Mehrum - Der Tiefkühlkost-Hersteller McCain prüft offenbar den Bau einer Pommes-Fabrik auf dem Gelände des ehemaligen Kohlehafens des stillgelegten Kraftwerks Mehrum. Zumindest Überlegungen hat das kanadische Unternehmen jetzt bestätigt. Ursprünglich war eine Entscheidung über die Zukunft des Kohlehafens schon im Frühjahr erwartet worden. McCain hatte sich bislang aber stets bedeckt gehalten. Der Hafen liegt rund zwei Kilometer östlich des Kraftwerks hinter dem Gewerbegebiet am Mittellandkanal.
„Produktionsbasis erweitern“
„Wir suchen weiterhin nach Möglichkeiten, unsere Produktionsbasis in Kontinentaleuropa zu erweitern, auch in Deutschland“, erklärte eine Sprecherin nun am Freitag auf HAZ-Anfrage, schränkte aber ein: „Die Möglichkeiten in Deutschland befinden sich noch in einem vorläufigen Stadium, in dem relevante Bedingungen erfüllt und Genehmigungen eingeholt werden müssen, um sie zu realisieren.“ McCain arbeite „eng mit den lokalen Behörden und anderen Interessengruppen zusammen, um schnellstmöglich zu prüfen, ob wir diese Bedingungen erfüllen können, und um unsere Absichten transparent zu machen“.
Weitere Nachfragen, etwa zur möglichen Größe einer solchen Fabrik oder zur Anzahl der Arbeitsplätze, beantwortete die Firma nicht. Anfang des Jahres, als der Name McCain noch nicht im Zusammenhang mit dem Standort Mehrum öffentlich genannt worden war, hatte Kraftwerks-Geschäftsführer Armin Fieber von zwei Interessenten berichtet, von denen einer um die 250 Stellen schaffen könnte.
In Deutschland werden immer mehr Tiefkühl-Pommes verkauft
Sicher ist: McCain will seine Produktionskapazitäten in Europa zu erweitern. In den vergangenen Jahren investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits rund 400 Millionen Euro in Frankreich und den Niederlanden. Auch Deutschland steht im Fokus. Schließlich steigt der Absatz von Tiefkühl-Kartoffelprodukten seit Jahren stetig. Im Vorjahr kauften die Deutschen rund 484.000 Tonnen, so viel wie noch nie. Drei Viertel davon waren tiefgefrorene Pommes Frites, der Rest unter anderem Kroketten oder Rösti. McCain hatte deshalb im Vorjahr angekündigt, seinen Absatz ausweiten zu wollen.
Dafür braucht das Unternehmen auch immer mehr Kartoffeln. und die sollen nicht allzu weit weg von den Fabriken entfernt wachsen. „Das ist uns aus Gründen der Frische und Nachhaltigkeit wichtig“, betont McCain. Die meisten Kartoffeln würden in der Nähe der Produktionswerke angebaut und müssten über maximal 150 Kilometer vom Acker zur Fabrik transportiert werden.
Kartoffeln aus der Hildesheimer Börde?
Ein Aspekt, der für Mehrum spricht. In der näheren und weiteren Umgebung werden viele Kartoffeln angebaut. Denn Niedersachsen ist in dieser Hinsicht bundesweit mit Abstand führend, fast jede zweite deutsche Kartoffel stammt aus diesem Bundesland. Nördlich von Hannover, aber zum Beispiel auch in der Hildesheimer Börde setzen Landwirte auf die Feldfrucht. Hiesige Kartoffeln finden sich in den Regionalabteilungen der Supermärkte, zudem beliefern örtliche Landwirte unter anderem McDonald’s.
Ein weiterer Faktor für McCain dürfte die Nähe zu den Autobahnen A2 und A7 sein, der einen schnellen Abtransport in alle Richtungen ermöglicht. Da das Kraftwerksgelände samt Kohlehafen seit Jahrzehnten ein etablierter Industriestandort ist, wäre wohl mit weniger Widerstand zu rechnen als bei einem Neubau auf der grünen Wiese. Und schließlich dürfte McCain für seine Produktionsweise – die Pommes werden zunächst mit Sonnenblumenöl vorgebacken und dann bei minus 35 Grad schockgefroren – einen hohen Strombedarf haben. In Mehrum gibt es reichlich starke Stromleitungen sowie Umspannwerke.


