Hildesheim - Mit dem wohl größten Demonstrationszug in der Geschichte der Stadt hat Hildesheim am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein deutliches Signal gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz gesendet. Während auf dem Rathausdach die Flaggen an diesem 27. Januar auf Halbmast gehisst waren, versammelten sich Tausende Menschen am Nachmittag auf dem Marktplatz und auf dem Platz an der Lilie, um gegen den wachsenden Rechtsextremismus im Land zu protestieren. Auch in Alfeld und Bad Salzdetfurth kamen zu diesem Zweck am Samstag Hunderte Menschen zusammen. Die weitaus größte Veranstaltung war aber die in Hildesheim.
Versammlungsleiter Tim Bellgardt und Polizei-Einsatzleiter Lennart Heyden sprachen am Ende unisono von rund 7500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Insgesamt sind in den vergangenen Wochen Millionen Menschen in Deutschland gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. In Hannover waren es in der vergangenen Woche 35.000, die sich auf dem Opernplatz trafen.
Treffen radikaler Rechter mit Plan von „Remigration“
Auslöser der aktuellen Proteste sind Enthüllungen des Recherchenetzwerks Correctiv über ein Treffen radikaler Rechter am 25. November 2023, an dem einige AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der konservativen Werteunion in Potsdam teilgenommen hatten. Darin ging es unter anderem um die „Remigration“ von Ausländern sowie von Menschen mit ausländischen Wurzeln aus Deutschland. Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang von einer Deportation.
Mit klaren Worten brandmarkten Redner vieler politischer Lager, aus dem kirchlichen und gewerkschaftlichen Bereich diese Geschichtsvergessenheit. „Haben diese Menschen immer noch nicht begriffen, was unsere Vorfahren der Welt damals angetan haben?“, fragte Oberbürgermeister Ingo Meyer rhetorisch. Daniela Rump, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks, sagte, dass sie sich für die Deportationspläne schäme. „Sie sind ein Angriff auf uns alle.“
Größte Demonstration der vergangenen Jahrzehnte
Mit 7500 Teilehmenden, die der Einladung des Bündnisses gegen Rechts gefolgt waren, übertrifft die Demonstration am Samstag alle anderen der vergangenen Jahrzehnte in Hildesheim. Die bisher größte war 1984 beim Widerstand gegen den damaligen NATO-Doppelbeschluss. Damals kamen auf dem Hindenburgplatz rund 6000 Gegner der nuklearen Aufrüstung zusammen.
Nach Reden auf dem Marktplatz zog etwa die Hälfte der Teilnehmenden in einem langen Zug durch die Innenstadt. Dabei musste der für den Protestzug verantwortliche Versammlungsleiter Hamun Hirbod wegen der vielen Teilnehmenden die alternative Route wählen. Statt über die kleinere Osterstraße, Bahnhofsallee, Hauptbahnhof und zurück in Richtung Hindenburgplatz ging es über die Schuhstraße, Kardinal-Bertram- und Marie-Wagenknecht-Straße zum Hauptbahnhof. Gegen 17 Uhr setzte sich der Protestmarsch an der Schuhstraße in Bewegung. Er sorgte eine Stunde lang für erhebliche Verkehrsbehinderungen. Insbesondere auf der Kaiserstraße ging zeitweise gar nichts mehr.
Trotzdem war Versammlungsleiter Hirbod am Ende zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich bin dankbar und froh, dass alles so gut geklappt hat.“
