Berlin/Hildesheim - Deutschland hat den Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) erneut nur mit „ausreichend“ bestanden. Die rund 245 000 Teilnehmenden an der nicht repräsentativen ADFC-Umfrage stellten dem Land mit Blick auf die Fahrradfreundlichkeit lediglich die Note 3,96 aus, wie der Verein am Montag in Berlin mitteilte. Seit dem vorigen Fahrradklimatest vor zwei Jahren hat sich die Stimmung damit tendenziell sogar verschlechtert (damaliges Ergebnis: 3,93). Hildesheim schnitt wie bei fast allen vorherigen Fahrradklimatests in den vergangenen zehn Jahren nur mit der Note 4,3 ab.
Auch andere Großstädte haben weiter Nachholbedarf, wie aus den Ergebnissen der Umfrage hervorgeht, die der ADFC alle zwei Jahre vornimmt, um die fahrradfreundlichsten Städte und Gemeinden in Deutschland zu küren. Viele Radfahrer und Radfahrerinnen fühlen sich unsicher. Sie kritisieren zu schmale Radwege, zu viele auf Radstreifen parkende Autos sowie Unfallgefahren an Baustellen.
Radfahren in Hildesheim sei Stress, monieren viele Teilnehmer
Am fahrradfreundlichsten bewerteten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen unter den Städten mit mehr als 500 000 Einwohnerinnen und Einwohnern Bremen, dicht gefolgt von Hannover und Frankfurt am Main. Doch selbst die Hansestadt an der Weser bekam lediglich die Note 3,57, – also höchstens noch „befriedigend“.
Hildesheim landet unter den Kommunen mit 100 000 bis 200 000 Einwohnern bundesweit auf Platz 28 von insgesamt 40 möglichen Plätzen, in Niedersachsen belegt die Stadt in dieser Kategorie den fünften Platz unter sechs Städten. Die Mehrzahl der Teilnehmer aus Hildesheim moniert, Radfahren bedeute hier Stress, in jüngster Zeit sei kaum etwas für den Radverkehr getan worden.
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ADFC sieht ländlichen Raumals „das Sorgenkind“
„Es ist ein Trend, den wir mit Sorge beobachten“, sagte die politische Bundesgeschäftsführerin des ADFC, Ann-Kathrin Schneider, bei der Vorstellung der Ergebnisse. „Grundsätzlich werden die Menschen nicht zufriedener, sondern unglücklicher. Sie haben weniger Spaß beim Fahrradfahren.“ Dennoch lasse sich vor allem in den großen Städten ein leichter Aufwärtstrend bei der Radfreundlichkeit feststellen. Das Unsicherheitsgefühl nehme eher ab. Radfahrer seien selbstbewusster geworden und würden zunehmend als Verkehrsteilnehmer akzeptiert. Das Fahrradklima verbessere sich, sagte Schneider.
Anders sehe es im ländlichen Raum aus. „Er ist unser Sorgenkind“, sagte Schneider. Viele Menschen setzten dort inzwischen aufs Pedelec. Die E-Fahrräder ermöglichten ihnen, auch weite Entfernungen zurückzulegen. Doch die Infrastruktur stoße da schnell an ihre Grenzen. „Dafür brauchen wir Lückenschlüsse“, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) am Montag in Berlin. Wenn auf dem Land eine Lücke in der Fahrradinfrastruktur ein Sicherheitsrisiko darstelle, sei das ein Ausschlusskriterium für die gesamte Strecke. „Das kann nicht richtig sein, das muss man ändern“, forderte der Minister. Er verwies auf die verstetigten Fördermittel des Bundes für den Ausbau der Radinfrastruktur in den Kommunen.
von Matthias Arnold und Joscha Röhrkasse mit dpa
