Mehrum - Das Vorhaben, auf dem Gelände des bisherigen Kohlehafens am Mittellandkanal bei Mehrum ein hochmodernes Werk des Pommes- und Tiefkühlfabrikanten McCain zu errichten, hat erste politische Hürden genommen. Nach dem Ortsrat von Peine-Schwicheldt hat nun auch jener in Mehrum dafür gestimmt, die Verfahren für die notwendigen Änderungen des Flächennutzungs- und des Bebauungsplans einzuleiten.
Entsetzen in Hämelerwald
Die beiden Ortschaften im Landkreis Peine teilen sich das Hafengelände am Kanal. Unterdessen wird das Entsetzen im Nachbarort Hämelerwald, der zu Lehrte gehört und nicht direkt an den politischen Verfahren beteiligt ist, immer größer. Denn über seine ohnehin schon stark befahrene Ortsdurchfahrt würde ein Großteil des prognostizierten zusätzlichen Lastverkehrs von McCain zur Autobahn 2 rollen.
Der Ortsrat in Mehrum hörte in seiner jüngsten Sitzung allerhand Details zu dem Vorhaben von McCain. Dabei hörte auch eine Delegation aus Hämelerwald mit Ortsbürgermeister Dirk Werner (SPD) an der Spitze zu. Nach dem einstimmigen Votum der Mehrumer für die nun einzuleitenden bauplanerischen Verfahren verließen die Hämelerwalder geradezu konsterniert den Sitzungssaal. Wenn McCain am Kanal baue, dann verliere ihr Ort an Wohn- und Lebensqualität. Reneé-Michael Friedrich (CDU) sagte, dann bekomme Hämelerwald nach der Bahnlinie in Ost-West-Richtung die nächste kaum überwindliche Trennlinie, nämlich die Ortsdurchfahrt in Nord-Süd-Richtung wegen des vielen Verkehrs.
450 bis 650 Arbeitsplätze?
Roland Panter, Hämelerwalder Ortsratsmitglied der Grünen, nannte die Ansiedlung einer Fabrik wie jener von McCain am Kanal schlicht „Schwachsinn“. Das gewerbliche Filetstück des alten Kohlehafens müsse für an die Wasserstraße gebundene Industrie genutzt werden und nicht für solche, die massenweise Straßenverkehr erzeuge.
Ein Planungsingenieur hatte zuvor in der Mehrumer Ortsratssitzung viele Details der bisherigen Planung deutlich gemacht. Da ging es bereits um Verbreiterungen einer Zubringerstraße zur McCain-Fabrik, um eine Bushaltestelle und den Ausbau einer Kreuzung an der Landesstraße 413. Auch über den Bau von zwei hohen Silos sprach er und davon, dass die neue Fabrik nach bisherigen Schätzungen zwischen 450 und 650 Arbeitsplätze bringe.
Umgehungsstraße als Lösung?
Das McCain-Werk werde rund um die Uhr und an jedem Tag im Jahr arbeiten, verdeutlichte der Planungsingenieur. Er bestätigte auch die Berechnungen, dass von der Industriefläche pro Tag bis zu 2850 zusätzliche Fahrzeugbewegungen, darunter 1000 Lastwagen, ausgehen könnten. 60 Prozent davon würden Richtung Norden über die Landesstraße 413 fahren, also in Richtung Ortsdurchfahrt Hämelerwald. Das sei jedoch eine Maximalberechnung, die in diesem Ausmaß nicht unbedingt eintreten müsse und sich auch nur an der zur Debatte stehenden Flächengröße und nicht konkret am McCain-Projekt orientiere. Doch auch die Lärmprognosen sind nicht angenehm für Hämelerwald. Sie besagen Pegelerhöhungen an der Ortsdurchfahrt von bis zu 1,7 Dezibel.
Mehrums Ortsbürgermeister Jens Böker (SPD) sprach in der Sitzung davon, dass McCain, das als weltweit tätiges Unternehmen bisher noch kein einziges Werk in Deutschland betreibe, am Mittellandkanal „eine Vorzeigefabrik“ schaffen wolle. Die Verkehrsbelastungen für seinen Ort und die Nachbardörfer seien sehr hoch, räumte er ein. Möglicherweise seien sie durch eine bereits vor vielen Jahren diskutierte, aber bislang nicht konkretisierte Umgehungsstraße abzumildern, die parallel zur Bundesstraße 65 nördlich an Mehrum und südlich von Hämelerwald von Ost nach West verlaufen könnte.
Von Achim Gückel
