, ihn zu fällen. „Jetzt fräsen wir noch den Stumpen aus, und dann ist es erledigt.“


