Lichtkunst-Festival

20 Mal staunen an 15 Orten: Das ist das komplette Programm der EVI Lichtungen in Hildesheim

Hildesheim - Zum fünften Mal wollen die EVI Lichtungen die Hildesheimer verzaubern. Seit Mittwoch steht das komplette Programm fest. Die HAZ gibt Tipps für einen Rundgang.

Sieben Meter Durchmesser hat die leuchtende Nachbildung des Mondes, die Luke Jerram in die Hildesheimer Andreaskirche hängen wird. Foto: James Billings

Hildesheim - Die EVI Lichtungen haben die Katze aus dem Sack gelassen: Seit Mittwoch steht das komplette Programm für Ende Januar fest. Die fünfte Ausgabe des Hildesheimer Festivals bietet vom 25. bis 28. Januar insgesamt 20 Performances und Installationen an 15 Orten. Internationale wie regionale Lichtkünstler und Lichtkünstlerinnen erschaffen außergewöhnliche Eindrücke für die Sinne – an vertrauten und wenig bekannten Orten in der Stadt.

„Spektrum – Der Raum zwischen Hell und Dunkel“ ist diesmal das Motto. Und die Bandbreite ist enorm. Schon was die Orte angeht, die von der profanen Rückwand eines Parkhauses über Parks bis hin zum Schloss Derneburg reichen. Bei der Technik kommen Hightech-Lösungen ebenso zum Einsatz wie altmodische Overheadprojektoren. Und das alles ist, wie bei den vier vorangegangenen Ausgaben, wieder kostenlos.

Startpunkt am Marktplatz

Der ideale Startpunkt, so die Veranstalter, wird der Marktplatz sein. Hier steht ein Info-Container, wo es vom ersten Veranstaltungstag an eine 48-seitige Broschüre gibt, die einen Überblick über alle Angebote bietet. Nebenan, auf dem Platz An der Lilie, wartet schon der leuchtende Turm aus alten Küchengeräte, den Bahzad Sulaiman aufbaut.

Von dort aus könnte es weitergehen zu einem Ort, den wohl die wenigsten Menschen kennen: Über einen Innenhof an der Straße Am Rosenhagen gelangt man zur Rückseite des Kaufhof-Parkhauses. Auf 70 Metern Länge und über fünf große Projektionsflächen setzt der südafrikanische Künstler William Kentridge eine filmische Prozession in Gang. „Ich habe die Arbeit schon zweimal gesehen, das ist sehr faszinierend“, verspricht Kurator und Projektleiter Klaus Wilhelm von Hildesheim Marketing.

Von hier aus ist es nicht allzu weit zum Marienfriedhof. Zwischen den Bäumen erweckt der Italiener Quayola auf einer Leinwand digitale Gemälde zum Leben. Wenige Schritte weiter, am Hauptbahnhof, holt die niederländische Kreativagentur Apvis das Innenleben des Amtes für regionale Landesentwicklung nach draußen auf die große Fassade. Und die SEHI hat das Kollektiv Tentakulum eingeladen, das Pflaster am Angoulêmeplatz mit Projektionen vom Puls-Dach herab in ein waberndes Feuchtbiotop zu verwandeln.

Wasser ist auch das Thema in der St. Bernward-Kirche. Die Portugiesin Sofia Crespo und der Norweger Feileacan Kirkbride Mc Cormick füttern – in Kooperation mit dem Bereich Smart City Strategie der Stadt Hildesheim – eine künstliche Intelligenz mit Unterwasserbildern. Die KI generiert daraus bewegte Bilder, die auf eine fünf mal acht Meter große, hoch auflösende LED-Wand übertragen werden.

Ein bewährter Spielort der Lichtungen befindet sich gleich in der Nähe: Die Glashalle der Sparkasse an der Speicherstraße. Boris Acket hängt ein großes Stück Stoff unter die Decke der Halle und setzt es zu einer Soundinstallation in Schwingung. Man kann die Arbeit aus verschiedenen Perspektiven betrachten – von oben, wenn man die große Treppe hinaufgeht, oder auch ganz von unten, indem man sich auf die Kissen am Fußboden legt.

Die Michaeliskirche bietet sich als nächster Stopp an. Die britische Künstlerin Liz West wird die Welterbe-Kirche mit mehr als 700 farbigen Spiegeln ausstatten, die sich über den Boden erstrecken und die bemalte Holzdecke reflektieren. Über den Michaelishügel geht es dann weiter zur Bischofsmühle, wo Studierende der HAWK Projektionen auf die Mauern an der Kanustrecke werfen. Ihr Thema: Obdachlosigkeit.

HAWK-Studierende sind auch am Roemer- und Pelizaeus-Museum aktiv – mit einer Lichtinstallation im Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes. Im Schafhausensaal des RPM ist parallel der Isländer Olafur Eliasson am Werk, der mit Halogenlampen überraschende Schattenwirkungen erzeugt. Direkt nebenan erschaffen Schüler und Studentinnen zusammen mit unterschiedlichsten Hildesheimer Gruppen eine Illuminierung des wenig bekannten Waisenhausgartens hinter Schlegels Weinstuben.

Auch die zweite Hildesheimer Welterbestätte ist diesmal bei den EVI Lichtungen dabei: Im Dom improvisiert Laurenz Theinert auf seinem speziell entwickelten Licht-Keyboard eine 360-Grad-Show zur live gespielten Orgel. Pro Aufführung sind maximal 600 Besucherinnen und Besucher zugelassen. Wenige Schritte weiter, am Bohlweg, wird die Rückwand des Dommuseums zur Projektionsfläche – erneut stecken HAWK-Studierende dahinter. Das französische Atelier A.I.L.O. experimentiert derweil in der Heilig-Kreuz-Kirche mit symmetrischen Mustern, die durch gebrochenes Licht entstehen.

Der Mond in St. Andreas

Den Schlusspunkt des Rundgangs könnte die St.-Andreas-Kirche bilden. Hier hängt Luke Jerram eine sieben Meter große Nachbildung des Monds im Maßstab 1:500.000 in den Kirchenraum – als metaphorisches „Aufeinandertreffen von Himmel und Erde“.

Es gibt noch mehr Lichtkunst, doch dafür würde sich ein Extra-Besuch an einem anderen Tag anbieten. Wie im Herbst 2022 ist wieder das Schloss Derneburg mit von der Partie. Diesmal zeigt die Hall Art Foundation Lichtkunst von Jenny Holzer, Keith Sonnier, Angela Bulloch und Olafur Eliasson. Ein Shuttle bringt Interessierte von Hildesheim dorthin, man muss sich allerdings über die Homepage des Kunstmuseums kostenlose Tickets besorgen. Beim letzten Mal nutzten rund 1000 Menschen dieses Angebot.

Frost wäre ein Premiere

Nach einem Oktober-Intermezzo im Jahr 2022 kehren die EVI Lichtungen an ihren angestammten Wintertermin zurück. Wir hatten nie Frost und wir hatten nie Schnee“, sagt Klaus Wilhelm. Trotz der aktuellen Minustemperaturen bleibt er entspannt. „Das wäre eine Premiere“, sagt er mit einem Schmunzeln. Ein bisschen Frost könnte jedenfalls die Arbeit „Never Sleep“ von Tim Atchells abbekommen, die als Vorbote der Lichtungen bereits ab diesem Freitag am Kehrwiederturm hängen wird.


Wichtige Infos

Die EVI Lichtungen laufen vom 25. bis 28. Januar jeweils von 18 bis 23 Uhr. In den letzten Jahren hat es oft lange Warteschlangen an einzelnen Spielorten gegeben. Das Organisationsteam rät deshalb dazu, für den Besuch alle Tage zu nutzen – und gerade auch frühe und späte Zeiten. Man kann die Lichtkunst auf eigene Faust erkunden oder sich zu einem der „Beleuchteten Spaziergänge“ anmelden. Die 75-minütigen Führungen werden von Studierenden der Uni geleitet, es gibt sie auch in Leichter Sprache, in Englisch und als Familien-Angebot. Dabei können die Teilnehmenden vier bis fünf Kunstwerke auf spielerische und experimentelle Weise erkunden. Man kann Karten über die Tourist-Info buchen. Umfangreiche Infos finden sich auf der Seite der EVI Lichtungen, dort wird es in Kürze auch das Programm zum Download geben. Tickets für den Besuch von Schloss Derneburg gibt über die Homepage des Kunstmuseums.

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