Kreislaufwirtschaft

30-Millionen-Euro-Projekt des Hildesheimer Unternehmers Knut Bettels genehmigt – dickes Lob vom Minister

Hildesheim/Goslar - Es wird die erste Anlage dieser Art in Deutschland, aber es soll nicht die letzte sein: Knut Bettels darf am Harzrand künftig Schadstoffe aus Teer herausbrennen. Warum Niedersachsens Umweltminister das gut findet – und der Bund Millionen beisteuert.

Das Gelände zwischen Goslar und Bad Harzburg, auf dem der Hildesheimer Unternehmer Knut Bettels seine neuartige Anlage plant. Foto: Wolfram Schroll / studioSchroll

Hildesheim/Goslar - Der Hildesheimer Unternehmer Knut Bettels ist bei seinem derzeit wohl größten Vorhaben einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig hat seine Pläne für eine Anlage zur thermischen Aufbereitung von teerhaltigem Asphalt in Oker am Nordrand des Harzes genehmigt. Es wird die erste Anlage dieser Art in Deutschland – mit der Fähigkeit, Schadstoffe zu zerstören, wegen denen alter Teeraufbruch bislang auf Deponien landete. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) würdigt das Projekt als „wichtigen Schritt hin zu einer umwelt- und klimaschonenden Kreislaufwirtschaft“. Seinem Ministerium war die Genehmigung eine eigene Pressemitteilung wert.

Mit 600 Grad gegen PAKs

Ganz konkret geht es um Schadstoffe, die im Landkreis Hildesheim nur zu bekannt sind: Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese sind in älterem Teer oft in Konzentrationen über dem gesetzlichen Grenzwert enthalten. Im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der Autobahn 7 zwischen Bockenem und dem Dreieck Salzgitter vor zehn Jahren kam es dabei zu einem Skandal: Weil der alte Asphalt nicht fachgerecht auf Deponien entsorgt wurde, landeten PAKs in zu hohen Dosen im Mittel- und Seitenstreifen der Autobahn.

Solches Material will Knut Bettels bald in seiner neuen Anlage behandeln. Ende 2027, spätestens Anfang 2028 soll sie in Betrieb gehen, so die Planung – mithilfe eines eigens entwickelten Verfahrens, an dem mehrere Forschungsinstitute und Firmen beteiligt waren. In der Anlage wird teerhaltiger Straßenaufbruch bei etwa 600 Grad Celsius thermisch behandelt. Dabei werden Schadstoffe wie PAKs und andere organische Verbindungen vollständig zerstört. „Übrig bleibt eine schadstofffreie Gesteinskörnung, die als vollwertiger Sekundärrohstoff erneut in Asphaltmischungen oder künftig auch in Beton eingesetzt werden kann“, stellt das Umweltministerium fest. Damit werde auch der Einsatz frischer Rohstoffe aus Steinbrüchen deutlich reduziert.

Impuls für andere Firmen?

Rund 30 Millionen Euro investiert das Bettels-Unternehmen IVH Industriepark und Verwertungszentrum Harz GmbH in das Vorhaben auf einem alten Hüttengelände zwischen Goslar und Bad Harzburg. Das Bundesumweltministerium steuert im Rahmen seines sogenannten Umweltinnovationsprogramms einen Zuschuss in Höhe von 4,05 Millionen Euro bei.

Zurecht, findet Landesumweltminister Meyer: Niedersachsen wolle bis 2040 klimaneutral werden. Dies erfordere auch „eine deutliche Abkehr von linearen Rohstoffströmen hin zu konsequenten Kreislaufprozessen“. Mit Bettels’ neuer Technologie entstehe „ein regionaler Kreislauf, der die Umwelt entlastet und gleichzeitig zeigt, welches Potenzial innovative Technologien für die nachhaltige Transformation der Bauwirtschaft bieten“. Das Projekt zeige, „dass innovative Kreislauflösungen in der Praxis funktionieren und wirtschaftlich tragfähig sind“, so Meyer weiter. Er sieht „einen wichtigen Impuls für Unternehmen, sich stärker auf ressourcenschonende Prozesse auszurichten und aktiv zur Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele des Landes beizutragen“.

Weitere Standorte geplant

Tatsächlich soll es bei dem einen Standort am Harz nicht bleiben. „Parallel zu diesem ersten Projekt ist die Unternehmensgruppe bereits mit potenziellen Partnern im Gespräch, um das Verfahrenskonzept auch an anderen Standorten in Deutschland zu realisieren“, betont Knut Bettels.

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