Dernenburg/Hildesheim - Schon in Hildesheim ist das Angebot der EVI Lichtungen fast zu groß für einen einzigen Abend. 20 Kunstwerke an 15 Orten: Da müsste man schon im Laufschritt von einem Lichtkunstwerk zum anderen eilen. Und es gibt noch mehr zu sehen: Das Kunstmuseum im Schloss Derneburg beteiligt sich zum zweiten Mal als Satellit am Festival – mit Lichtskulpturen in Räumen, die zum Teil erstmals öffentlich zugänglich gemacht werden. Die HAZ durfte sich vorab dort umschauen.
Bei den vorigen EVI Lichtungen im Herbst 2022 war das Schloss ein Publikumsmagnet. Rund 1000 Menschen machten sich auf den Weg nach Derneburg, um Arbeiten von Keith Sonnier und anderen Künstlern zu sehen. Auch diesmal wird die Sonnier-Ausstellung im Kellergewölbe geöffnet, außerdem präsentiert die Hall Art Foundation Arbeiten von Jenny Holzer, Angela Bulloch und Olafur Eliasson.
Eintritt nur mit Busticket
Der Eintritt ist wie überall bei den Lichtungen frei. Dennoch müssen sich Interessierte Tickets besorgen – und zwar für den Shuttlebus, der in Hildesheim im stündlichen Rhythmus von einer Haltestelle am Bohlweg abfährt. Die Busfahrkarte ist ebenfalls kostenlos, aber sie wird benötigt, weil in Derneburg nur Menschen eingelassen werden, die mit dem Shuttle kommen. Damit soll zu starker Autoverkehr in Derneburg vermieden werden. Für Interessierte aus Derneburg, die in die Ausstellung wollen, wird natürlich eine Ausnahme gemacht.
Die Sonderausstellung mit den Lichtskulpturen ist im Ostflügel untergebracht. Im Eingangsbereich werden die Gäste von Keith Sonniers „Column II“ begrüßt – wie viele der im Schloss ausgestellten Sonnier-Arbeiten eine Komposition aus Aluminium-Platten und farbigen Neon-Röhren.
Wer die Sonnier-Sammlung noch nicht kennt und neugierig wird, sollte rechts die Treppe in den Keller hinuntergehen. Im Gewölbe, in dem sich zu Klosterzeiten eine Backstube befand, kommen die Skulpturen sehr gut zur Geltung. Durch das Aluminium haben sie einerseits eine industriell-kühle Anmutung. Andererseits, betont die Kunstvermittlerin Laura Stolle, sei der Amerikaner Sonnier auch sehr von der Antike und ihrer Architektur beeinflusst.
Bei der neu hinzugekommen Skulptur „Standing Sphinx“ sei das besonders schön zu sehen, so Stolle. Während die Alu-Platten als Abstraktion eines Sphinx-Körpers gelesen werden können, mögen die gelb geschwungenen Neonröhren an der Kopfplatte für die Flügel des rätselhaften Fabelwesens stehen. „Jede Arbeit braucht ein bisschen Zeit“, sagt die 30-Jährige.
Erstmals in neuen Räumen
Die Kellerräume dürften Fans des Kunstmuseums bekannt sein. Anders im Erdgeschoss: Einige dieser Räume sind noch nie bespielt worden. Für Jenny Holzers „Stripped Cross“ wurde zusätzlich ein dreieckig zulaufender Winkel eingebaut. Hier ziehen auf acht Bahnen leuchtende und blinkende Schriftzüge an den Augen der Betrachterin oder des Betrachters vorbei. Es sind Texte, die sich mit Kriegserfahrungen und Gewalt gegen Frauen auseinandersetzen. Keine leichte Kost, aber definitiv sehenswert.
„Space resonates regardless of our presence (Tuesday)“ im Nebenraum ist der perfekte, fast schon meditative Kontrast dazu. Der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson hat einen Glasring, eine sogenannte Fresnel-Linse, an einen Stahlträger gehängt und eine Lampe davor gesetzt. Ursprünglich wurde der Glasring für den Einsatz in Leuchttürmen hergestellt, hier erzeugt er ein faszinierendes Kreismuster an der Wand.
Zwei Arbeiten der in Kanada geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin Angela Bulloch komplettieren die Sonderschau. „Corian Five Sculpture Two Lights“ ist eine Stele aus fünf aufeinander aufbauenden, unregelmäßigen Kunststoff-Rauten; die beiden mittleren Segmente werden von innen mit LED-Lichtern beleuchtet, so dass die Stele teilweise zu schweben scheint.
Dass Bulloch sich gerne mit Regeln und Systemen beschäftigt, wird bei ihrer zweiten Arbeit noch deutlicher. „Gang Of Four: 16“ ist eine Wand aus 16 Quadern, die in wechselnden Farben leuchten – wie überdimensionale Pixel, die aus dem größeren Zusammenhang eines Bildes entnommen sind. Hinzu kommt ein spezieller Rhythmus beim Farbwechsel, zu dem die Künstlerin durch einen Song der britischen Band „Gang Of Four“ inspiriert worden ist.
Kostenlose Tickets
Das Kunstmuseum rechnet mit einer Stunde für einen Rundgang durch die Ausstellung. Danach kann man sich vom Shuttlebus wieder nach Hildesheim fahren lassen.
Die Sonderausstellung ist von Donnerstag, 25. Januar, bis Sonntag, 28. Januar, jeweils von 18 bis 23 Uhr geöffnet. Sie ist nicht barrierefrei. Karten für den Bustransfer und Abfahrtszeiten des Shuttles gibt es auf der Homepage des Kunstmuseums.. Am Samstag und Sonntag hat das Schloss Derneburg zwischen 11 und 17 Uhr auch normal geöffnet. Hierfür wird jedoch Eintritt verlangt.
Was man zu den EVI Lichtungen wissen muss
Die EVI Lichtungen laufen vom 25. bis 28. Januar jeweils von 18 bis 23 Uhr. In den vergangenen Jahren hat es oft lange Warteschlangen an einzelnen Spielorten gegeben. Das Organisationsteam rät deshalb dazu, für den Besuch alle Tage zu nutzen – und gerade auch frühe und späte Zeiten. Stoßzeiten sind erfahrungsgemäß zwischen 19 und 21 Uhr. Man kann die Lichtkunst auf eigene Faust erkunden oder sich zu einem der „beleuchteten Spaziergänge“ anmelden. Die 75-minütigen Führungen werden von Studierenden der Uni geleitet, es gibt sie auch in Leichter Sprache, in Englisch und als Familien-Angebot. Dabei können die Teilnehmenden vier bis fünf Kunstwerke auf spielerische und experimentelle Weise erkunden.
Man kann Karten über die Tourist-Info buchen. Umfangreiche Infos gibt es online auf der Seite der EVI Lichtungen, darunter auch das vollständige Programm zum Download und eine Karte mit den Lichtkunstwerken. Das Programm gibt es auch als kostenloses Heft am Info-Point auf dem Marktplatz.


