Nordstemmen - Nach dem Corona-Ausbruch in der Seniorenresidenz Nordstemmen sind innerhalb von zwei Wochen 15 Bewohner an oder mit einer Infektion gestorben. Das hat das Gesundheitsamt des Landkreises Hildesheim am Dienstag auf HAZ-Nachfrage erklärt. Eine Differenzierung, ob die einzelnen Personen infolge der Covid-19-Erkrankung gestorben sind oder ob diese nicht das auslösende Moment war, nimmt die Behörde nicht vor. Die Einrichtung selbst hatte die Entwicklung deutlich positiver dargestellt – und erklärt das im Nachhinein mit Zuständigkeitsfragen.
„An“ oder „mit“ Corona?
Im Landkreis liegt der Anteil der tatsächlichen Corona-Toten unter allen, die zum Zeitpunkt ihres Todes infiziert waren, allerdings insgesamt bei gut 70 Prozent. So führt das Landesgesundheitsamt in seiner Statistik aktuell 117 Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus an. Das Gesundheitsamt des Landkreises, das auf die Differenzierung Wert legt, zählt bislang tatsächliche 84 Corona-Tote seit März vergangenen Jahres. Davon starben allein 22 in den ersten zwölf Tagen dieses Jahres.
Das spricht dafür, dass die meisten Betroffenen aus dem Nordstemmer Heim tatsächlich durch die Corona-Infektion infolge des großen Ausbruchs – seit Ende vergangenen Jahres hatten sich 65 von 91 Bewohnern sowie 29 Mitarbeiter infiziert – gestorben sind. Fünf weitere Bewohner kamen mit schweren Covid-Symptomen ins Krankenhaus, einige sind dort nach wie vor. Auch mehrere Mitarbeiter durchleiden offenbar schwere Verläufe der Krankheit.
Angst ums Image?
Um die Situation in dem Nordstemmer Heim hatte es zu Beginn der Woche erhebliche Irritationen gegeben. So hatten die Verantwortlichen auf HAZ-Nachfrage erklärt, es seien zwar Bewohner ins Krankenhaus gekommen, aber das müsse ja nicht immer im Zusammenhang mit dem Coronavirus stehen. Von Todesfällen hatten sie nichts berichtet und die Frage, ob der Ausbruch bislang glimpflich abgelaufen sei, bejaht.
Der entsprechende HAZ-Bericht löste prompt Widerspruch aus. Nicht jeder mit der Situation befasste Verantwortliche aus verschiedenen Bereichen möchte sich offiziell äußern. Ein Vorwurf, der erhoben wird: Die Senioren-Residenz habe die Dramatik der Situation verharmlost, weil sie um ihr Image fürchtete.
Heim weist Vorwurf zurück
Das wiederum wies eine Verantwortliche der Senioren-Residenz am Dienstag auf eine erneute HAZ-Anfrage hin entschieden zurück. Das Heim habe über Todesfälle schon deshalb keine Auskunft gegeben, weil es dazu gar nicht befugt sei. Dies sei Sache des Kreis-Gesundheitsamtes. Im Übrigen wisse man im Einzelfall gar nicht, ob – und wenn ja, wie viele –Bewohner durch die Corona-Infektion gestorben seien. Auf keinen Fall habe man etwas „verschleiern“ wollen.
Andererseits hatten die beiden von schweren Ausbrüchen betroffenen Sarstedter Altenheime St. Nicolai und Sonnenkamp im November wiederholt sehr transparent über schwere Verläufe und Todesfälle unter ihren Bewohnern berichtet – ohne dass sich das Gesundheitsamt daran gestört hätte.
