Hildesheim - Für viele Besucher der Vinzenzpforte ist es eine unerwartete Nachricht: Nicht mehr lange, dann wird Jeanne Golla, die Leiterin der Einrichtung, fortgehen. Sie wird ihren Job aufgeben für einen neuen und mit der Vinzenzpforte auch Hildesheim verlassen.
Ihre Arbeit wird dann jemand anderes machen: das Frühstück und Mittagessen für die bedürftigen Menschen, die Tag für Tag in die Vinzenzpforte kommen, das organisatorische Drumherum, das Einwerben von Spenden, den Ausbau der Netzwerke. Eigentlich sogar zwei Personen: „Aus der einen Vollzeitstelle, die ich bislang hatte, werden nun anderthalb“, sagt Golla, die eigentlich Gabriele heißt, aber von allen Jeanne genannt wird. „Die Arbeit hat sich im Laufe der Jahre auf so viele Gebiete ausgeweitet, die anfangs gar keine große Rolle spielten, sich inzwischen aber zu wichtigen Faktoren entwickelt haben.“
Menschen versorgen, das reichte ihr nie
Und so soll zukünftig ein Schwerpunkt auf Fundraising und Organisation liegen, ein anderer auf dem Tagesgeschäft bei der Versorgung der Menschen – obwohl der Begriff Versorgung zu kurz greift. „Wir haben einen sehr guten Kontakt zu vielen hier, was auch daran liegt, dass sie seit Jahren bei uns sind, und das Tag für Tag.“ Da entstehen fast automatisch Bindungen. „Auch unter den Gästen“, sagt Golla. „Sie kommen ja auch zum Plaudern her, zum Aufwärmen, sie wissen, wie es dem oder der anderen geht und machen sich Sorgen, wenn jemand mal nicht in der Vinzenzpforte auftaucht.“
Es ist dieses Gefüge, diese Stabilität, die die Vinzenzpforte den Menschen bietet – neben einem warmen Essen, einer heißen Dusche und seit einiger Zeit auch Beratungsmöglichkeiten. Im Winter gibt es die Wärmestube, die um 6 Uhr morgens öffnet, im Sommer auch mal ein Grillfest, draußen auf der Wiese.
Einst war sie selbst Ordensschwester
Entstanden ist die Einrichtung aus einer Initiative der Kongregation der Barmherzigen Schwestern, einst ein kleines Projekt, das im Mutterhaus der Vinzentinerinnen fast nebenbei mitlief. Inzwischen ist es eine feste Institution in der Stadt.
„Meine Arbeit hat mir immer total viele Möglichkeiten geboten, sie selbst zu gestalten“, sagt Jeanne Golla, die bis vor sieben Jahren selbst als Ordensschwester bei den Vinzentinerinnen lebte, dann aber austrat. „Ich hab das, was ich hier mache, immer sehr gern gemacht.“
Sie wollte nicht nur Gott, sondern auch einen Mann
Warum sie ihre Stelle nun dennoch aufgibt? Der Liebe wegen. „Ich hab mir immer gewünscht, in einer solchen Beziehung zu leben, wie ich sie jetzt mit meinem Freund habe“, sagt die 43-Jährige. Deshalb habe sie den Orden der Schwestern damals verlassen: weil sie ihr Leben nicht allein mit Gott, sondern auch mit einem irdischen Partner teilen wollte. Und nun hat sie diese Beziehung gefunden. „Nur leider nicht hier in Hildesheim, sondern in Wolfsburg“, sagt Jeanne Golla und strahlt.
Dort hat sie auch einen Job, der ihr entspricht. Für einen anderen Orden übernimmt sie das Fundraising, ab April in Teilzeit, sodass sie ihre Aufgaben in Hildesheim gleichzeitig an ihre Nachfolger übergeben kann, ab dem Sommer komplett. Dabei ist es noch völlig offen, an wen sie übergeben wird: „Wir suchen derzeit Menschen, die aus der Sozialarbeit oder einem verwandten Bereich kommen und die unsere Arbeit hier gern und engagiert weiterführen möchten.“
Eine Dönerparty zum Abschied
Und wenn sie sie gefunden haben, dann gibt es für Jeanne nur noch eins: „Bevor ich weg bin, will ich hier vor dem Haus noch eine Party geben“, sagt sie, „eine Dönerparty, und alle sind eingeladen.“
Wer sich bewerben möchte, kann das postalisch oder per Mail an j.golla@kongregation-hi.de tun. Oder direkt über die Ausschreibung der Vinzentinerinnen.
