Kreis Hildesheim - 2185 Flüchtlinge aus der Ukraine leben derzeit im Landkreis Hildesheim, rund 1700 sind es in der Stadt. Die Landesaufnahmebehörde hat für den Kreis pro Woche voraussichtlich zwei Busse mit etwa 75 Personen angekündigt. Die Behörden suchen händeringend nach Gebäuden, in denen sie die Menschen unterbringen können. Platz gibt es zum Beispiel in Lamspringe. Die Gemeinde geht davon aus, dass die alte Realschule im nächsten Jahr ein Domizil für Flüchtlinge wird – für rund 40 Familien. „Ähnlich wie schon im Jahr 2015“, blickt Gemeinde-Bürgermeister Andreas Humbert zurück.
„Wir brauchen Raum für die Flüchtlinge“, betont der Verwaltungschef auf HAZ-Nachfrage. Den bietet die im Jahr 1965 erbaute Schule in der Straße Kallenberg durchaus. „Aber dort muss für die Unterbringung der Menschen noch alles vorbereitet werden. Zum Beispiel müssen die alten Heizungen raus. Auch Fragen des Brandschutzes sind zu klären“, so Humbert weiter. Die ganze Aktion koste viel Geld. Humbert rechnet fest damit, dass der Kreis in die Schule investiert, um sie bezugsfertig zu machen. Dieser entscheide aber letztlich über mögliche Standorte.
Kreis prüft Immobilien
Der Kreis hält sich auf Anfrage nach eventuellen Standorten von Unterkünften bedeckt. Die Verwaltung prüft nach eigenen Angaben eine Vielzahl von Immobilien. Dazu gehört auch die frühere Realschule in Lamspringe. Ebenfalls zur Diskussion stehen die Hallen der ehemaligen Tapetenfabrik in Emmerke. Auch diese Gebäude werden für eine mögliche Nutzung geprüft. Für diese stehen laut Kreis noch keine Details fest. In Emmerke plant eine Genossenschaft eigentlich Lagerflächen und auch Depots. Sie hat sich zu einer möglichen Unterbringung Geflüchteter und Konsequenzen für ihre Pläne gegenüber der HAZ noch nicht geäußert.
Unterdessen richtet der Kreis das Relexa-Hotel in Bad Salzdetfurth weiterhin her, damit dort Menschen aus der Ukraine leben können. „Das Oberhaus des Relexa hat eine Kapazität von 136 Plätzen, die nahezu belegt sind“, so Kreissprecherin Birgit Wilken am Dienstag. Das Unterhaus wird gegenwärtig bezugsfertig gemacht. Die künftige Kapazität beträgt dort 104 Plätze.
Kontakt mit Hausbesitzern aufnehmen
Neben größeren Gebäuden wie Hallen oder Hotels muss künftig zunehmend Wohnraum für die Menschen auch in Privathäusern her. „Sporthallen können nur eine vorübergehende Lösung sein“, so Rainer Block, Sprecher des Kreisverbands Hildesheim des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Der Lamspringer Bürgermeister Andreas Humbert setzt daher auf eine Aktion, die sich an Hausbesitzer und Hausbesitzerinnen im Kreis richtet.
„Bei uns in der Gemeinde leben in manchen Häusern nur ein bis zwei Personen“, berichtet Humbert. Nun gelte es für die Kommunen, Hausbesitzer in Abstimmung mit dem Landkreis anzuschreiben, um Wohnraum für die Ukrainer und Ukrainerinnen zu finden. Die Unterbringung solle für die Hausbesitzer keine Kosten verursachen.
Humbert hat nach eigenen Angaben den Anstoß für solch eine Aktion gegeben. Mit dem Thema wird sich die regionale Bürgermeisterkonferenz in dieser Woche beschäftigen.
