Hildesheim - Wenn neuerdings alle zwei Wochen am Freitag das Medimobil der Malteser Halt an der Vinzenzpforte macht, wo bedürftige Menschen morgens einen Kaffee und mittags ein warmes Essen bekommen, dann kann es sein, dass sich die oft obdachlosen Patienten dort ein bisschen gedulden müssen. So ist es auch an diesem Freitag: Eigentlich sollte die mobile Arztsprechstunde längst auf dem Hof der Pforte in der Neuen Straße begonnen haben – doch das Mobil steht noch im Langen Garten, vor der dortigen Notunterkunft für Wohnungslose. Und da kann es auch nicht einfach weg. Niemand bleibt unbehandelt.
Doch dann kommt es an, sehr zur Freude einer Frau, die hier schon seit einer guten halben Stunde gewartet hat. „Zum Glück habe ich einen Rollstuhl“, sagt sie, „so kann ich immer sitzen.“ Sie, die die Armut seit langer Zeit kennt und deshalb auch seit Jahren in die Vinzenzpforte kommt, findet das neue Angebot super. „Ja klar, je mehr Haltestationen es gibt, desto mehr Leute kommen auch zum Arzt. Wer erst durch die halbe Stadt laufen muss, der überlegt es sich vielleicht und geht gar nicht erst hin.“
Typische Leiden, die Armut und Obdachlosigkeit verursachen
Das sehen auch die beiden Einsatzkräfte der Malteser so, die an diesem Tag das Medimobil betreuen. Mediziner Hans Stöckmann, der hier seit drei Jahren ehrenamtliche Arbeit leistet, nachdem er seine Praxis als Internist aufgegeben hat, stellt bei den Patienten immer wieder die typischen Leiden fest, die Armut, Obdachlosigkeit und Süchte hervorbringen, wie er sagt: „Das sind oft Erkältungssymptome, Rückenprobleme und ganz viele Magenerkrankungen. Mit Verletzungen kommen auch Menschen, das überwiegt aber derzeit nicht.“ Und falls doch: Als Sanitäter steht Stöckmann Clemens Meisel zur Seite, der schon seit acht Jahren auf dem Medimobil fährt. „Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Job, wir können den Leuten so wirklich helfen. Und Spaß macht es auch, weil du siehst: Diese Hilfe kommt da an, wo sie gebraucht wird.“
Darüber ist auch Jeanne Golla froh, die Leiterin der Vinzenzpforte, die ständig versucht, das Angebot der Einrichtung an die Bedürfnisse der Menschen, die herkommen, anzupassen. „Ich glaube, das ist derzeit eine Sache, die unsere Gäste brauchen, vor allem in der immer noch andauernden Corona-Zeit. Und das zweite ist ein Beratungsangebot, damit wir auch in anderen Belangen, bei Behördenangelegenheiten oder psychologischen Problemen, Hilfe anbieten können.“ Da sei etwa die Einsamkeit, die vielen Menschen in der Vergangenheit schwer zu schaffen gemacht habe. Oder, Gollas Ansicht nach auch eine Corona-Folge: die große Existenzangst vieler. „Und seien wir ehrlich, die ist gar nicht unberechtigt, denn viele Geschäftsaufgaben, aber auch viele private Nöte, werden erst im kommenden Jahr wirklich sichtbar werden.“
Gespräche in Ruhe, abseits des Mittagstrubels
Dann will Golla da sein. Und so hat die 42-Jährige die Planungen für einen Umbau der Pforte vorangetrieben, der die räumlichen Voraussetzungen für Gespräche abseits des Mittagstrubels bietet. „Der sol Ende des Jahres abgeschlossen sein“, so Golla, „den Kostenrahmen legen wir gerade noch fest.“ Eine allererste, vorsichtige Schätzung habe bei 30 000 Euro gelegen, „aber damit werden wir nicht hinkommen. Allein das Material hat sich im Preis so erhöht, das wird nichts“, prognostiziert sie.
Wann genau die Menschen dann hierher zur Beratung kommen können, das wisse sie derzeit noch nicht, so Golla. „Es wird innerhalb der Öffnungszeiten der Vinzenzpforte sein, und die gehen derzeit von 9 bis 14 Uhr.“ Ihre Gäste, sagt sie und lacht, die werden es rechtzeitig von ihr erfahren.
