Hildesheim - Noch sind die Arbeiten an der historischen Brücke und dem Johannisfriedhof nicht abgeschlossen, da zeichnet sich bereits die nächste Baustelle am Dammtor ab: Die Böschung an der Brücke über den Eselsgraben neben der ehemaligen Gärtnerei Schneider ist beschädigt, bei einem Hochwasser wäre sie nicht mehr standsicher. Stadtentwässerung (SEHI) und Stadt haben angekündigt, sich der Probleme anzunehmen, voraussichtlich in sechs Monaten sollen dazu Pläne vorliegen. Aufwand und Kosten könnten beträchtlich werden, mögliche Einschränkungen für die Umgebung lassen sich noch nicht absehen.
Dass am Eselsgraben Handlungsbedarf besteht, ergibt sich aus dem Gutachten eines Wasserwirtschaftsingenieurs: Der Experte war von dem Eigentümer der benachbarten Gärtnerei-Immobilie herangezogen worden, weil die Böschung nach dem Hochwasser 2017 an mehreren Stellen Risse aufwies und zum Teil abgesackt war. Das Ufer gehört der Stadt, der Immobilienbesitzer hatte sich daher an das Rathaus gewendet, dieses hat nach eigenen Angaben die Kosten für das Gutachten übernommen.
Kanal in der Böschung ging beim Hochwasser 2017 kaputt
Doch auch die SEHI sitzt bei dem Thema mit im Boot. Denn in der Böschung liegt ein ehemaliger Kanal des Unternehmens. Er war - ebenfalls bei dem Hochwasser 2017 – gebrochen; der Schaden führte zum Bau des neuen Kanals in der Dammstraße und damit zur Entdeckung der historischen Brücke dort.
Die Stadt hat die SEHI nun aufgefordert, den alten Kanal vor dem Gärtnerei-Grundstück zu entfernen, der betroffene Abschnitt ist etwa 80 Meter lang. Im Zuge der Arbeiten wollen die Kommune und ihr Tochterunternehmen auch gleich die Böschung sichern. Nur wie das genau passieren soll – darüber grübeln Stadt und SEHI noch.
SEHI-Chef Erwin Voß: Planung soll in sechs Monaten stehen
Bis die Planung vorliege, dürfte es sechs Monate dauern, kündigte SEHI-Chef Erwin Voß gegenüber der HAZ an. Vorher lasse sich zum Vorgehen, den Kosten und etwaigen Auswirkungen auf die Umgebung nichts sagen, betonen er und die Verwaltung unisono. Zumal SEHI und Stadt mit Blick auf den Hochwasserschutz auch den weiteren Böschungsverlauf nördlich und südlich der Eselsgraben-Brücke unter die Lupe nehmen und dort gegebenenfalls ebenfalls tätig werden wollen.
Die Zurückhaltung rührt auch daher, dass das Rathaus mit dem Eigentümer des ehemaligen Gärtnerei-Grundstücks derzeit über dessen Kauf verhandelt. Das wollte zwar keiner der Beteiligten auf Anfrage bestätigen. Doch von dem Geschäft könnten beide Seiten profitieren.
Gärtnerei-Gebäude ist bisher nicht bedroht – was ist nach dem nächsten Hochwasser?
Zwar ist das Haus auf dem einstigen Gärtnereigelände bisher nicht von den Böschungsschäden in seiner Standfestigkeit bedroht. Die Stadt hat zudem in Abstimmung mit der SEHI Kontrollmarkierungen in der Stützmauer vor dem Gebäude angebracht, um etwaige Bewegungen im Boden zu ermitteln. Doch kommt es erneut zu einem Hochwasser wie 2017, könnte die Sache anders aussehen.
Mit einem Verkauf würde der Eigentümer also eine nicht unproblematische Immobilie los. Stadt und SEHI wiederum hätten direkten Zugriff auf das Ufer; sie könnten die Böschung leichter von der Landseite aus sanieren, anstatt eine Spundwand vom Wasser aus errichten zu müssen, was deutlich aufwändiger wäre. Nach der Sanierung würde auch eine Bebauung des hinteren Geländes der einstigen Gärtnerei möglich, von deren Abriss ganz zu schweigen. Das geht derzeit nicht, weil die Zufahrt neben der maroden Böschung liegt. Das Gewächshaus und die einstigen Räume der Gärtnerei sind verwaist, in dem übrigen Bereich des Hauses leben fünf Mietparteien. Es soll bereits Interessenten für das Areal geben.
Auf die Stadt könnten erhebliche Kosten zukommen
Trotz aller Unwägbarkeiten ist klar: Auf die Stadt könnten erhebliche Kosten zukommen. Im Raum steht allerdings eine eventuelle Schadensersatzforderung der Kommune gegen die Betriebs-GmbH des Wasserkraftwerks am Johanniswehr, das rund 180 Meter südlich der lädierten Böschung liegt. Sowohl SEHI-Chef Voß als auch Baudezernentin Döring hatten jüngst im Stadtentwicklungsausschusses einen Zusammenhang zwischen den Böschungsschäden und der Vertiefung des Eselsgraben hergestellt, die dem Kraftwerk mehr Wasser zuführen sollte. Man prüfe, ob man die GmbH haftbar machen könne, hatte Döring auf eine entsprechende Frage des SPD-Ratsherren Tobias Eckardt geantwortet; diese Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, sagte Rathaussprecher Helge Miethe jetzt der HAZ.
Wasserwerk-Geschäftsführer weist Vorwürfe zurück
GmbH-Geschäftsführer Gerhard Klarhölter sieht möglichen Forderungen der Stadt gelassen entgegen: „Das ist Quatsch – die Schäden kommen vom Hochwasser 2017.“ Die Verwaltung bestätigt indes Informationen der HAZ, nachdem bereits 2009 – und damit kurz nach der Vertiefung und Verbreiterung des Eselsgraben zugunsten des Wasserkraftwerks – „Absackungen im Böschungsbereich“ festgestellt wurden.
